Stand: 26.04.17 12:37 Uhr

Fahrradklau: Panorama Recherche führte schon früher zu Razzia-Orten

Gegen neun Uhr morgens durchsuchten am Dienstag etwa 180 Einsatzkräfte zwei Lagerhöfe in der Hamburger Billstraße. Dabei handelt es sich um die größte Aktion gegen Fahrraddiebstahl in der Geschichte der Hamburger Polizei. Schon im Sommer 2016 führten Panorama-Recherchen zu Höfen in dieser Straße.

Großeinsatz bei der Hamburger Polizei: Hunderte Fahrräder sichergestellt. © NDR

Bilder von der Razzia in der Hamburger Billstraße
Panorama Reporter filmten die Razzia in der Billstraße. Hier einige Impressionen.

Mindestens 1.500 Fahrräder beschlagnahmt

Bei der Razzia heute wurden nach Angaben der Polizei mindestens 1.500 Fahrräder beschlagnahmt. Zunächst sprach die Polizei von rund 3.500 Rädern. Nach einer ersten Durchsicht musste diese Zahl aber nach unten korrigiert werden. Die Polizei vermutet, dass ein Großteil dieser Räder gestohlen wurde. Sie hatte in dem Fall bereits monatelang ermittelt und geht von einer Bande aus, die überregional operiert. Einsatzleiter Frank Fürst sagte gegenüber Panorama, dass die Polizei bereits eine nicht geringe Anzahl an Rädern in ihren Datenbanken als gestohlen identifizieren konnte.

Die Räder wurden mit 15 Lastwagen abtransportiert und in eine eigens dafür angemietete Halle gebracht. Dort werden die Räder nun einzeln überprüft. Dieser Vorgang kann mehrere Tage bis Wochen dauern. Fahrräder, die nicht als gestohlen gemeldet sind, werden die Händler dann wohl zurückerhalten.

Händler bestreitet Verwicklung in organisierten Diebstahl

Einer der mutmaßlichen Hehler bestreitet im Interview mit Panorama, dass seine Fahrräder gestohlen seien. Er kaufe seine Ware auf Flohmärkten oder von Einzelpersonen, die die Räder direkt bei ihm vorbeibrächten. "Dann verkaufe ich die LKW-weise. Die Räder werden dann etwa nach Tadschikistan gebracht", sagte der Händler.

Ein weiterer Hehler bestritt gegenüber Panorama ebenfalls, mit Diebesware zu handeln. Er verkaufe seine Räder häufig Richtung Afrika. Für eine Lkw-Ladung voll mit etwa 100 Rädern erhält man nach Informationen von Panorama etwa 1000 bis 4000 Euro.

Lagerhöfe der Billstraße sind berüchtigt

Die Billstraße gilt schon lange als einer der Hauptumschlagplätze für Fahrräder. Häufig bringen Diebe ihre Räder direkt bei den dort liegenden Höfen vorbei. Panorama hatte schon im Sommer 2016 über die Straße berichtet. Ein Panorama Team hatte zuvor Fahrräder mit GPS-Trackern ausgestattet und als Köder in Hamburg ausgesetzt. Ein Dieb knackte unser Schloss und brachte das Rad auf direktem Weg zu einem Ankäufer in die berüchtigte Billstraße in Rothenburgsort. 

Hier reiht sich ein Import-Export-Handel an den nächsten. Lieferwagen und Sprinter, meist mit osteuropäischen Kennzeichen stehen überall - und überall Berge von Fahrrädern. Die Signale eines der geklauten Fahrräder führten Panorama dann auf einen Hof in der Hamburger Billstraße.

Polizeiliche Maßnahmen waren bislang schwierig

Das Panorama-Rad konnte nicht wiedergefunden werden. Das GPS-Signal erlosch, als das Fahrrad auf dem Hof in Billstedt ankam. Für die Polizei war es bislang schwierig, hier Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken. Die Beweislage erwies sich als äußerst schwierig. Auf dem Gelände der Billstraße sind ein gutes Dutzend Gewerbe angemeldet. Es ist unklar, zu welchem Mieter welche Container und Hallen gehören. Um die Razzia am heutigen Dienstag durchführen zu können, mussten die Höfe deswegen über mehrere Monate oberviert werden.

Fahndung soll international vernetzt werden

Wenn die Fahrräder aus der Billstraße einmal ins Ausland verkauft worden sind, wird es zudem schwierig, diese zurück zu holen. Dies will die Bundesregierung nun laut einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen ändern. Bislang wurden Informationen zu geklauten Fahrrädern zwar im deutschen Fahndungssystem "Inpol" gespeichert, etwa 1,2 Millionen Räder sind dort erfasst. Allerdings werden diese Daten nicht mit Ermittlern in anderen Ländern über das Schengen-Informationssytem geteilt. Wenn ein litauischer Polizist vor einem geklauten deutschen Fahrrad steht, kann er dies bislang nicht auf digitalem Weg erfahren. Er muss bei Verdacht erst schriftlich mit den deutschen Kollegen Kontakt aufnehmen. Jetzt kündigte die Bundesregierung an, dieses Verfahren auf europäischer Ebene neu verhandeln zu wollen.

Karte: Fakten rund um Fahrraddiebstahl

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 22.09.2016 | 21:45 Uhr