Holocaust-Leugnerin Haverbeck verurteilt

von Julian Feldmann

Das Amtsgericht Hamburg hat die Rechtsextremistin Ursula Haverbeck wegen Volksverhetzung zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die 87-Jährige hatte in Panorama den Holocaust geleugnet.

Auschwitz sei kein Vernichtungslager gewesen, den millionenfachen Judenmord durch die Nationalsozialisten habe es nicht gegeben. Diese Behauptungen hatte Haverbeck am Rande des Prozesses gegen den ehemaligen SS-Mann Gröning in Lüneburg sowie in einem Panorama Interview aufgestellt.

Haverbeck muss ins Gefängnis

Weil diese Leugnung der Nazi-Verbrechen dazu geeignet gewesen sei, die Stimmung in der Bevölkerung aufzuheizen, muss Haverbeck nun ins Gefängnis. Vor dem Hamburger Amtsgericht wiederholte Haverbeck ihre Aussagen. Mithilfe eines anderen Holocaust-Leugners, den sie vom Gericht vorladen lassen wollte, wollte sie zudem beweisen, dass in Auschwitz kein Mensch vergast worden sei. Das Gericht lehnte den Antrag ab und ließ keinen Zweifel daran, dass in Auschwitz systematisch Menschen umgebracht worden waren. Da frühere Verurteilungen Haverbeck nicht davon abhielten, erneut die Judenvernichtung zu leugnen, setzte der Richter die Gefängnisstrafe nicht zur Bewährung aus.

Angeklagte "fanatisch verblendet"

Die Staatsanwältin sprach von einer "fanatischen Verblendung" der Angeklagten. Haverbeck hatte eine Einstellung des Verfahrens gefordert und will das Urteil nicht akzeptieren. Die 87-Jährige stand nicht zum ersten Mal wegen ihrer Hetze gegen Juden und der Leugnung von NS-Verbrechen vor Gericht. Zuletzt war sie in München wegen Volksverhetzung 2010 zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden.

Haverbeck-Unterstützer sorgen für Tumult

Rund 30 Unterstützer der Holocaust-Leugnerin reisten aus der ganzen Bundesrepublik an. Weil nur die Hälfte der Rechtsextremisten im Gerichtssaal Platz fand, machten vor der Tür während der Verhandlung einige Haverbeck-Anhänger lautstark auf sich aufmerksam. Auch von der NPD reiste prominente Unterstützung an: Der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende der Partei, Ingo Stawitz, begrüßte Haverbeck vor Verhandlungsbeginn auf dem Gerichtsflur.

Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck im Hamburger Amtsgericht. © NDR

Beifall für eine Holocaust-Leugnerin
Zum Prozess gegen Ursula Haverbeck waren viele ihrer Unterstützer angereist. Die Szenerie vor dem Gerichtssaal wirkte stellenweise gespenstisch.

Ikone der rechtsextremen Szene

Die 87-jährige Haverbeck, die jahrelang das 2008 verbotene rechtsextreme Zentrum "Collegium Humanum" betrieb, gilt als Ikone in der rechten Szene. Sie veröffentlicht auch immer wieder selbst Videos mit ihren Botschaften, sowohl auf ihrer Internetseite als auch auf YouTube, die dadurch weite Verbreitung im Netz finden. Der Holocaust sei die "größte und nachhaltigste Lüge der Geschichte", behauptet Haverbeck in einem dieser Videos.

Stand: 12.11.15 13:53 Uhr