03.02.13 | 21:45 Uhr

In Gottes Namen – wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?

Da hilft offenbar auch Beten nicht: Die christlichen Kirchen in Deutschland kämpfen seit Jahren mit hohen Mitgliederverlusten. Seit 2007 sind der katholischen und der evangelischen Kirche fast zwei Millionen Mitglieder abhandengekommen – die wenigsten durch Ableben, die meisten durch den bewussten Austritt aus der Kirche. Mit der sinkenden Mitgliederzahl ist auch das kirchliche Einkommen gesunken – nur wer Kirchenmitglied ist, muss auch Kirchensteuern zahlen.

Dennoch gehen immer mehr soziale und öffentliche Einrichtungen in kirchliche Trägerschaft über. Ob Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser – die Kirche engagiert sich. Und das wird staatlich gefördert. Nur ein kleiner Teil der entstehenden Kosten wird aus Kirchensteuermitteln gedeckt. Den großen Batzen zahlt der Staat.

Staatliche Finanzierung, kirchliche Regeln?

Eine kirchliche Reinigungskraft © ddp Fotograf: Henning Kaiser

Wer für die Kirche arbeiten will, sollte den rechten Glauben haben und die Moralvorstellung der Kirche teilen

Doch obwohl der Staat - und somit alle Steuerzahler - die kirchlichen Einrichtungen in großem Maße mitfinanzieren, muss sich die Kirche als Arbeitgeber nicht an die allgemeingültigen Spielregeln halten. Die Kirche hat Sonderrechte, die noch aus Zeiten der Weimarer Republik stammen. Wer für die Kirche arbeiten will, sollte den rechten Glauben haben und die Moralvorstellung der Kirche teilen. Wer sich scheiden lässt, ein uneheliches Kind hat oder homosexuell ist, muss als Arbeitnehmer der katholischen Kirche möglicherweise mit Kündigung rechnen.

Was anderen Arbeitgebern als Diskriminierung vorgeworfen werden könnte, darf die Kirche ganz offiziell. Wer gegen christliche Gebote verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen. Und das kann nicht nur Folgen für die Kirchenmitarbeiter haben, wie ein aktueller Fall zeigt: Einer hilfesuchenden, offensichtlich vergewaltigten Frau wurde an zwei katholischen Kliniken eine gynäkologische Untersuchung verweigert – möglicherweise, weil ein Schwangerschaftsabbruch der mutmaßlich Vergewaltigten nicht mit der Moral der katholischen Kirche vereinbar ist.

Stellt die Kirche die Morallehre über die Nächstenliebe? Welche Rolle spielen kirchliche Einrichtungen in unserem Sozialstaat? Sind die Sonderregelungen der Kirche im Arbeitsrecht noch zeitgemäß?

Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen.