Kachelmann-Freispruch: Medienschelte vom Richter

Der Prozess gegen den Wettermoderator Kachelmann ist mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Nach Auffassung der Richter reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung aus, daher entschieden sie "in dubio pro reo" - im Zweifel für den Angeklagten. Der Vorsitzende Richter Michael Seidling sagte, die Kammer sei nicht von der Unschuld Kachelmanns oder einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin überzeugt. Das Gericht habe aber begründete Zweifel an der Schuld des Angeklagten, da die Verdachtsmomente sich im Laufe der Verhandlung "abgeschwächt, aber nicht verflüchtigt" hätten.

Heftige Kritik übte der Richter an Verteidiger Johann Schwenn und den Medien, die sich seiner Meinung nach "mehr zurückhalten hätten müssen". Panorama hatte im Dezember 2010 über die Rolle von Alice Schwarzer als Gerichtsreporterin für die Bildzeitung berichtet und aufgedeckt, dass sie gleichzeitig an einem Buch zu dem Fall arbeitete und mit dem vermeintlichen Vergewaltigungsopfer E-Mail Kontakt pflegte. Später wurde sie selbst als Zeugin geladen, berief sich vor Gericht aber auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht.

Alice Schwarzer beim Kachelmannprozess in Mannheim © dapd Fotograf: Ronald Wittek

Alice Schwarzer im Kachelmann-Prozess: Journalistin oder PR-Frau?
Als Gerichtsreporterin für "Bild" schieb Alice Schwarzer über den Kachelmannprozess. Gleichzeitig pflegte sie per E-Mail Kontakt mit dem vermeintlichen Opfer. So berichtete Panorama im Dezember 2010.