Hintergrund zum Thema

02.09.12 | 21:45 Uhr

Hintergrund zum Thema


Digitale Demenz

In Zeiten von digitalen Medien werden immer häufiger Daten und Informationen in digitalen Gedächtnissen gespeichert: Früher wurden Telefonnummern auswendig gelernt - heute speichert man sie im Handy. Früher hat man sich auf der Landkarte angeschaut, wie man zum Ziel gelangt, und sich die Route gemerkt – heute weiß das Navigationsgerät den Weg.

Cebit 2010, Collage © Fotolia.com Fotograf: Welt: Julien Eichinger , Tastatur: Emin Ozkan, Menschen: Franz Pfluegl

Vergessen wir, wenn wir nicht mehr auswendig lernen?

Dieses Auslagern von Wissen weg vom eigenen Gehirn auf digitale Speicher wird unter dem Begriff digitale Demenz oder digitales Alzheimer zusammengefasst. Was wir früher im Kopf gespeichert haben, speichern wir heute auf hochtechnologisierten Chips. Die Zeit des Auswendiglernens ist vorbei – und manche Wissenschaftler warnen, dass diese Entwicklung Änderungen im Gehirn nach sich zieht. Wir werden vergesslicher und können uns nichts merken.

Der Psychiater und Autor Manfred Spitzer ist ebenfalls dieser Ansicht. In seinem Buch mit dem gleichnamigen Titel warnt er eindringlich vor digitaler Demenz. Gerade Kindergehirne würden durch das ständige Internetsurfen beschädigt, unsere Kinder, so Spitzer, googelten sich quasi dumm.


Internetnutzung

Laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 sind 53,4 Millionen Bundesbürger online – das sind 75,9 Prozent. Die Zahl der Internetnutzer hat sich damit in den vergangenen zwölf Jahren fast verdreifacht – im Jahr 2000 nutzten in Deutschland nur 18,4 Millionen Menschen das Internet, so die Studie. Bemerkenswert ist, dass es die höchste Zuwachsrate bei den Über-50-Jährigen gibt. 76,8 Prozent der 50- bis 59-Jährigen sind online, im Vorjahr waren es nur 69,1 Prozent.

Alle Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren nutzen der Studie zufolge das Internet. Bereits seit 2010 liegt hier der Wert bei 100 Prozent. Bei den 20- bis 29-Jährigen sind es immerhin noch 98,6 Prozent. Insgesamt halten sich die 14- bis 29-Jährigen im Durchschnitt knapp drei Stunden (2 Stunden, 48 Minuten) pro Tag im Internet auf.

Etwas abweichende Zahlen liefert die AGOF-Studie (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung) internet facts 2012-06. Demnach sind durchschnittlich nur 93 Prozent der 14-49-Jährigen in Deutschland online, bei den 14- bis 19-Jährigen liegt die Zahl bei 97,3 Prozent.


Medienkompetenz

Kinder und Jugendliche haben heute mehr Medien zur Verfügung als jede Generation vor ihnen. Doch nur wer kritisch und selbstbewusst mit den Möglichkeiten der modernen Medienwelt umgehen kann, ist auch in der Lage, ihre Risiken und Chancen einzuschätzen – so die weitverbreitete Meinung unter Eltern und Pädagogen und letztlich auch die Definition von Medienkompetenz.

Zwei Kinder sitzen vor einem Computer-Bildschirm © picture-alliance/ dpa Fotograf: Klaus Rose

Medienkompetenz umfasst nicht nur die technische Bedienungsanleitung für Computer, sondern auch Kritik, Kunde, Nutzung und Gestaltung von Medien.

Medienkompetenz umfasst nicht nur die technische Bedienungsanleitung für Computer und Smartphone, sondern auch Kritik, Kunde, Nutzung und Gestaltung von Medien sowie deren Produkte. Medienpädagogen gilt die Schule als zentraler Ort, um eine umfassende Medienkompetenz zu vermitteln. Mittlerweile gibt es zahlreiche Projekte an Schulen und sogar in Kindergärten, die die Kinder im Umgang mit Medien stärken sollen. Immer mehr Schulen sind mit Computern und Multimedia-Bibliotheken ausgestattet, immer häufiger gehört der Gebrauch von Medien zum Unterricht. Das Thema Medienkompetenz findet sich mittlerweile auch in zahlreichen Regierungsprogrammen, Koalitionsvereinbarungen und Projekten der Kinder- und Jugendpolitik.

Kritisch beurteilen einige Wissenschaftler die Vermittlung von Medienkompetenz im Vorschul- und Grundschulalter. Der frühe Einsatz von Computern habe mehr Nach- als Vorteile für die intellektuelle und psychosoziale Entwicklung der Kinder. Bei Kindergartenkindern bestehe die Gefahr, dass diese in der Schule Aufmerksamkeitsstörungen sowie Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben entwickelten.


Google

Hinter dem Namen Google verbirgt sich die bekannteste und meist genutzte Internet-Suchmaschine der Welt. 1998 gestartet, ist Google mittlerweile in mehr als 120 Sprachen verfügbar. Deutschsprachige Nutzer können unter www.google.de kostenlos die typische, schlicht weiße Internetseite aufrufen und in das Suchfeld einen oder mehrere Suchbegriffe eingeben.

Screenshot von einer Google Suche  Fotograf: picture-alliance/ dpa

Google ist Marktführer im Bereich der Internetsuchmaschinen.

Wer bei Google einen Begriff sucht, bekommt eine lange Liste von Suchergebnissen beziehungsweise Websites angezeigt. Die Suchtechnik von Google sortiert die Liste anhand bestimmter Kriterien nach ihrer Relevanz. Ein wichtiges Kriterium ist beispielsweise, wie häufig und wie gut die entsprechende Seite verlinkt ist (PageRank) beziehungsweise wie häufig sie aufgerufen wird. So ist unter den ersten zehn Ergebnissen oft die Wikipedia-Seite zu dem entsprechenden Suchbegriff aufgelistet – Wikipedia gehört zu den meist genutzten Internet-Seiten überhaupt (s.u.).

Google ist Marktführer im Bereich der Internetsuchmaschinen, häufig wird von einer Monopolstellung Googles gesprochen. 2004 wurde das Verb "googeln" sogar in den deutschen Rechtschreibduden aufgenommen. Der Begriff steht für das Suchen von Inhalten im Internet.

Google steht stark in der Kritik. Insbesondere in Fragen des Datenschutzes muss sich das Unternehmen häufig erklären und nachbessern: Google sammle massenhaft Daten und Informationen über seine Nutzer. Die Speicherung und der Umgang mit den gesammelten Daten geschehe aber nicht transparent, so die Kritiker.

Hinter der Suchmaschine Google steht das börsennotierte Unternehmen Google Inc. Laut der US-Wirtschaftszeitung Financial Times hat Google Inc. einen Marktwert von knapp 165,5 Milliarden US-Dollar und gehört damit zu den 25 größten Unternehmen der Welt.


Wikipedia

Wikipedia ist ein im Jahr 2001 gegründetes Online-Lexikon, das es in mittlerweile mehr als 280 Sprachen gibt. Die Nutzung von Wikipedia ist kostenlos – jeder, der bei Wikipedia Begriffe nachlesen möchte, benötigt lediglich einen Internetzugang.

Der Name Wikipedia setzt sich zusammen aus dem hawaiianischen Wort für "schnell" (Wiki) und der Abkürzung des englischen Begriffs für "Enzyklopädie" (Encyclopedia). Die deutschsprachige Fassung von Wikipedia (http://de.wikipedia.org) ist mit weit über einer Million Begriffe eines der umfangreichsten Wikipedia-Lexika weltweit.

Logo der freien Enzyklopädie Wikipedia © Wikipedia

Die Nutzung von Wikipedia ist kostenlos.

Im Gegensatz zu einem gedruckten Lexikon wird Wikipedia im Sekundentakt aktualisiert, täglich kommen neue Begriffe hinzu. Ein weiterer Unterschied zum Nachschlagewerk im Papierformat: Wikipedia ist ein Gemeinschaftswerk von vielen und nicht eines Einzelnen. Jeder darf bei Wikipedia als Autor tätig werden und Einträge ergänzen oder neue Einträge anlegen. Allein in Deutschland schreiben mehrere tausend Menschen am Onlinelexikon.

Die Kritiker von Wikipedia bemängeln, dass ein Großteil der Einträge von anonymen Autoren stamme, deren Expertise sich nicht klären ließe. So würde häufig Halbwissen veröffentlicht. Diesem Vorwurf halten die Anhänger der Wikipedia-Idee entgegen, dass durch die große Zahl der Autoren die Beiträge ständig korrigiert und aktualisiert würden – das Wissen der Masse, die so genannte Schwarmintelligenz, sei fast immer größer als das Wissen einzelner Experten.


Facebook

Neben Google und Wikipedia ist Facebook eine der größten Erfolgsgeschichten in der jungen Geschichte des Internets. 2004 vom US-Amerikaner Mark Zuckerberg gegründet, ist Facebook mittlerweile in 77 Sprachen verfügbar und hat fast eine Milliarde Mitglieder. Vor wenigen Monaten ist das Unternehmen Facebook Inc. an die Börse gegangen.

Ausschnitt aus einer Internetseite des sozialen Netzwerkes "Facebook" © picture-alliance Fotograf: Sven Simon

Laut Facebook-Angaben sind weltweit mittlerweile 955 Millionen Menschen bei Facebook registriert und aktiv.

Facebook ist ein sogenanntes Soziales Netzwerk: Wer (laut eigenen Angaben) mindestens 13 Jahre alt ist, kann Facebook-Mitglied werden und sich ein Profil anlegen. Über sein Profil kann sich jeder Facebook-Nutzer mit anderen Facebook-Mitgliedern vernetzen, Nachrichten schreiben, Nachrichten anderer Mitglieder kommentieren, Fotos veröffentlichen, Veranstaltungen planen oder chatten.

Facebook ist für viele ein virtueller Freundeskreis. Unternehmen nutzen Facebook mittlerweile aber auch als Kommunikationskanal, um Kundenbindung herzustellen und Produkte zielgerichtet zu bewerben.

Laut Facebook-Angaben sind weltweit mittlerweile 955 Millionen Menschen bei Facebook registriert und aktiv. In Deutschland verzeichnete Facebook Ende 2011 rund 22,1 Millionen Mitglieder.

Facebook-Mitglieder nehmen ihr Profil als privaten, virtuellen Raum wahr und gehen daher oft freigiebig mit ihren persönlichen Daten um. Sie veröffentlichen private Fotos, schreiben ihre Gedanken nieder, berichten über ihren aktuellen Aufenthaltsort oder lassen sich über andere Menschen aus. All diese veröffentlichten Informationen werden gespeichert und von Facebook weiterverwendet. Facebook steht daher stark in der Kritik, die Daten seiner Nutzer nicht richtig zu schützen. Zwar können Facebook-Mitglieder in ihrem Profil zahlreiche Einstellungen zum Schutz von privaten Daten vornehmen – doch diese Einstellungsmöglichkeiten sind häufig nur sehr schwer zu finden.