Claus Claussen: Jeder Tag im Orang-Utan-Haus ist anders

Claus Claussen: Jeder Tag im Orang-Utan-Haus ist anders

Claus Claussen im Orang Utan Haus. © NDR/Sandra Hoever Fotograf: Sandra Hoever

Claus Claussen im Orang Utan Haus.

Um sieben Uhr morgens heißt es für die Orang-Utans im Tierpark Hagenbeck aufstehen. Die meisten von ihnen haben die Nacht in ihren Boxen hinter den Kulissen des Orang-Utan-Hauses verbracht. Claus Claussen sagt jedem einzelnen Tier "Guten Morgen", alle bekommen ein wenig Tee und eine Banane. An Aussehen und Verhalten der einzelnen Tiere merkt er, ob sie gesund sind: Pult sich Toba beim kleinen Frühstück etwa noch versonnen am Po - oder ist der fiese Pickel inzwischen zurückgegangen? Haben Bella und ihre Tochter Marie gut geschlafen? "Wenn du an Blicken oder Gesten das Vertrauen merkst, ist das wunderbar", sagt Claussen.

Claus Claussen ist mit Hunden und Katzen groß geworden. Als er sechs war, haben sich seine Eltern ein Haus ein Ferienhaus am Nord-Ostsee-Kanal gekauft. Hier verbrachte Claus seine Kindheit in den Ferien, sämtliche landwirtschaftlichen Tätigkeiten hat er dann bei den Bauern in der Nachbarschaft gemacht. Der 38-Jährige merkte schnell, dass er was mit Tieren machen möchte und hat sich früh überlegt: Wo gibt es noch Tiere? Bei Hagenbeck! Und so wurde aus dem Beruf dann Berufung.

Wie war Ihr erster Tag in Hagenbeck?

Mein erster Tag war im Bisonrevier bei Volker Friedrich. Während der Ausbildung kam ich für drei Monate zu den Affen, nach der Lehre wurde ich Ablöser bei den Bisons und im damaligen Affenhaus. Dort hat es gleich bei mir geklickt. Als der lütte Chuij an mir hochkletterte und seine ledrige Hand ausstreckte, um meine zu nehmen, war es um mich geschehen.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Die Tiere. Klar, ein Stall ist jeden Tag wieder dreckig, aber es ist ja nicht nur Kot von A nach B fahren. Die Abwechslung ist toll. Nach viereinhalb Jahren im Orang-Utan-Haus ist immer noch jeder Tag anders. Flora und Fauna sind ebenfalls wichtig, ebenso wie die körperliche Arbeit. Ich bin kein Bürohengst, ich brauche es, hier täglich auf Hundert zu kommen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis mit einem Tier?

Die sogenannte Hands-On-Haltung, also der direkte Kontakt mit den Tieren, im alten Affenhaus. Dreimal täglich hinein zu acht Affen und mit ihnen gemeinsam die Anlage putzen. Uijan hat sich die Bürste geschnappt und mitgemacht. Ganz toll war auch der Moment, als Mokko mir die Nabelschnur ihres Babys zum Durchschneiden hinhielt... Ein Orang kann nicht mit dem Schwanz wedeln, aber wenn du an Blicken oder Gesten das Vertrauen merkst, ist das wunderbar.

Welches ist Ihr Lieblingstier im Tierpark Hagenbeck?

Eigentlich habe ich keines... aber ich mag natürlich Tuan sehr gerne... und wen ich auch sehr gern mag, ist Bella. Das ist eine Respektsperson, die hat mehr erlebt als ich. Und Simia ist auch eine ganz Tolle, die "spricht" immer mit einem. Die Otter sind auch ganz toll... (Claus lacht) ... also sind wohl doch alle zusammen meine Lieblingstiere.

Was wäre Ihre Alternative zum Beruf Tierpfleger gewesen?

Ich mache seit dreißig Jahren Musik, spiele in ein und derselben Band. Mit sechs habe ich angefangen, Klavier zu spielen, mit 16 kam das Schlagzeug dazu. Die Alternative wäre also: Studiomusiker oder in einer Band zu spielen. Damit Geld verdienen und genug Zeit haben, im eigenen Garten Gemüse zu ziehen oder Hühner zu halten. Auch, damit ich mir dann eine Gemüsepfanne mit Hühnchen machen kann. Am besten noch mit einem Blumenstrauß auf dem Tisch aus dem eigenen Garten.

Stand: 26.03.2013 10:00

Stand: 26.03.13 10:00 Uhr