20.10.13 | 21:45 Uhr

Fakten & Hintergründe


Chronologie: Der Fall Tebartz-van Elst

Seinen Anfang nimmt der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bereits im Jahr 2007. Im Januar tritt der damalige Bischof Franz Kamphaus von seinem Amt zurück und das Domkapitel beschließt den Umbau des Limburger Dombergs: Der künftige Bischof soll dort eine Residenz samt Wohnung bekommen. Ein Jahr später, am 20. Januar 2008, wird eben dieser neue Bischof in sein Amt eingeführt. Es ist Franz-Peter Tebartz-van Elst, bislang Weihbischof des Bistums Münster.

Schon bald gibt es erste Kritik am neuen Bischof, der streng auf die liturgischen Vorschriften im Gottesdienst achtet: Im August entlässt Tebartz-van Elst den Pfarrer Peter Kollas aus seinem Amt als Bezirksdekan, weil dieser ein homosexuelles Paar gesegnet hat.

Franz-Peter Tebartz-van Elst © picture alliance Fotograf: Fredrik von Erichsen

Der Limburger Bischof steht in der Kritik.

Knapp zwei Jahre nach Tebartz-van Elsts Amtsantritt beginnt 2010 auf dem Limburger Domberg der Bau des Diözesanen Zentrums Sankt Nikolaus, welches künftig auch Wohn- und Amtssitz des Bischofs umfassen soll. Die Kritik an Tebartz-van Elst reißt unterdessen nicht ab: Der autoritäre Führungsstil des Bischofs wird bemängelt, ihm wird "klerikale Selbstverliebtheit" und Geldverschwendung vorgeworfen.

2012 ist Tebartz-van Elst erneut in den Schlagzeilen: Er soll erster Klasse nach Indien gereist sein, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Nachrichtenmagazin "DER SPIEGEL". Der Bischof leugnet gegenüber dem Magazin den Flug erster Klasse. Als das Magazin ihn der Lüge bezichtigt, gibt er eine eidesstattliche Versicherung ab. Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung auf.

Im Juni 2013 wird das Diözesane Zentrum eingeweiht und es zeigt sich, dass die veranschlagten Kosten nicht ausreichen. Statt der geplanten 5,5 Millionen werden die Kosten mit rund 10 Millionen Euro beziffert, was vor allem strenge Auflagen des Denkmalschutzes geschuldet sei. Der Bischof betont, dass der Bau schon 2007 vor seinem Antritt beschlossen wurde.

Zwei Monate später wird Tebartz-van Elst vom Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen. Auch die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken kritisiert Tebartz-van Elst in einem offenen Brief: Die Bistumsleitung müsse einen anderen Weg einschlagen, "will sie die katholische Kirche in unserem Bistum und darüber hinaus glaubhaft und glaubwürdig vertreten". Das Forum Deutscher Katholiken startet hingegen wenige Tage später eine Solidaritätsaktion für Tebartz-van Elst.

Am 5. September präsentiert der Limburger Bischof erstmals der Öffentlichkeit seinen neuen Sitz. Einen Tag später wird Tebartz-van Elst der von 4.500 Katholiken unterzeichnete "Frankfurter Appell" übergeben, während parallel eine Unterschriftenliste von rund 5.000 Befürwortern des Bischofs geführt wird. Zwei Tage später greift der Vatikan ein. Im Auftrag von Papst Franziskus soll sich Kurienkardinal Giovanni Lajolo vor Ort ein Bild machen.

Am 14. September verkünden der Bischof und das Limburger Domkapitel, dass eine Sonderkommission der Deutschen Bischofskonferenz die Finanzierung des Diözesanen Zentrums und des bischöflichen Hauses überprüfen soll. Einen Tag später bittet Tebartz-van Elst alle Menschen, die er "enttäuscht und verletzt" habe, um Verzeihung.

Nur einen Monat später macht der Bischof wieder Schlagzeilen: Am 7. Oktober gibt das Bistum bekannt, dass sich die Kosten für den umstrittenen Bau auf rund 31 Millionen Euro belaufen. Am Tag nach dieser Ankündigung fordert der Hofheimer Kreis, eine Vereinigung von rund 20 Priestern, und der Vorsitzende des Priesterrats, Reinhold Kalteier, den Rücktritt von Tebartz-van Elst.

Am 10. Oktober äußert sich der Bischof in der "Bild"-Zeitung. Man solle erst das Ergebnis der Untersuchung der Kommission der Bischofskonferenz abwarten, bevor man den Stab über ihm breche. Zudem stünden hinter den 31 Millionen Euro Kosten insgesamt zehn Bauprojekte. Noch am gleichen Tag wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst wegen falscher eidesstattlicher Erklärung beantragt hat – dies bezieht sich auf die Auseinandersetzung um den erste-Klasse-Flug zwischen dem Bischof und dem "SPIEGEL" im Jahr 2012.

Am 13. Oktober fliegt Tebartz-van Elst schließlich nach Rom mit der Billigfluglinie Ryan Air. Kurz nach ihm trifft auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in Italien ein. Er hatte sich wenige Tage zuvor von Tebartz-van Elst distanziert und angekündigt, im Vatikan den Papst über die Ereignisse zu informieren. Unterdessen soll laut einigen Unterlagen, die Medien zugespielt wurden, der Vatikan früher über die Finanzierung des Bischofssitzes informiert gewesen sein als bislang bekannt. Am 17. Oktober unterrichtete Zollitsch Papst Franziskus über die Vorgänge in Limburg. (mit dpa/Hessischer Rundfunk)


Bistümer in Deutschland

Ein Bistum – auch Diözese genannt – ist ein von einem Bischof geleiteter Seelsorge- und Verwaltungsbezirk, der wiederum in Dekanate und Pfarreien, Regionen und Bezirke aufgeteilt ist. Das Bistum ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts rechtsfähig.

Hand hält einen hölzernen Rosenkranz mit Kreuz daran. © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Es gibt 27 (Erz-)Bistümer.

Mehrere Bistümer sind jeweils einem Erzbistum zugeordnet und bilden zusammen eine Kirchenprovinz, an deren Spitze ein Erzbischof (Metropolit) steht. Seit 1995 gibt es in Deutschland sieben Erzbistümer (Bamberg, Berlin, Freiburg, Hamburg, Köln, München-Freising, Paderborn) und 20 Bistümer (Aachen, Augsburg, Dresden-Meißen, Eichstätt, Erfurt, Essen, Fulda, Görlitz, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Mainz, Münster, Osnabrück, Passau, Regensburg, Rottenburg-Stuttgart, Speyer, Trier und Würzburg). In den Erzbistümern und Bistümern gibt es mehr als 11.500 Gemeinde- und Seelsorgestellen sowie mehr als 15.000 Priester.

Die Bischöfe der Diözesen bilden gemeinsam die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), in der sie über gemeinsame pastorale Aufgaben und die Koordinierung der kirchlichen Arbeit beraten sowie gemeinsame Erlasse beschließen. Mitglieder der DBK sind die (Erz-)Bischöfe der 27 Bistümer, die Weihbischöfe unter 75 Jahren sowie die Koadjutoren und Diözesanadministratoren. Oberste Instanz ist die zweimal jährlich tagende Vollversammlung. (Quelle: katholisch.de)


Kirchensteuer

In Deutschland können Kirchen unter bestimmten Voraussetzungen eine Kirchensteuer erheben. Gesetzliche Grundlage für dieses Recht ist der Artikel 140 Grundgesetz, der noch auf Gesetzen der Weimarer Reichsverfassung von 1919 beruht: "[…] Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben." Bemessungsgrundlage ist meist die Einkommensteuer beziehungsweise die Lohnsteuer.

Kirchensteuer  Fotograf: Hendrik Schmidt

Die Kirchensteuer wird vom Staat eingezogen.

Um die Steuern zu erheben, können die Kirchen auf staatliche Strukturen zurückgreifen. Da das Kirchensteuerrecht Ländersache ist, sind die jeweiligen Finanzämter für das Einziehen der Steuer zuständig. Eine Ausnahme gibt es in Bayern, in denen eigene Kirchensteuerämter existieren. Über die Art der Besteuerung können die Kirchen selbst entscheiden, ebenso über die Höhe, die sie in Kirchensteuerbeschlüssen festlegen. Diese muss dann staatlich genehmigt werden.

Der derzeitige Kirchensteuersatz liegt zwischen acht Prozent (Bayern, Baden-Württemberg) und neun Prozent (übrige Bundesländer) der Einkommensteuer. Neben den Gliedkirchen der evangelischen Kirche (Kürzel ev) und den Bistümern der römisch-katholischen Kirche (Kürzel rk) ziehen auch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften Steuern mithilfe des Staates ein, zum Beispiel jüdische Gemeinden.

Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2010 für die katholische Kirche 4,9 Milliarden Euro und für die evangelische Kirche 4,4 Milliarden Euro Kirchensteuer eingenommen. Einen Großteil der Steuereinnahmen verwenden die Kirchen für die Bezahlung des eigenen Personals. Ein Teil fließt auch in öffentliche soziale Projekte wie beispielsweise Kindergärten, die aber auch der Staat mitfinanziert. Anders ist es bei kirchlichen Krankenhäusern: Diese werden nicht durch die Kirchensteuer finanziert, sondern durch öffentliche Steuermittel, Krankenkassen und Sozialversicherungsträger.


Christen in Deutschland

Katholische Prozession © picture-alliance / Godong

Ein Drittel der Deutschen gehören dem christlichen Glauben an.

Etwa zwei Drittel der rund 81 Millionen Einwohner Deutschlands gehören dem christlichen Glauben an: Laut Jahrbuch des Statistischen Bundesamts waren 2010 gut 24,6 Millionen Menschen Mitglied der katholischen Kirche (Katholiken) und 23,9 Millionen Menschen Mitglied der evangelischen Kirche (Protestanten). Hinzu kommen noch Gläubige der evangelischen Freikirchen, orthodoxer Kirchen und anderer christlicher Kirchen. Etwa 39 Prozent der Bevölkerung sind nicht christlich gebunden, sondern konfessionslos oder andersgläubig.

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche haben seit Jahren mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Die evangelische Kirche hat zwischen 2007 und 2010 knapp eine Million Mitglieder verloren, 600.000 von ihnen haben sich bewusst für einen Kirchenaustritt entschieden. Im gleichen Zeitraum hat die katholische Kirche mehr als 800.000 Mitglieder verloren – 520.000 durch Kirchenaustritt.

Ein Großteil der Katholiken und Protestanten in Deutschland ist schon im Alter von wenigen Monaten Kirchenmitglied geworden: Durch das heilige Sakrament der Taufe werden Säuglinge Teil der christlichen Gemeinschaft und Mitglied der jeweiligen katholischen oder evangelischen Kirche. Doch auch Erwachsene können sich noch taufen lassen, um Christ zu werden und einer der christlichen Kirchen beizutreten.

Hinsichtlich der Konfession gibt es in Deutschland deutliche regionale Unterschiede. So gehören in Nord- und Ostdeutschland – abgesehen von einigen katholisch geprägten Regionen – nur eine Minderheit dem katholischen Glauben an, während der Katholikenanteil in Süd- und Westdeutschland deutlich höher ist.


Die Kirche als Arbeitgeber

In Deutschland arbeiten etwa 1,3 Millionen Menschen für die katholische oder evangelische Kirche beziehungsweise deren Einrichtungen. Damit sind die beiden großen christlichen Kirchen nach dem öffentlichen Dienst der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland.

Zum Eigentum der Kirchen gehören rund 50.000 Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen, dazu zählen Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindergärten und Schulen sowie Radiosender, Verlage, Banken und Versicherungen oder internationale Hilfsorganisationen. Allein für die beiden Wohlfahrtsverbände der beiden Kirchen – Caritas (katholisch) und Diakonisches Werk (evangelisch) – sind jeweils etwa eine halbe Million Mitarbeiter tätig. Die wenigsten der 1,3 Millionen kirchlichen Angestellten sind also Priester, Diakone oder Pfarrer.

Laut der Publikation "Wirtschaftsimperium Kirche – der mächtigste Konzern Deutschlands" erwirtschafteten die beiden großen Kirchen im Jahr 2005 einen Umsatz von 125 Milliarden Euro und verwalten ein Vermögen von 500 Milliarden Euro. Stimmen die Umsatzzahlen, spielt die Kirche in der Liga der deutschen Großkonzerne – Volkswagen verzeichnete im Jahr 2010 einen ähnlichen Umsatz. Da die Kirchen keine wirtschaftlichen Kennzahlen veröffentlichen, gibt es aber nur wenige konkrete Zahlen über die Kirche als Wirtschaftskraft. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)