03.06.12 | 21:45 Uhr

Kinderzimmer statt Kita – die Betreuungslüge der Koalition?

Kleine Kinder - kleine Sorgen. Große Kinder - große Sorgen? Im aktuellen Streit um Betreuungsgeld und Kitaplätze ist es ausnahmsweise einmal andersherum. Es sind die kleinen Kinder, die der Politik große Sorgen bereiten, genauer gesagt: die ganz kleinen.

Kinder in einer Kita © dapd Fotograf: Frank Hormann

Ab 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz.

100 Euro soll es ab kommendem Jahr für Eltern geben, die ihre ein- und zweijährigen Kinder zu Hause betreuen statt sie in eine öffentliche Kita zu geben. Zugleich hat ab August 2013 jedes Kleinkind einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz oder ein ähnliches Betreuungsangebot. Dank dieser Maßnahmen hätten Eltern endlich die Möglichkeit, frei zu entscheiden, ob sie lieber bei den Kleinen zu Hause bleiben oder ihre Kinder in eine Betreuung geben. So begründet jedenfalls die Bundesregierung ihre Maßnahmen und hat damit eine heftige Grundsatzdebatte über Kinderbetreuung ausgelöst.

Empörung über die "Herdprämie"

Denn was Kanzlerin Angela Merkel und ihre Familienministerin Kristina Schröder als neue "Wahlfreiheit" anpreisen, ist in den Augen der Opposition, zahlreicher Verbände und vieler Eltern lediglich eine "Herdprämie": Eltern und insbesondere Mütter würden dafür bezahlt, "am Herd" sprich: zu Hause zu bleiben. Das, so die Kritiker, entspräche einem überholten Familienbild und passe nicht in die moderne Zeit. Zudem könne von Entscheidungsfreiheit keine Rede sein. Viele Elternpaare hätten keine Wahl und müssten arbeiten gehen, um das Einkommen zu sichern. Diese hätten dann häufig aber das Problem, dass es zu wenig Kitaplätze gebe.

Eingeschlichen in den Streit um das Betreuungsgeld hat sich auch die heikle Frage, was denn für Kinder der beste Erziehungsrahmen sei. Ist man eine Rabenmutter, wenn man sein einjähriges Kind in die Kita "abschiebt" und arbeiten geht? Oder ist man eine unemanzipierte Glucke, wenn man bei seinem Kind zu Hause bleibt? An dieser Stelle wird die Diskussion um Betreuungsgeld und Kitaplätze zum ideologischen Richtungsstreit.

Was ist das Beste für unsere Kinder? Wer profitiert vom Betreuungsgeld und wer hat das Nachsehen? Was kostet die neue Leistung? Was wird aus dem versprochenen Kita-Ausbau? Und: Wer ist eigentlich der bessere Erzieher: Mama, Papa oder Vater Staat?

Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntag mit seinen Gästen.