10.06.12 | 21:45 Uhr

Trauma Afghanistan – welche Spuren hinterlässt der Krieg?

Bombenexplosionen, Gewehrsalven, Tote und Verwundete: Kriegsszenen wie diese kennen die meisten Menschen nur aus dem Fernsehen. Für viele Soldatinnen und Soldaten im Einsatz sind die Bilder jedoch Realität. Sie sehen Kameraden sterben, werden selbst verwundet und erleben unvorstellbares Leid. Zurück in Deutschland hört der Krieg für sie nicht auf. Immer wieder laufen die Erinnerungen wie ein Film vor dem inneren Auge ab, die Bilder fressen sich in Kopf und Seele, der Alltag wird zum kaum überwindbaren Hindernis. Nichts ist mehr wie vor dem Kriegseinsatz.

Dieser Krieg im Kopf hat einen Namen: Psychologen sprechen von einem Posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS), wenn traumatische Erlebnisse seelische Narben hinterlassen. Im Jahr 2011 gab es nach offiziellen Angaben 194 neuerkrankte Soldatinnen und Soldaten, in diesem Jahr wurden bislang 54 neue Fälle gezählt. Ohne psychologische Betreuung schaffen es die traumatisierten Soldaten kaum, das Erlebte zu verarbeiten.

Psychologische Unterstützung: Ja, Anerkennung: Nein?

Soldaten trauern um einen gefallenen Kameraden. © ddp Fotograf: Torsten Silz

Soldaten sehen Kameraden sterben, werden selbst verwundet und erleben unvorstellbares Leid.

Seit einigen Jahren räumt die Bundeswehr den seelischen Leiden ihrer Soldatinnen und Soldaten hohe Priorität ein. In Berlin wurde 2010 ein Traumazentrum eingerichtet, es gibt telefonische Seelsorge und Präventivkurse. Dennoch fühlen sich viele Soldaten im Stich gelassen - vor allem von der Gesellschaft. Sie haben ihr Seelenheil und ihre körperliche Unversehrtheit für einen Einsatz riskiert, der in ihrer Heimat kaum Unterstützung findet. Die fehlende Anerkennung ihrer Arbeit macht den Soldatinnen und Soldaten zusätzlich zu schaffen.

Gesellschaftliche Anerkennung war auch für die Hunderttausenden deutschen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg ein Fremdwort. Sie gehörten der "Täternation" an, kehrten schweigend nach Hause zurück und mussten das Erlebte verdrängen. Seelische Verletzungen gestand man ihnen nicht zu, psychologische Hilfe war undenkbar. Viele ehemalige Wehrmachtsoldaten nahmen ihre grauenvollen Erinnerungen mit ins Grab.

Welche Spuren hinterlässt ein Kriegseinsatz bei Soldatinnen und Soldaten? Welche Hilfe bekommen sie und wo mangelt es an Unterstützung? Erkennt die Gesellschaft die Arbeit der Bundeswehr zu wenig an? Wie stehen wir zu unseren Soldaten?

Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntagabend mit seinen Gästen.