26.05.13 | 21:45 Uhr

Billigkleidung aus Bangladesch – sind wir schuld am Tod der Näherinnen?

Made in China, made in India, made in Bangladesch: Ein Blick auf die Etiketten zeigt, dass ein Großteil unserer T-Shirts, Jeans, Blusen und Röcke in Billiglohnländern produziert wird. Ob kostengünstige Trendsetter wie H&M, mittelpreisige Marken wie Esprit oder hochpreisige Topmarken – fast alle Bekleidungsfirmen nutzen die verlockend billige Produktion im Ausland, machen hierzulande große Gewinne und erfreuen die Konsumenten mit moderner Mode in Hülle und Fülle.

Bangladesch © picture alliance/ ZoomerPress

Angehörige von Opfern des Fabrikeinsturzes demonstrieren in Bangladesch.

Dass für die begehrten Massenprodukte täglich Menschen leiden müssen, gerät beim Einkaufsbummel häufig in Vergessenheit. Dabei ist schon lange bekannt, wie menschenunwürdig die Situation in den Textilfabriken ist: Sieben Tage die Woche harte Arbeit, ein Hungerlohn von umgerechnet 35 Euro im Monat, kaum belüftete und überfüllte Nähstuben – so sieht der Alltag vieler Näherinnen aus.

Tote durch Brände und eingestürzte Gebäude

Doch nicht nur an menschenwürdigen Arbeitsbedingungen mangelt es, sondern auch an Mindeststandards im Arbeitsschutz. Im November 2012 etwa sterben mehr als 100 Näherinnen in Bangladesch, als ein Feuer in einer Fabrik ausbricht. Kein halbes Jahr später ereignet sich eines der größten Unglücke in der Geschichte der Textilbranche – wieder in Bangladesch: Ein achtstöckiges Gebäude stürzt ein und begräbt mehr als 1.100 Menschen unter sich.

Die Bilder dieser Katastrophe haben den Blick der Welt auf die Zustände in der Textilindustrie gelenkt. Immerhin: Knapp 40 Unternehmen haben jetzt ein Arbeitsschutz-Abkommen für Bangladesch unterzeichnet. Kritiker der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie begrüßen dies als ersten Schritt in die richtige Richtung, doch reiche das Abkommen noch nicht weit genug: Von höheren Löhnen, besseren Arbeitszeiten und mehr Rechten sei man in China, Indien oder Bangladesch noch weit entfernt.

Welche Mitschuld und welche Macht haben wir als Konsumenten? Was können deutsche Politik und Industrie gegen Missstände in Billiglohnländern tun? Wie wirksam ist das neue Arbeitsschutz-Abkommen der Textilbranche?

Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen.