02.10.11 | 21:45 Uhr

Alte an die Arbeit! Können wir uns Rentner überhaupt noch leisten?

Vier alte Menschen sitzen auf einer Parkbank © aboutpixel.de Fotograf: Marion Habel

Noch können viele Rentner ihren Ruhestand genießen.

"Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld… ?" Dieser Satz passt heute besser denn je auf die Rentenpolitik. Denn: Die Rechnung des Generationenvertrags geht bald nicht mehr auf. In Deutschland werden zu wenige Kinder geboren, während die Gesellschaft altert und die Lebenserwartung der Menschen seit Jahren steigt.

Die Folgen sind beängstigend: Während viele Senioren heute noch gut von ihrer Rente leben können, wird es für die nächsten Generationen richtig knapp. Weil in naher Zukunft zu wenig Erwerbstätige auf zu viele Rentner kommen, werden die Menschen bald nicht mehr von der staatlichen Rente allein leben können. Während 1957 noch ganze fünf Erwerbstätige für die Rente eines Senioren aufkamen, waren es 1991 nur noch vier und 2006 nur noch drei Arbeitnehmer. Wäre es beim Renteneintrittsalter von 65 Jahren geblieben, wäre dieses Verhältnis zwischen 2025 und 2030 gekippt - auf einen Beschäftigten wären dann zwei Rentner gekommen.

Schon heute reicht bei manchen Senioren die Rente nicht mehr – sie müssen auch im hohen Alter arbeiten. Erst kürzlich warnte eine Studie der OECD vor steigender Altersarmut: "Deutschland gehört international zu den Schlusslichtern bei der Alterssicherung von Geringverdienern", sagte Monika Queisser, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik der OECD, der Zeitung ‚Die Welt‘. "Die strikte Beitrags-Leistungs-Bindung führt dazu, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und nur ein geringes Einkommen bezogen haben, im Alter armutsgefährdet sind."

Kann es einen neuen Generationenvertrag geben?

Zwei Männer sitzen am Gartentisch, auf dem ein Kirschkuchen steht. Im Hintergrund sitzt eine ältere Dame. © NDR Fotograf: Martina Witt

Bald könnte es heißen: Sozialstunden sammeln für das Zeitkonto.

Heute geben, morgen nehmen – die Grundidee zur Rentenfinanzierung funktioniert nicht mehr. Und noch weiß niemand so richtig, wie das Problem zu lösen ist. Der neueste Vorschlag zur Finanzierung der Rentenlücke kommt von Herbert Henzler, ehemaliger McKinsey-Chef Deutschland, und Lothar Späth, ehemaliger Ministerpräsident in Baden-Württemberg: Zeit als neue Währung bei der Alterssicherung. Wer heute Stunden in sozialen Diensten leistet, soll später bei der eigenen Pflege diese Stunden in Anspruch nehmen können.

Kann das funktionieren? Müssen Alte noch mehr anpacken und länger arbeiten? Werden viele Rentner ihrer Verantwortung für die Gesellschaft nicht gerecht? Wie kann ein neuer Generationenpakt aussehen? Diese Fragen diskutierte Günther Jauch am Sonntag mit seinen Gästen.