Hintergrund zum Thema

16.09.12 | 21:45 Uhr

Hintergrund zum Thema


Biosiegel

2001 wurde in Deutschland das staatliche Biosiegel ins Leben gerufen. Mit dem Siegel sollen Verbraucher auf einen Blick Bioprodukte erkennen können, die nach festen Kriterien produziert und kontrolliert wurden. Zudem soll das Biosiegel Klarheit für den Verbraucher schaffen, der häufig zwischen der Vielzahl an Bio- und Ökosiegeln nicht mehr unterscheiden kann.

Produkte, die mit dem staatlichen Biosiegel versehen sind, werden nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert. Diese Vorschriften gelten EU-weit und sollen einheitliche Standards für eine ökologische Produktion und eine artgerechte Tierhaltung garantieren.

Bioorangen © dapd Fotograf: Timm Schamberger

Das staatliche Biosiegel richtet sich nach EU-Rechtsvorschriften.

Damit Produzenten das Biosiegel für Ihre Lebensmittel nutzen dürfen, müssen bei landwirtschaftlichen Produkten mindestens 95 Prozent aus dem ökologischen Landbau stammen. Der ökologische Landbau ist ebenfalls fest definiert. Er ist besonders auf Nachhaltigkeit ausgelegt. So müssen Tiere artgerecht gehalten werden und dürfen nur mit ökologisch und möglichst selbst erzeugtem Futter gefüttert werden. Der Einsatz von Antibiotika ist streng begrenzt. Pflanzen dürfen nicht mit chemisch-synthetischen Mitteln gedüngt werden, wohl aber mit dem nicht unumstrittenen Kupfer. Auch ist der Einsatz von Gentechnik untersagt.

Neben dem staatlichen Biosiegel gibt es in Deutschland mehr als 100 Biomarken und Ökosiegel. Bekannt ist beispielsweise das Siegel von Bioland, einem Verband, in dem sich tausende Biobauern und Bäckereien, Molkereien, Metzgereien und Brauereien organisiert haben. Sie verpflichten sich zu einem organisch-biologischen Anbau ohne Kunstdünger und zu einer naturheilkundlichen Behandlung von kranken Tieren. Das Demeter-Biosiegel geht noch einen Schritt weiter und verpflichtet alle Produzenten, die ihre Produkte mit Demeter kennzeichnen, in Tradition des Begründers der Anthroposophie und Waldorfschulen Rudolf Steiner ganzheitlich zu arbeiten.


Biokonsum in Deutschland

Frische Kartoffeln vom Wochenmarkt in Lüneburg werden in die Kamera gehalten . © NDR Fotograf: Kerstin Geisel

Etwa Dreiviertel der Befragten gaben an, Biolebensmittel zu kaufen.

Im Januar 2012 wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine repräsentative Umfrage zum Konsum von Bioprodukten in Deutschland durchgeführt. Das Ergebnis: 21 Prozent der Befragten gaben an, häufig beziehungsweise ausschließlich Biolebensmittel zu kaufen. Damit blieb die Zahl der regelmäßigen Biokonsumenten im Vergleich zu 2010 stabil. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer, nämlich 55 Prozent, gaben an, gelegentlich Biokost zu kaufen. Insgesamt kaufen also 76 Prozent aller Befragten Bioprodukte.

23 Prozent aller Befragten kaufen laut Umfrage niemals Bioprodukte – das sind sechs Prozent weniger als noch 2010. Nur 15 Prozent gaben an, auch in Zukunft auf Biolebensmittel verzichten zu wollen (2010: 20 Prozent).

Die wichtigsten Gründe für den Kauf von Biolebensmitteln sind der Umfrage zufolge eine artgerechte Tierhaltung (94 Prozent), die regionale Herkunft beziehungsweise die Unterstützung regionaler Betriebe (89 Prozent) sowie eine geringe Schadstoffbelastung (89 Prozent). Das Fazit der Umfrage: Für deutsche Biokäufer gibt es immer mehr Gründe, zu Bio zu greifen. Zudem nehmen sich immer mehr Leute vor, künftig mehr oder aber überhaupt Bioprodukte zu kaufen.

Der Bund Ökologische Landwirtschaft (BÖLW) gab zudem vor kurzem bekannt, dass im vergangenen Jahr der Umsatz mit Bioprodukten in Deutschland um neun Prozent auf knapp 6,6 Milliarden Euro zulegte.


Gesundheit von Bioprodukten

Ist Bio gesünder? Mit dieser Frage hat sich eine umfangreiche Analyse der Universität Stanford (USA) beschäftigt, deren Ergebnisse vor wenigen Wochen erschienen sind. Das Ergebnis: Biolebensmittel sind nur geringfügig gesünder als konventionelle Lebensmittel.

Einkaufswagen mit Obst und Gemüse gefüllt © Fotolia Fotograf: Sven Grundmann

Bio oder konventionell? Laut Studie gibt es kaum Unterschiede hinsichtlich des Vitamingehalts.

Die Forscher fanden keinen Nachweis dafür, dass biologische Lebensmittel nährstoffreicher seien oder ein geringeres Risiko für die Gesundheit bedeuten würden. Der Vitamingehalt von Biolebensmitteln und konventionellen Lebensmitteln unterschied sich den Wissenschaftlern zufolge kaum, Fette und Proteine waren ähnlich verteilt. Krankheitserreger kamen in keiner der beiden Gruppen häufiger vor.

Allerdings, so das Ergebnis der Studie, waren die Biolebensmittel seltener mit Pestiziden belastet, auch wenn sie nicht vollständig frei davon waren. Der Verzehr von Bioprodukten verringerte zudem das Risiko, Pflanzenschutzmittel zu sich zu nehmen.

Für die Stanford-Studie werteten die Forscher tausende Untersuchungen aus, die sich mit dem Nährstoffgehalt und/oder der Belastung von Lebensmitteln durch Pestizide, Pilze oder Bakterien beschäftigten. Mehr als 220 dieser Studien wurden schließlich der aktuellen Analyse zugrunde gelegt.


Nutztierhaltung

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes stammen in Deutschland rund 98 Prozent aller verzehrten Tiere aus der Intensivtierhaltung beziehungsweise Massentierhaltung.

Schwein © dapd Fotograf: Nigel Treblin

921 Schweine leben durchschnittlich in einem deutschen Mastbetrieb.

Einer Erhebung über den Schweinebestand in Deutschland zufolge wurden zum Stichtag 3. Mai insgesamt 27,7 Millionen Schweine in rund 30.100 Betrieben gehalten. Damit liegt der durchschnittliche Bestand je Betrieb bei knapp 921 Schweinen (befragt wurden Betriebe mit mindestens 50 Schweinen oder 10 Zuchtsauen.) Zeitgleich gab es zum besagten Stichtag 12,5 Millionen Rinder - darunter 4,2 Millionen Milchkühe - in deutschen Ställen und Zuchtbetrieben.

Die aktuellsten Zahlen zu den Geflügelbetrieben stammen aus 2010. Im März 2010 gab es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 58.158 Hühnerbetriebe und 9.599 Betriebe mit sonstigem Geflügel. In den knapp 69.000 Geflügelbetrieben lebten zu diesem Zeitpunkt mehr als 114 Millionen Hühner und knapp 15 Millionen sonstiges Geflügel.


Fleischkonsum in Deutschland

Der Bedarf an Fleisch und Geflügel in Deutschland ist groß: Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2011 mehr als 700 Millionen Geflügel (Hühner, Pute, Enten, etc.), 3,3 Millionen Rinder, 59,7 Millionen Schweine, 1,1 Millionen Schafe und mehr als 333.000 Kälber in Deutschland geschlachtet. Im Jahr 2010 seien insgesamt acht Millionen Tonnen (8 Milliarden Kilo) Fleisch erzeugt worden.

Biohühnerfarm © dpad Fotograf: Focke Strangmann

945 Hühner isst der Mensch in seinem Leben, sagt der Vegetarierbund.

Der Vegetarierbund teilte 2009 mit, dass jeder Bundesbürger im Laufe seines Lebens durchschnittlich vier Kühe und Kälber, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner esse. Hinzu kämen Fische und Meerestiere. Laut dem Vegetarierbund könnten bundesweit jedes Jahr fast 160 Millionen Tiere vor der Schlachtbank verschont werden, wenn jeder Bürger einen fleischfreien Tag pro Woche einlegen würde.