28.10.12 | 21:45 Uhr

Deutscher Hass – wie tief ist der Neonazi-Sumpf?

Als Rentner Egon S. am 4. November 2011 in Eisenach seinen täglichen Spaziergang unternimmt, fällt ihm ein Wohnmobil auf. Es steht auf dem normalerweise leeren Parkplatz einer Diskothek. Das ist merkwürdig. Noch merkwürdiger ist, dass zwei Männer angeradelt kommen und eilig ihre Fahrräder ins Wohnmobil werfen. Auf seinem Weg nach Hause trifft Egon S. auf Polizeibeamte, schildert ihnen, was er gesehen hat und nennt sogar noch einen Teil des Wohnmobil-Kennzeichens.

Das NSU-Trio auf Fahndungsfotos © Ostthueringer Zeitung/dapd Kopie Fotograf: Frank Doebert

Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos bildeten den Kern der rechten Terrorzelle.

Egon S. weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass seine Beobachtung zur Aufklärung einer langen Mordserie führen wird. Die beiden Männer, die er gesehen hat, sind Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Sie haben kurz zuvor eine Bank überfallen. Und: Sie haben vermutlich mehrere Menschen kaltblütig ermordet. Wenige Stunden später sind Böhnhardt und Mundlos tot. Sie erschießen sich, bevor die Beamten sie festnehmen können.

Wenig Aufklärung, viele Fehler

Böhnhardt und Mundlos, so stellt sich bald heraus, sind Teil der rechtsextremen Terrorzelle NSU, von dessen Existenz der Verfassungsschutz bis 2011 nichts gewusst hat. 14 Jahre lang konnte das Neonazi-Netzwerk unbemerkt im Untergrund agieren. Zum NSU gehört auch die Rechtsextremistin Beate Zschäpe, die sich nach dem Selbstmord ihrer Neonazi-Freunde am 8. November der Polizei stellt. Auf das Konto der drei Rechtsextremisten gehen nach aktuellen Erkenntnissen zehn Morde an türkischen und griechischen Kleinunternehmern, der Mord an einer Polizistin sowie mehrere Banküberfälle und Bombenanschläge.

Seit November 2011 ist offenbar, dass rechtsextreme Zellen bislang unterschätzt wurden. Wie können drei Neonazis im Untergrund jahrelang unbemerkt morden? Ein Jahr, nachdem die Terrorzelle NSU zufällig aufflog, ist diese Frage nicht beantwortet. Ganz im Gegenteil: Zwei Untersuchungsausschüsse beschäftigen sich mittlerweile mit dem Fall. Immer neue Ermittlungspannen treten zutage. Zahlreiche Verfassungsschützer mussten ihren Hut nehmen.


Werden wir je die ganze Wahrheit über die NSU-Morde erfahren? Haben Polizei, Verfassungsschutz und Politik versagt? Unterschätzen wir die braune Gefahr immer noch? Wie alltäglich sind Rassismus und Fremdenhass in Deutschland?

Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen.