09.10.11 | 21:45 Uhr

Essen für die Tonne – wie stoppen wir den Wegwerf-Wahnsinn?

Hand aufs Herz – wann haben Sie zum letzten Mal Lebensmittel weggeworfen, die weder verdorben, verschimmelt noch abgelaufen waren? Noch gar nicht lange her? Dann sind Sie in bester (Wegwerf-) Gesellschaft.

Aktivisten sammeln weggeworfene Lebensmittel aus einem Müllcontainer © dapd Fotograf: Patrick Sinkel

Aktivisten sammeln weggeworfene Lebensmittel aus einem Müllcontainer

Denn: In Deutschland landen jährlich mehrere Millionen Tonnen essbarer Lebensmittel im Müll. Nicht nur der Verbraucher entsorgt gedankenlos Essbares – auch der Handel sortiert täglich Unmengen Nahrung aus: Brot, das durchaus noch genießbar, am nächsten Tag aber schon etwas trocken ist. Milchprodukte, deren Haltbarkeitsdatum in wenigen Tagen abläuft. Obst, das nicht mehr ganz so knackig und glänzend aussieht.

Verbraucher, Handel, Politik – eine verschwenderische Troika?

Verantwortung für diese Verschwendungssucht der Wohlstandsgesellschaft trägt jeder Einzelne. Hat ein Apfel eine kleine Delle – wird er nicht gekauft. Die gekochten Nudeln vom Vortag landen im Müll – was Neues soll auf den Tisch. Und beim Joghurt läuft morgen das Mindesthaltbarkeitsdatum ab – weg damit.

Obst in einem Supermarkt © picture alliance

Was schön aussieht, verkauft sich gut

Der Handel richtet sich bereitwillig nach den Wünschen seiner Kunden. Jeden Abend landen in den Müllcontainern der Supermärkte unzählige Nahrungsmittel. Auch die Politik ist nicht unschuldig. EU-Verordnungen geben teilweise absurd anmutende Normen für Lebensmittel vor. Die verpflichtende Angabe des sogenannten Mindesthaltbarkeitsdatums sorgt zudem für Unsicherheit beim Verbraucher: Kann ich die Wurst noch essen, wenn sie ‚abgelaufen‘ ist?

Verschwendung hier – Hunger dort

Und so führen der Wust politischer Verordnungen und der gedankenlose Umgang mit Lebensmitteln zu einer Gesellschaft, die mit einem lebenswichtigen Gut verschwenderisch umgeht. Wohl wissend, dass nicht nur in Afrika Millionen Menschen verhungern, sondern auch in Deutschland viele Menschen zu wenig zu essen haben.

Müssen wir unsere Einstellung zu Lebensmitteln überdenken? Was steckt hinter der Wegwerf-Mentalität? Welche Rolle spielen Industrie und Handel? Was genau sagt das Mindesthaltbarkeitsdatum aus? Gibt es zu viele unsinnige EU-Verordnungen zur Ästhetik von Lebensmitteln?