11.03.12 | 21:45 Uhr

Der tiefe Fall des Christian Wulff – wie gelingt ein Abschied in Würde?

Zwei Wochen nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten erregt Christian Wulff noch immer die Gemüter: Viele hatten erwartet, dass Wulff als Zeichen der Einsicht auf seinen Ehrensold von knapp 200.000 Euro pro Jahr verzichten würde - doch das Gegenteil ist der Fall. Der Bundespräsident a.D. will nicht nur das Geld, sondern auch den Chauffeur und das Büro samt Mitarbeiter. Darauf hat er Anspruch.

Nicht nehmen ließ sich Christan Wulff auch den Großen Zapfenstreich, das höchste militärische Abschiedszeremoniell, und brachte damit so manchen gegen sich auf. Wulffs vier noch lebende Amtsvorgänger blieben der Veranstaltung fern. Zahlreiche weitere Gäste sagten ihre Teilnahme ab. Vor dem Schloss Bellevue versammelten sich am Donnerstagabend viele Bürger, um mit Vuvuzela-Lärm ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.

Gönnen können oder Einsicht fordern?

Protestler während des Zapfenstreichs © dapd Fotograf: Maja Hitij

Während des Zapfenstreichs protestieren Wulff-Kritiker vor dem Schloss Bellevue.

Die scheinbar nicht endende Mitnahme-Mentalität und fehlende Einsicht Christian Wulffs empört viele Bürger, Politiker und Weggefährten. Sie wollten ihn in Demut und Stille aus dem Amt scheiden sehen. Andere hingegen nehmen an Wulffs Verhalten keinen Anstoß. Sie meinen, Ehrensold und ehrenvoller Abschied stünden einem Bundespräsidenten zu – egal, aus welchen Gründen er das Amt verlässt.

Fest steht: Nicht nur Christian Wulff hat sich mit dem Abschied aus einem bedeutenden Amt und dem Verzicht auf Prominenz und Öffentlichkeit schwer getan. Ob Sportler, Musiker, Showgrößen oder Politiker – ein würdevoller Abgang gelingt den wenigsten. Vor allem dann nicht, wenn dem Rücktritt ein Skandal oder eine Affäre vorangegangen ist.

Wie gelingt ein Abschied in Würde? Hat Christian Wulff Zapfenstreich und Ehrensold verdient? Verlieren Politiker in Spitzenämtern irgendwann den Bezug zur Realität? Wann muss man erkennen, dass man gehen muss?

Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntag mit seinen Gästen.