06.11.11 | 21:45 Uhr

Chaos-Tage in Athen – wer will die Griechen jetzt noch retten?

Regierungsschefs beim G20-Gipfel in Cannes © dapd Fotograf: Berthold Stadler

Merkel und Sarkozy fühlen sich überrumpelt von Papandreou.

Die Verschnaufpause für die EU-Regierungen im Euro-Rettungs-Marathon war denkbar kurz. In einem Kraftakt hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Eurozone am 27. Oktober in Brüssel auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket für Griechenland verständigt: Die Banken stimmten zu, Griechenland 50 Prozent seiner Schulden zu erlassen. Die europäischen Staaten wollten dem hochverschuldeten Land mit rund 100 Milliarden Euro aushelfen. Heureka, die Katastrophe schien abgewendet! Doch schon fünf Tage später standen die mühsam ausgehandelten Rettungspläne schon wieder auf dem Spiel.

Den Grund dafür lieferten nicht etwa störrische Banken oder zankende Politiker, sondern allein der griechische Premierminister Giorgos Papandreou. Mit der Ankündigung, sein Volk über die Hilfsmaßnahmen abstimmen zu lassen, löste er zu Wochenbeginn ein wahres Beben aus: Die Börsenkurse brachen ein, viele Banken legten ihre Zusage für den 50-prozentigen Schuldenerlass auf Eis, die europäischen Nachbarn reagierten verstimmt und in ganz Europa war ein Raunen zu hören: Ja, spinnen die jetzt komplett? Denn hätten die Griechen gegen das frisch geschnürte Rettungspaket gestimmt, hätte dies vermutlich die Staatspleite und sogar den Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone bedeutet. In den Medien und aus Politikermündern waren die düstersten Prognosen zu hören.

Knapp drei Tage hielt Papandreou dem Sturm stand. Dann verkündete er am Donnerstag die Bildung einer Notregierung. Und er sagte die Volksabstimmung ab.

Auf wen ist eigentlich noch Verlass?

Die Tage der Ungewissheit, der bange Blick auf die angekündigte Volksabstimmung und die sich überschlagenden Ereignisse haben in den vergangenen Tagen vor allem eines gezeigt: Sicher ist, dass nichts sicher ist. Denn offenbar wird in rasantem Tempo immer Neues entschieden - und wieder verworfen. Kann man den Griechen nach diesen Volten tatsächlich noch zutrauen, sich mit Hilfe ihrer Euro-Nachbarn zu sanieren? Ist auf Athen noch Verlass? Und auf das europäische Konstrukt? Sollten die Griechen nach dem ganzen Hickhack nicht besser aus der Eurozone ausscheiden? Oder hätte das dramatische Folgen – auch für uns Deutsche?

Fahne der Europäischen Union weht im Wind © Picture-Alliance / Bildagentur Huber

Steht Europa auf dem Spiel?

Papandreous Vorstoß hat neben der Frage nach dem Umgang mit Griechenland auch noch eine weitere Debatte entzündet: Die Frage, wie viel Demokratie eine derartige Krise eigentlich verträgt. Sollte man das Volk an so wichtigen Entscheidungen direkt beteiligen? Umfragen zeigen , dass die Deutschen es mehrheitlich für richtig halten, die eigenen Bürger zu befragen. Sollte also auch Deutschland über die Maßnahmen in der Eurokrise abstimmen?

Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntag mit seinen Gästen.