Spendentipps und Spendenfallen

von Tim Kopera
Spendenbüchse © dpa Fotograf: Jan Woitas

Gerade in der Vorweihnachtszeit gibt es viele Spendenaufrufe.

Egal ob karitative oder kulturelle Projekte: Wer spendet, möchte sicher sein, dass sein Geld auch dem gewünschten Zweck zugutekommt. Doch das ist nicht immer der Fall. Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) schätzt den Anteil von schwarzen Schafen unter den Hilfsorganisationen auf etwa fünf Prozent - das wären jährlich rund 350 Millionen Euro, die in fragwürdigen Kanälen versickern.

Wann ist Vorsicht geboten?

Der Spendenmarkt ist hart umkämpft, es geht um rund 7 Milliarden Euro Spendenaufkommen - Jahr für Jahr. Deshalb setzen viele Organisationen heute auf Marketing- und Werbeagenturen, um mit erhöhter Aufmerksamkeit ihr Spendenaufkommen zu steigern. Da ist per se nicht verwerflich; problematisch wird es jedoch, wenn stark suggestive Bilder und Appelle emotionalen Druck aufbauen sollen. Auch Werbesendungen mit größeren Geschenkbeigaben, die den Empfänger durch Schuldgefühle zum Spenden animieren sollen, können auf unseriöse Absichten hindeuten.

Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen und Reinhold Beckmann © NDR/beckground tv GmbH

Spendentipps vom Experten
Burkhard Wilke vom Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) im Interview.

Oft wird auch in der Fußgängerzone, an der Haustür oder am Telefon um Spenden auch in Form von längerfristigen Fördermitgliedschaften geworben - und nicht selten sind dabei erfolgsabhängig bezahlte Fundraiser am Werk. Nach Ansicht des DZI ist dieses Vorgehen nur dann vertretbar, wenn die Angesprochenen vor ihrer Spendenentscheidung "schriftlich, eindeutig und in gut sichtbarer Form über die Erfolgsabhängigkeit der Vergütung" informiert werden. Bei solchen unerwarteten Anwerbeversuchen sollte man sich nicht überrumpeln lassen - und auf jeden Fall die Zeit nehmen, die jeweilige Organisation sowie die Zahlungsverpflichtungen genau zu prüfen. Telefonische Werbung ohne vorherige Einwilligung des Angerufenen ist in Deutschland gemäß dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zudem nicht zulässig.

Sammlungsverbot

Eine staatliche Spendenaufsicht gibt es in Deutschland nur noch in wenigen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz. Dort erfolgt eine Kontrolle des sogenannten Sammlungsgesetzes durch die Spendenaufsicht. Verstößt eine Organisation gegen das Gesetz, wird ein Sammlungsverbot ausgesprochen, das nur in Rheinland-Pfalz gilt. In den anderen Bundesländern dürfen diese Organisationen weiter Spenden sammeln.

Widerrufsrecht oder nicht?

Gestreckter Arm mit Spendenhut © imago/bonn-sequenz

Einmalige Spende oder Fördermitgliedschaft?

Während bei Haustürgeschäften und Fernabsatzverträgen grundsätzlich eine Widerrufsfrist von zwei Wochen gilt, sind feste Fördermitgliedschaften, bei denen sich Spender für einen längeren Zeitraum binden, in der Regel nicht widerrufbar - jedenfalls dann, wenn sie mit keiner Gegenleistung der Hilfsorganisation verbunden sind. Sie können nur fristgemäß gekündigt werden. Insbesondere ältere Menschen verpflichten sich so des Öfteren ungewollt zu hohen Beitragszahlungen.

Woran erkennt man seriöse Organisationen?

Wer sich selbst ein Bild von der Vertrauenswürdigkeit einer Hilfsorganisation machen will, der sollte vor allem auf Folgendes achten:

  • Informiert die Organisation ausreichend? Sind zum Beispiel Geschäftsberichte einsehbar und ist die Verwendung der Gelder transparent?
  • Wie hoch sind die Werbe- und Verwaltungskosten? Das DZI hält einen Anteil von bis zu 30 Prozent für akzeptabel. Das Analysehaus Phineo sieht einen sehr geringen Anteil an Verwaltungs- und Werbekosten sogar durchaus als Indiz für eine uneffektive Organisation.
  • Ist bei Fördermitgliedschaften jederzeitig ein Rücktritt von der Zahlungsverpflichtung möglich?
  • Ist die Werbung sachlich und wahrhaftig?

Wem der Aufwand für eigene Recherchen zu groß ist, dem bieten die Auskünfte des DZI eine Orientierung. Das Institut führt nicht nur eine große Datenbank mit Bewertungen, sondern nimmt auch Anfragen zu einzelnen Organisationen entgegen. Zudem vergibt es auf Antrag der Hilfsorganisationen nach eingehender Prüfung ein Spendensiegel, dessen berechtigte Vergabe in regelmäßigen Abständen kontrolliert wird. Was freilich nicht heißt, dass ein fehlendes Siegel auf unseriöse Praktiken schließen lässt - gerade kleinere Organisationen verzichten nicht selten auf das kostenpflichtige Siegel. In Hinblick auf die Transparenz hat zudem Phineo im Auftrag von "Spiegel online" gerade 50 Spendenorganisationen untersucht.

Wie spende ich am sinnvollsten?

Spende ich lieber Geld oder Sachen, zweckgebunden oder zur freien Verwendung - und in welcher Höhe? Das DZI rät grundsätzlich zu Geldspenden, die idealerweise nicht an konkrete Projekte gekoppelt sind. Denn so ermöglicht man der Hilfsorganisation seines Vertrauens, die Spenden flexibel nach eigenem Ermessen einzusetzen. Wenige, dafür höhere Beträge sind zudem sinnvoller als viele kleinere - denn so wird der Verwaltungs- und Werbeaufwand reduziert und es bleibt mehr Geld für den eigentlichen Zweck.

Altruismus schön und gut - aber was hab ich davon?

Würfel mit der Aufschrift "Steuern" © fotolia.com Fotograf: Marco2811

Steuern sparen durch gemeinnützige Spenden.

Wem das gute Gefühl, mit seiner Geldspende zu helfen, allein nicht reicht, der hat noch einen weiteren Vorteil: Gemeinnützige Spenden sind steuerlich absetzbar. Bis zu 20 Prozent der Gesamteinkünfte in der Einkommensteuererklärung können als Sonderausgaben veranschlagt werden. Ob die jeweilige Hilfsorganisation vom Finanzamt als gemeinnützig eingeschätzt wird, sollte man vorher in Erfahrung bringen. Für die Steuererklärung benötigt man dann eine sogenannte Zuwendungsbestätigung, bei Beträgen bis 200 Euro genügt auch der Kontoauszug.

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Das Erste | #Beckmann | 06.12.2016 | 22:45 Uhr