Stand: 04.05.17 19:00 Uhr

Randale und Nazi-Parolen: Cottbus-"Fans" rasten aus

von Andrej Reisin

"Zecken, Zigeuner und Juden - Babelsberg 03" - das ist nur einer der rechtsradikalen Gesänge, die am vergangenen Freitag im Auswärts-Fanblock von Energie Cottbus beim SV Babelsberg 03 in Potsdam gesungen wurden. Außerdem kam es zu schweren Ausschreitungen - das Spiel musste mehrfach unterbrochen werden. Die Polizei leitete 19 Strafverfahren ein.

Vermummte Fußballfans von Energie Cottbus in einem Stadion in Potsdam. © Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V.

Randale und Nazi-Parolen:
Rechtsradikale Gesänge, ein Platzsturm und mehrfache Spielunterbrechungen: Im Auswärts-Fanblock von Energie Cottbus in Babelsberg kam es zu schweren Ausschreitungen.

Videoaufnahmen zeigen Nazi-Gruß

Im Block der Gäste befanden sich etwa 400 Anhänger von Energie Cottbus, offenbar begleitet von einigen befreundeten Fans aus Chemnitz. Mehrfach wurde der Hitlergruß gezeigt. Gerufen wurde auch "Arbeit macht frei - Babelsberg 03" - eine Anspielung auf die zynische Parole, die über dem Eingangstor einiger Konzentrationslager der Nationalsozialisten prangte.

Das gemeinnützige "Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V." (JFDA) veröffentlichte nun erstmals Videoaufnahmen, die das Rufen der Parolen zeigen. Diese liegen Panorama vor. "Es ist schockierend und verstörend, dass ein vermummter Block grölend den Holocaust verherrlicht. Wir hoffen, dass die entsprechenden Täter strafrechtlich belangt werden und es nicht erneut zu solchen Szenen kommt", so Forums-Sprecher Levi Salomon.

Potsdamer Bürgermeister entsetzt

Der ebenfalls im Stadion anwesende Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte dem Rundfunk Berlin-Brandenburg nach der Partie erklärt, er habe die Szenen "mit Entsetzen" erlebt: "Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun", so Jakobs. Der Sender hatte das Spiel im Internet live übertragen.

Cottbus-Fans nicht zum ersten Mal auffällig

In einer Stellungnahme verurteilt das Präsidium von Energie Cottbus die Vorkommnisse, die "furchtbare Umfänge und Ausmaße" gehabt hätten. Das Spiel sei "von Kriminellen und Gewalttätern missbraucht worden, nicht von Energiefans". Die Personen seien einer "rechtsextremen Klientel zuzuordnen". Man werde versuchen mit lebenslangen Hausverboten und bundesweiten Stadionverboten zu reagieren.

Allerdings ist es keinesfalls das erste Mal, dass Anhänger des Vereins durch rechtsradikale Umtriebe auffallen. Bereits beim Hinspiel gegen Babelsberg, dessen Fans traditionell als eher linkslastig gelten, gab es ähnliche Parolen und Schmierereien.

Die Cottbusser Ultra-Gruppierung "Inferno Cottbus" war vom Verein bereits 2013 kollektiv mit einem Stadionverbot belegt worden, weil sie personelle Überschneidungen mit organisierten Neonzai-Gruppen gehabt haben soll. Auch Panorama hatte bereits 2006 über ein Banner mit der Aufschrift "Juden" berichtet, das sich gegen Dynamo Dresden richtete.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 20.04.2006 | 21:45 Uhr