16.10.11 | 21:45 Uhr

Die Trinker-Republik - Unterschätzen wir die Volksdroge Alkohol?

verschiedene Cocktails © dpa Fotograf: Sören Stache

Hier ein Glas, da ein Drink - Deutsche trinken fleißig Alkohol.

"Darauf stoßen wir an!" Der Genuss alkoholischer Getränke gehört in Deutschland zum Alltag wie Fußball und die Tagesschau. Durchschnittlich zehn Liter reinen Alkohol lassen sich die Bundesbürger pro Jahr durch die Kehle fließen. Das sind umgerechnet knapp 110 Liter Bier, 20 Liter Wein, vier Liter Schaumwein und knapp 5,5 Liter Spirituosen.

Doch so selbstverständlich hierzulande Alkohol konsumiert wird, so gefährlich kann er auch sein. Zehn Millionen Menschen trinken in "gesundheitlich riskanter Form" viel, etwa 1,3 Millionen gelten sogar als alkoholabhängig, so der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden durch Alkoholmissbrauch sind immens. Viele Menschen merken gar nicht, wie aus dem Gläschen am Abend schleichend eine Sucht wird. Auf einmal muss es schon morgens ein Schluck sein, um gut in den Tag zu kommen. Und oft merken Freunde, Verwandte oder der Betroffene selbst erst viel zu spät, dass die Sucht das Kommando übernommen hat.

Politiker bekennt sich zu Alkoholsucht

Umso überraschender ist das Geständnis des CDU-Politikers und Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff. Als erster Politiker bekennt er öffentlich seine Alkoholsucht. "Mir ist bewusst, dass ich alkoholkrank bin".

Das Geständnis sorgte nicht nur im politischen Berlin für Aufsehen. Denn: Für viele Menschen ist das Geständnis einer Sucht zugleich ein Eingeständnis von Schwäche. Wer das Trinken nicht im Griff hat, der kann auch sonst nichts leisten.

Saufen bis der Arzt kommt

Aquavit des Spirituosenherstellers Berentzen © Berentzen

Die Sucht einzugestehen fällt vielen schwer.

Den ersten Kontakt mit Alkohol haben viele Menschen schon früh. Auf Teenie-Parties wandern Schnapsflaschen von Hand zu Hand. Und in vielen Cliquen ist das Trinken ein sportlicher Wettkampf. Nicht selten endet das sogenannte Komasaufen für Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in der Notaufnahme. Mehr als 16 Prozent der minderjährigen Jugendlichen geben in Umfragen an, im vergangenen Monaten Rauschtrinken betrieben zu haben.

Welche Rolle spielt Alkohol im politischen Betrieb? Gehen wir insgesamt zu leichtfertig mit Alkohol um? Warum saufen so viele Jugendliche bis zur Besinnungslosigkeit? Brauchen wir strengere Gesetze?