01.02.16 | 20:15 Uhr

Der Liebe ins Netz gegangen

von Finn Rütten
Smartphone mit Dating-App © Fotolia.com Fotograf: vectorfusionart

Die Dating-Apps haben oft eine Standortsuche und zeigen Kontakte in der Umgebung an.

Viele träumen von der großen Liebe. Dafür muss man heute nicht mehr jedes Wochenende auf Partys, in Bars und Clubs abhängen. Bevor es zum ersten persönlichen Date kommt, lernt man sich in Online-Portalen zunächst per Mail näher kennen. Was vor wenigen Jahren eher peinlich war, gilt heute als selbstverständlich: Jeder sechste Internetnutzer, so eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitcom, soll schon mal versucht haben, auf diesem Weg Mr. oder Mrs. Right zu finden.

Besonders der älteren Generation bietet das Internet eine Alternative zur klassischen Partnersuche. Heute trennen sich so viele Paare wie nie zuvor nach 26 oder mehr Ehejahren und wagen einen späten Neuanfang. Doch im bisherigen, zumeist fest gefügten sozialen Umfeld fällt es vielen schwer, neue Menschen kennenzulernen - sie hoffen auf Hilfe durch die Partnervermittlungen im Netz. Einer Online-Umfrage des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) aus dem Jahr 2013 zufolge ist jeder zweite Nutzer von Internet-Partnerbörsen 50 Jahre oder älter, jeder Fünfte sogar über 59 Jahre.

Hilfe beim Liebesglück: Online-Partnervermittlungen

Zahlreiche Online-Partnervermittlungen wie Elite-Partner, eDarling, Parship oder Partner.de bieten ihre Dienste an. Umfassende Fragebögen zu Bildungsgrad, Einkommen, Wertvorstellungen, Vorlieben, Charaktereigenschaften, Gewohnheiten, Weltanschauungen und daraus entstehende Persönlichkeitsprofile sollen potenziell richtige Partner zueinander bringen. Die Vermittlungen kosten oft zwischen 40 und 60 Euro im Monat - sind aber zumeist an mindestens drei oder sechs Monate Vertragslaufzeit gebunden.

Der Fokus liegt auf der Suche nach einem langfristigen Lebenspartner. Die Portale nutzen vor allem Menschen ab 30 Jahren aufwärts: Laut BVDW-Umfrage waren 2013 rund 42 Prozent der Nutzer zwischen 30 und 49 Jahren alt, nur sechs Prozent jünger. ElitePartner wendet sich an höhere Bildungsschichten und lehnt Anmeldungen von Menschen ab, die nicht ihre Kriterien erfüllen. Welche das sind, ist nicht immer klar. Die Stiftung Warentest bemängelte in ihrem Test 2011, dass sich einige Portale entweder ein zu weitreichendes Nutzungsrecht an den Kundendaten sicherten oder Mängel in den allgemeinen Geschäftsbedingungen aufwiesen.

Für alle etwas dabei: Dating-Portale und Singlebörsen

Neben den Partnervermittlungen gibt es auch zahlreiche Dating-Portale wie Friendscout24 oder Neu.de. Die Kernzielgruppe ist ab 30 Jahren aufwärts, aber natürlich tummeln sich auch Jüngere auf den Seiten. Portale wie 50plus-Treff hingegen wenden sich ausdrücklich an ältere Personen. Um solche Seiten zu nutzen, muss der User bei der Anmeldung ein Profil erstellen oder sich mit seinem Facebook-Account anmelden. Ein ausführlicher "Persönlichkeitstest" entfällt zumeist, in der Regel sucht man selbst nach passenden Kandidaten. Einige Dating-Portale schlagen aber auch, ähnlich wie Partnervermittlungen, mögliche Kontakte vor.

Wer jemandem eine Nachricht schreiben möchte, muss meist ein Abonnement abschließen. Die Preise rangieren im Bereich von 20 bis 30 Euro monatlich. Es existieren auch spezialisierte Kontaktanzeigenportale für Alleinerziehende, Angehörige bestimmter Religionen, Mitglieder aus den Gothic-, Grufti-, Metal- und Emo-Szenen, oder für Live-Rollenspieler.

Liebe geht durch das Smartphone: Dating-Apps

Rund zwei Prozent der Onliner ab 14 Jahren nutzten laut der Bitcom-Studie Smartphone-Apps wie Tinder, Lovoo oder auch Zoosk und Badoo. Alle funktionieren nach einem vergleichbaren Prinzip und sind besonders bei Menschen unter 30 beliebt. Man meldet sich an und erstellt ein Profil samt Bild und einigen Informationen von sich. Entweder kreiert man dabei ein neues oder vernetzt die App mit bestehenden Profilen etwa auf Facebook oder Twitter – bei Tinder ist die Vernetzung mit Facebook sogar verpflichtend. Danach sucht die App potenzielle Kontakte aus der Umgebung, die man dann positiv oder negativ bewertet. Finden sich beide Seiten attraktiv oder interessant, kann man in Kontakt treten und sich persönlich treffen. Die Nutzer können auch direkt Profile durchforsten oder mit einem Umkreisradar Menschen in der Nähe ausfindig machen. Während Tinder und Lovoo eher auf Flirts ausgerichtet sind - One-Night-Stands nicht ausgeschlossen -, werben Zoosk und Badoo damit, dass man hier auch Freunde finden kann. Daneben gibt es Apps für spezielle Nutzergruppen wie Tindog, das speziell Hundebesitzer anspricht, oder die App Grindr, die sich an Homosexuelle richtet. Die meisten dieser Apps sind in der Basisnutzung kostenlos und bieten gegen Bezahlung zusätzliche Funktionen an.

Auf der Suche nach dem Abenteuer: Erotik-Dating

Nicht jeder sucht im Netz die große Liebe. Angebote wie C-Date, Treffpunkt18 oder LovePoint richten sich an Menschen, die schnelle, unverbindliche Sex-Kontakte suchen. Die Kernzielgruppe ist auch hier "Ü30". Die Anmeldung ist zumeist erst einmal kostenlos. Wer dann zum Beispiel auf C-Date die verschwommenen Profilbilder der anderen Nutzer anklickt, wird aufgefordert, ein Abonnement abzuschließen, um die Personen sehen zu können. Auch auf den anderen Seiten wird für die Kontaktaufnahme zur Kasse gebeten. Preislich rangieren die Angebote im Bereich von 20 bis 40 Euro. In der Regel zahlen aber nur Männer, Frauen können die Dienste meist gratis nutzen.

Nicht blind vor Liebe sein: Gefahren

Eine große Gefahr beim Online-Dating ist, dass man nie weiß, wer sich hinter dem Profil verbirgt und welche Absichten derjenige verfolgt. Sogenannte Love-Scammer nutzen die Leichtgläubigkeit von einsamen Menschen aus. Oftmals sitzen diese Betrüger im Ausland und geben vor, Geld für eine Reise nach Deutschland zu benötigen. Wer überweist, sieht sein Geld nie wieder. Außerdem sollen auch einige Portale bezahlte Animateure einsetzen, die mit gefälschten Profilen Kunden locken und Interesse vorspielen.

Auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der jeweiligen Portale sollten genau gelesen werden. Oftmals wird mit Test-Accounts geworben, die automatisch in eine kostenpflichtige Mitgliedschaft übergehen. Viele Portale räumen sich zudem, wie Stiftung Warentest 2011 bemängelte, ein weitreichendes Nutzungsrecht der Kundendaten ein. Darüber hinaus sind die Daten für solche Online-Portale naturgemäß sehr privater Natur und im Internet daher immer in einem potenziell gefährdeten Raum, wie der Fall des nordamerikanischen Seitensprung-Portals Ashley Madison zeigt. Dort hatten im Sommer 2015 Hacker Nutzerdaten gestohlen und öffentlich zugänglich gemacht.

Stand: 29.01.16 16:21 Uhr