Stand: 16.08.17 15:39 Uhr

Auftrag Rufmord? Zu viel der Ehre!

von Christoph Lütgert und Kristopher Sell

Mit seinem Buch "Mein Auftrag: Rufmord" sorgt Stefan Schabirosky in zahlreichen Medien für erhebliches Aufsehen. Die These seines Buches ist, dass er, ehemaliger Mitarbeiter des AWD, finanziert von dessen Konkurrent, der DVAG, eine Rufmord-Kampagne gegen Carsten Maschmeyer initiiert habe. Er habe im Alleingang diverse Leitmedien, darunter NDR, "Spiegel", "Süddeutsche Zeitung" und "Stern" beeinflusst und gesteuert. Deren Berichte gegen Maschmeyer und dessen AWD seien allesamt von ihm initiiert worden. Schabirosky versucht weiterhin den Eindruck zu vermitteln, als seien die Berichte der genannten Medien voller Fehler, weil die Redaktionen seine Behauptungen ungeprüft übernommen hätten.

Schabirosky nicht einziger Informant

Die Panorama-Redaktion, die vor Jahren mehrere Berichte über Carsten Maschmeyer und seinen AWD produziert hatte, stellt dazu fest: Auch Stefan Schabirosky gehörte zu den Informanten, die Material für die Berichte lieferten. Er war aber nicht der einzige Informant, sondern einer von vielen und beileibe nicht der Wichtigste. Dass er im Unfrieden beim AWD ausgeschieden war, hatte er von Anfang an offenbart, nicht aber, dass er für die DVAG arbeitete. Wobei dies seine Informationen auch im Rückblick nicht generell wertlos macht.  Denn übernommen wurde nur, was einer akribischen Prüfung durch die Redaktion standhielt. Genau wie die Informationen und Vorwürfe zahlreicher weiterer Informanten wurden auch die Schilderungen Schabiroskys durch Insider, unabhängige Experten von Finanztest, Verbraucherzentralen und sachkundigen Fachanwälten gegengecheckt, bestätigt oder als nicht plausibel verworfen. Von Schabirosky manipulierte/gefälschte Informationen gelangten nicht in unsere Berichte, auch wenn er an vielen Stellen seines Buches diesen Eindruck erwecken will.

Im Weiteren werden wir deshalb exemplarisch auf einige dieser oft nur insinuierten Vorwürfe eingehen.

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer © dpa Fotograf: Frank May

Abzocker Maschmeyer
Der Finanzdienstleistler AWD hat viele ahnungslose Anleger in finanzielle Not getrieben. Gründer Carsten Maschmeyer hat dagegen ein Vermögen aus den Geschäften gezogen.

Angebliche Falschdarstellung der sogenannten "Linearisierung"

Schabirosky versucht in seinem Buch unter anderem, den Autoren der NDR-Berichte über Maschmeyer und den AWD anzulasten, sie hätten das System der Bezahlung der AWD-Berater nicht verstanden und fälschlicherweise über eine Schuldenfalle berichtet. Auf diese vermeintlich falsche Fährte, so insinuiert er auf S. 141 seines Buches, habe er den NDR-Redakteur Ende 2008 gelockt. Fest steht, dass die Redaktion zu diesem Zeitpunkt schon seit Längerem Kenntnis über die Schuldenfalle von AWD-Mitarbeitern hatte. Kontakt bestand zu zahlreichen verschuldeten EX-AWD-Handelsvertretern und einer Wirtschaftsdetektei, die den AWD belastende Dokumente zur Verfügung stellte.

Stefan Schabirosky selbst tauchte in einem plusminus-Beitrag vom 9.12.2008 als anonymisierter ehemaliger AWD-Mitarbeiter auf und lieferte zum Thema "Linearisierung" folgende Aussage: "Linearisierung ist nichts Anderes als ein Darlehen. Das bedeutet, dass ich für Provisionen, die ich in Zukunft vielleicht einmal verdienen soll schon heute das Geld bekomme. Wenn ich diese Provision dann aber nicht verdiene, muss ich sie dem AWD zurückzahlen. Es beginnt eine systematische Schuldenmacherei."

Schabirosky behauptet in seinem Buch nun, seine eigene Aussage sei eine "völlige Verdrehung". Was Schabirosky unterschlägt, ist , dass in dem Beitrag weitere Ex-AWD-Handelsvertreter zu Wort kamen. Sie selbst verließen den AWD aus dem geschilderten Sachverhalt hoch verschuldet und gründeten einen Verein, um anderen durch "Linearisierung" verschuldeten Ex-AWD-Vertretern zu helfen. Etwa das Ehepaar Benecke, das selbst für den AWD gearbeitet hatte.

Ingrid Benecke, Verein der ehemaligen AWD-Mitarbeiter: "Man muss also ständig präsent sein. Hat also keinerlei Möglichkeiten ansonsten irgendwie Geld dazuzuverdienen. Ja... und ist dann irgendwann am Ende." (Plusminus 9.12.2008)

Das Ehepaar beriet ehemalige AWD Mitarbeiter, die nicht mehr weiter wussten. Und berichtete von Mahnbescheiden und Gerichtsvollziehern.

Und selbst der AWD bestätigte in besagtem Plusminus Beitrag schriftlich: "Es besteht ein untrennbarer Zusammenhang zwischen den Vorschusszahlungen und den erwarteten Provisionen. Sofern von AWD gezahlte Vorschüsse nicht verdient worden sind, sind diese - wie branchenüblich - von Beratern an den AWD zurückzuzahlen."

Soweit der Ausschnitt aus dem Plusminus-Beitrag des NDR vom 9.12.2008. Die Verschuldungsfalle der AWD-Mitarbeiter war also ein reales Problem, wie sich im Laufe der jahrelangen Recherchen immer wieder zeigte.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 12.01.2011 | 21:45 Uhr