Milliardengrab Kliniken – zu viele! zu teuer! zu schlecht?

von Christine Adelhardt, Robert Bongen, Iris Ockenfels

"Unsere Kliniken bluten aus!" Jedes dritte Krankenhaus schreibe rote Zahlen, 700 Häusern drohe die Schließung. Dieses Schreckgespenst malen Krankenhauslobbyisten an die Wand. Wenn das geschehe, sei die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung in Gefahr - behaupten die Funktionäre. Sie fordern wie üblich: mehr Geld. Sieben Milliarden Euro zum Erhalt der Kliniken in Deutschland.

Tatsächlich aber ist Deutschland mit 2100 Krankenhäusern überversorgt. Kein Land Europas hat mehr Klinikbetten als die Bundesrepublik. Zehn Prozent der Krankenhäuser könnten geschlossen werden - und die Qualität der Versorgung würde sich keineswegs verschlechtern. Das haben Wissenschaftler des Essener Wirtschaftsforschungsinstitut in ihrem Krankenhaus-Rating-Report 2008 nachgewiesen. Und Ärzte wissen: Statt immer mehr Geld in marode Kliniken zu pumpen, wäre es sinnvoller, die Spezialisierung und Zentralisierung der Häuser voranzutreiben.

Denn eine flächendeckende Verteilung von Krankenhäusern dient nur scheinbar der guten Versorgung der Patienten. Zwar ist der Weg in die Klinik kurz, die Behandlung dort aber nicht immer optimal - gerade bei schwierigeren Eingriffen und komplizierteren Erkrankungen. Der Grund: Kleinere Häuser sind häufig zu wenig spezialisiert - mit fatalen Folgen für die Patienten.

Panorama über die deutschen Kliniken – und über Patienten, die mit weniger wahrscheinlich besser versorgt wären.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 09.10.2008 | 22:00 Uhr