10.11.13 | 21:45 Uhr

Großbordell Deutschland – muss Prostitution verboten werden?

Willkommen im größten Puff Europas, willkommen im Großbordell Deutschland: Schätzungen zufolge bieten bis zu 400.000 Prostituierte hierzulande ihre Dienste an, mehr als eine Million Männer nehmen diese täglich in Anspruch. In keinem europäischen Land ist es so leicht, ein Bordell zu betreiben, nirgendwo sonst arbeiten so viele Frauen im Rotlichtmilieu. Das Geschäft mit dem Sex boomt. Das Ergebnis sind jährliche Rekordumsätze in zweistelliger Milliardenhöhe.

Diejenigen, die ihren Körper zur Verfügung stellen, profitieren allerdings am wenigsten vom Erfolgsmodell Prostitution. Zuhälter und Bordellbesitzer streichen zumeist den größten Teil des Geldes ein, viele Prostituierte sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Denn obwohl 2002 mit dem Prostitutionsgesetz Prostituierte aus der Illegalität und Rechtlosigkeit geholt werden sollten, ist das Milieu weiterhin geprägt von Macht, Kriminalität und Zwang.

Würde ein Verbot helfen?

Ein Mädchen neben einem Auto hält zerknitterte Geldscheine in der Hand © picture-alliance/ dpa Fotograf: Felix Hörhager

Sex gegen Geld ist seit 2002 ein legales Geschäft.

Dass sich Frauen und auch Männer häufig nicht freiwillig prostituieren, ist schon lange bekannt: Schleuser bringen Frauen aus Osteuropa nach Deutschland und zwingen sie zum Sex gegen Geld. Loverboys – wie im aktuellen Schimanski-Film – gaukeln jungen Mädchen die große Liebe vor, machen sie nach und nach gefügig und zwingen sie schließlich zur Prostitution. Zuhälter schicken ihre Frauen auf den Straßenstrich, schüchtern sie ein und kassieren ab.

"Gut gemeint – aber schlecht umgesetzt" lautet daher auch das Urteil vieler Experten und Politiker elf Jahre nach Einführung des Prostitutionsgesetzes. Denn von den Vorteilen profitieren offenbar nur wenige. Immer lauter werden die Stimmen, die eine Überarbeitung des Gesetzes fordern. In den Koalitionsverhandlungen diskutieren Union und SPD bereits wieder schärfere Vorschriften. Und eine Kampagne der Zeitschrift "Emma" fordert langfristig die Bestrafung von Freiern und eine Abschaffung des "Systems Prostitution".


Wer profitiert von der Legalisierung der Prostitution? Wie geraten Mädchen und Frauen in die Fänge von Loverboys und Zuhältern? Hilft ein Totalverbot der Prostitution gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution?


Darüber diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen.