Wer hilft? Menschen engagieren sich

von Bettina Meier
Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt ist mit Senioren in Husum © NDR/beckground tv GmbH

Jan-Ole Werner ist mit Senioren beim Krabbentag in Husum.

"Ich muss nur ein bisschen Zeit mitbringen und kann etwas zum Besseren verändern." Für den Versicherungsangestellten Jan-Ole Werner ist seine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Arbeiterwohlfahrt eine Bereicherung. Zwei Abende in der Woche besucht er Senioren, verbringt Zeit mit ihnen und organisiert Ausflüge. Es sei für ihn wichtig, etwas für die Gemeinschaft zu machen, erzählt der Hamburger #BECKMANN. Mit dieser Einstellung ist er nicht alleine. Das Bundesfamilienministerium geht in seinem Freiwilligensurvey 2016 von rund 31 Millionen Menschen aus, die sich engagieren, und die Zahl steigt. Die Möglichkeiten sind vielfältig: von Seniorenbetreuung über Trainertätigkeiten im Sportverein bis zur Mithilfe im Tierheim.

Ohne dieses ehrenamtliche Engagement würden viele soziale Einrichtungen nicht existieren. Dieter Puhl von der Bahnhofsmission am Berliner Bahnhof Zoobetont die Bedeutung von aktiven Unterstützern und freut sich über die Menschen, die sagen: "Ich schau' mir den Laden mal an und krempele die Ärmel hoch."

Um ältere Menschen kümmert sich nicht nur die Arbeiterwohlfahrt, sondern u.a. auch
der Malteser Hilfsdienst, der Arbeiter-Samariterbund, das Rote Kreuz oder die Caritas. Neben zahlreichen örtlichen Vereinen und Verbänden findet man im Internet zudem lokale Börsen, die ehrenamtliche Tätigkeiten vermitteln – ein Blick lohnt sich.

Helfen und Spenden macht glücklich

Auch das "CaFée mit Herz" im Hamburger Stadtteil St. Pauli ist auf Ehrenamtliche angewiesen. Außergewöhnlich ist, dass unter den Helfenden auch ehemalige Obdachlose sind. Bis zu 400 Menschen erhalten in diesem sozialen Anlaufpunkt nicht nur ein tägliches kostenloses Mittagessen, sondern auch ärztliche Hilfe. Zudem wird ihnen dabei geholfen, sich wieder im Leben zurecht zu finden, zum Beispiel werden sie bei Behördengängen begleitet. Um das leisten zu können, benötigt die Einrichtung rund 15.000 Euro Spendengelder im Monat. Das sei nicht immer leicht, erzählt Geschäftsführerin Margot Glunz, das liege auch am Thema Armut und Obdachlosigkeit: "Wir sind nicht wirklich sexy für Spender." Sie weiß, dass man auffallen muss, um ein Stück des Spendenkuchens abzubekommen. Im Oktober hat das CaFée mit Herz jetzt einen Bildband mit den Porträts von 30 "Gästen" herausgegeben, der Erlös geht an die Einrichtung.

In Deutschland wächst die Gesamtspendensumme von Jahr zu Jahr. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftforschung (DIW). Seit dreißig Jahren werden Menschen über ihr Leben befragt, unter anderem über ihr Spendenverhalten. Die neuesten Zahlen zeigen, dass im Vergleich zu 2010 mehr Menschen mehr Geld spenden. Waren früher 40 Prozent der Bevölkerung Spender, spendeten 2015 bereits 47 Prozent. Gleichzeitig stieg das Spendenvolumen von 5,3 auf rund acht Milliarden Euro. Die Forscher um Jürgen Schupp untersuchten zudem, ob Menschen, die spenden, zufriedener sind. Die Auswertung ergab eine "recht ausgeprägte starke Korrelation" - offensichtlich führt Spenden also zu mehr Glück.

Helfen als Lebensinhalt: Ein Leben voller Glück?

Es gibt Menschen, die ihr Leben ganz dem Helfen widmen. Die Ordensschwester Jordana zum Beispiel lebt als Pflegemutter von fünf Kindern im Alter zwischen vier und acht Jahren im Bethanien-Kinderdorf in Schwalmtal. Die Kinder kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen und lernen in ihrer Pflegefamilie wieder Vertrauen in die Welt zu haben. Für die Dominikanerin ist es Glück pur, dass sie als Ordensschwester auf diese Weise Mutter sein kann. Dabei empfand sie das erste Jahr mit den Kindern noch als sehr fordernd: "Man hat immer das Gefühl, du wirst keinem gerecht. Auf den Schoß passen zwei Kinder, aber fünf eben nicht." Für Schwester Jordana ist aber eines klar: Gutes zu tun ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Auch weil wir erwarten, Gutes zu erhalten.

Helfen unter schwierigen Bedingungen

Eva-Victoria Guha kümmert sich im MSF-Hospital in Amman um die siebenjährige Aishe. © NDR/beckground tv GmbH

Eva Guha war für "Ärzte ohne Grenzen" in Jordanien tätig.

Das bestätigt die Krankenschwester Eva-Victoria Guha. Die Stuttgarterin war für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" in der jordanischen Hauptstadt Amman und versorgte in einer Klinik Kriegsverletze aus dem Irak, aus dem Jemen und aus Syrien. Die 29-Jährige zieht aus ihrem Engagement für andere auch Positives für sich selbst: "Man lernt unheimlich viel, man reist, man sieht etwas anderes und gleichzeitig verbindet man das noch mit Arbeiten […] Also das tut einem selber auch ganz arg gut." Sie plant bereits ihren nächsten Einsatz für "Ärzte ohne Grenzen" und will demnächst für die Organisation im Jemen arbeiten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | #Beckmann | 06.12.2016 | 22:45 Uhr