Tödliche Krankenhauskeime - Neue Gefahren, neue Hoffnungen

Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland eine Million Menschen mit Krankenhauskeimen, bis zu 40.000 von ihnen sterben daran, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Eine große Zahl dieser gefährlichen Keime ist multiresistent - und kaum ein Antibiotikum kann etwas gegen sie ausrichten. Für viele Überlebende endet ihr Leidensweg nie, sie werden chronisch krank, sind berufsunfähig oder leiden an dauerhaften Schmerzen. Und die Bedrohung wächst: Bald könnte es mehr Tote durch Keime als durch Krebs geben.

Reinhold Beckmann spricht mit einem Arzt © NDR/beckground tv

Tödliche Krankenhauskeime
Bis zu 40.000 Menschen sterben jedes Jahr an Krankenhauskeimen - und die Gefahr wächst weiter. Gegen neue Superkeime hilft derzeit kein Antibiotikum, doch es gibt auch Hoffnung.

Gefahr durchs Pflegepersonal

Nicht nur Patienten sind Träger von Krankenhauskeimen - Gefahr droht oft auch von denen, die eigentlich helfen sollen. Exklusiv berichtet ein ehemaliger Pfleger bei #BECKMANN, dass er trotz seiner Infektion mit Krankenhauskeimen weiterhin Patienten behandelte. Sein Fall sei keine Ausnahme: "Mein Betriebsarzt spielte den Befund sogar herunter, so etwas habe jeder mal, sagte er. Und die meisten Kollegen haben sich gar nicht testen lassen, die möchten es gar nicht wissen."

Ein Drittel des Pflegepersonals in deutschen Krankenhäusern wurde in den vergangenen zehn Jahren abgebaut. Viele Mitarbeiter klagen über chronische Überlastung, eigentlich unerlässliche Hygienemaßnahmen werden aus Zeitmangel nicht eingehalten. Angesichts der steigenden Infektionsgefahr schlagen Experten Alarm: Noch immer gibt es keine verpflichtenden Vorschriften, Ärzte und Pflegepersonal regelmäßig auf gefährliche Keime untersuchen zu lassen.

Obwohl sich die Lage auf den Stationen immer weiter zuspitzt, ist im Kampf gegen Keime bislang zu wenig geschehen. Vor sieben Jahren starb Wilhelm Beckmann, der ältere Bruder von Reinhold Beckmann, an einer Infektion mit multiresistenten Krankenhauskeimen. Seitdem beschäftigt den TV-Journalisten die Frage, warum manche dringend notwendigen Maßnahmen nicht durchgesetzt werden. Denn weitere Gefahren drohen durch neue "Superkeime", die jetzt erstmals in Europa nachgewiesen wurden und gegen die derzeit kein Antibiotikum hilft.

Neue Hoffnung: Phagentherapie

Doch es gibt auch Hoffnung: #BECKMANN zeigt eine hierzulande kaum bekannte, doch anscheinend effektive Behandlungsmethode gegen bakterielle Infektionen, bei denen Antibiotika nicht mehr wirken: die sogenannte Phagentherapie. Mit gezielt eingesetzten Viren sollen multiresistente Bakterien im Körper des Erkrankten zerstört werden. Zwar ist diese Methode in Deutschland, anders als in einigen osteuropäischen Staaten, nicht zugelassen, doch auch in West-Europa stößt sie auf zunehmendes Interesse.

Für ihre Dokumentation treffen Reinhold Beckmann und seine Co-Autorin Renate Werner Patienten, Ärzte, Wissenschaftler und Gesundheitsminister Hermann Gröhe, um herauszufinden, warum immer noch so viele Menschen in Deutschland an Keimen sterben und welche Maßnahmen Hoffnung geben könnten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | #Beckmann | 24.05.2016 | 22:45 Uhr