Was hinter der Swoboda-Partei steckt

"Swoboda" (Freiheit) wurde 1991 gegründet, allerdings unter dem Namen "Sozial-Nationale Partei der Ukraine". Erst 2004 wurde der Name geändert, um mit moderateren Tönen nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ neue Wählerschichten zu erschließen. Historisch bezieht sich Swoboda auf die "Organisation der Ukrainischen Nationalisten" (OUN) unter Stepan Bandera (1909-1959). Dieser wird vor allem in der Westukraine als Freiheits- und Unabhängigkeitskämpfer verehrt, während er im Süden und Osten des Landes zumeist als Nazi-Kollaborateur gesehen wird.

Stepan Bandera

Stepan Banderas gilt der Westukraine als Freiheits- und Unabhängigkeitskämpfer im Süden und Osten des Landes zumeist als Nazi-Kollaborateur.

Unstrittig ist, dass Bandera sich frühzeitig als ukrainischer Unabhängigkeitskämpfer und politischer Attentäter betätigt hatte, weswegen er 1934 nach der Ermordung des polnischen Innenministers Bronisław Pieracki in Polen inhaftiert war. 1939 kam er frei und arbeitete zunächst eng mit der deutschen Besatzungsmacht zusammen. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Juni 1941 proklamierte Bandera allerdings die ukrainische Unabhängigkeit - was nicht nach dem Geschmack der Nationalsozialisten war. Bandera wurde verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, wo er bis 1944 inhaftiert war.

Die von der OUN kontrollierte "Ukrainische Aufständische Armee" ("Ukrajinska Powstanska Armija", UPA) war an der Ermordung zehntausender Juden, Polen und Russen beteiligt - und arbeitete zum Teil eng mit der hauptsächlich aus ukrainischen Freiwilligen bestehenden Waffen-SS-Division "Galizien" zusammen. Bandera selbst wurde 1944 entlassen, um eine ukrainische Partisanenarmee gegen die vorrückende Rote Armee anzuführen. Er ließ sich zwar mit deutschen Waffen versorgen, kämpfte jedoch vor allem für die ukrainische Unabhängigkeit. Daher verbündete er sich zeitweilig mit sowjetischen Partisanen gegen die Deutschen, dann wieder mit der antikommunistischen polnischen "Heimatarmee" gegen die Rote Armee.

Pilgerstädte für ukrainische Nationalisten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schlug sich Bandera 1946 nach München durch und lebte dort unter falschem Namen. In der Sowjetunion wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt und 1959 schließlich vom KGB durch ein Blausäure-Attentat ermordet. Banderas Grab auf dem Münchner Waldfriedhof ist seit der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 zu einer Art Pilgerstädte für ukrainische Nationalisten geworden, auch Swoboda-Delegationen statten ihm regelmäßig Besuche ab.

In den vergangenen Jahren organisierte Swoboda zudem mehrfach Ehrungen und Kundgebungen, um an den "heldenhaften" Kampf der UPA und der Waffen-SS-Division "Galizien" zu erinnern. Auch der Schlachtruf des Maidan ("Ruhm der Ukraine" - "Den Helden Ruhm") ist eine Parole der OUN. Von den Aktivisten wird immer wieder beteuert, dass mit den "Helden" ausschließlich die auf dem Maidan Kämpfenden und Getöteten gemeint seien. Doch vor allem in der Wahrnehmung der Bevölkerung im Osten und Süden der Ukraine dürfte dies wenig an der Herkunft und Bedeutung der Parole ändern.