Energiesparlampen – Licht und Schatten
Australien hat sie schon verboten. Auch hierzulande mehren sich die Stimmen, die ein Ende der Glühlampe fordern. Der Grund: Sie verschwendet Energie. Nur fünf Prozent des zum Erhitzen des Wolfram-Drahtwendels benötigten Stroms setzt sie in Licht um, die restlichen 95 Prozent gehen als Wärme verloren.
Glühlampenverbot
Umweltschützer, Lampenhersteller und Politiker empfehlen daher den Einsatz von kompakten Leuchtstofflampen, die eine Glühlampe im E27-Sockel imitieren. Diese "Energiesparlampen" sparen Strom und sollen nicht nur das Klima retten, sondern auch die Haushaltskasse schonen. Doch viele Verbraucher empfinden ihr Licht als "kalt“ und ungemütlich und setzen weiterhin auf die Glühlampe.
Daher hat die EU mit Unterstützung des Umweltbundesamtes neue Effizienzstandards vorbereitet, die im Frühjahr 2009 in Kraft treten sollen und die - mit Übergangsfristen versehen - einem faktischen Verbot der Glühlampe gleichkommen. Und das, obwohl Energiesparlampen prinzipielle Nachteile haben, so dass sie aus Sicht vieler Experten kein vollwertiger Ersatz für Glühlampen sind. Zudem gibt es Zweifel an den positiven Umweltwirkungen eines kompletten Umstiegs auf Kompaktleuchtstofflampen.
Spareffekt kleiner als behauptet
Während die Hersteller mit einer Energieeinsparung von 80 Prozent werben, kam Öko-Test bei der jüngsten Untersuchung zu einem anderen Ergebnis. Das Magazin hatte 16 Energiesparlampen mit zehn bis zwölf Watt untersuchen lassen. Demnach ist die Einsparung nicht so hoch, wie versprochen.
Experten vom PZT-Labor ermittelten, wieviel Licht auf einem Tisch ankommt und wieviel Energie die Lampen dafür verbrauchen. Statt der versprochenen 80 Prozent Einsparung brachten es die meisten Modelle nur auf 50 bis 70 Prozent. Die Swiss Lights Classic schoss den Vogel ab: Sie verbraucht sogar mehr Strom als eine Glühbirne.
Lampenhersteller kritisieren die Methoden von Öko-Test: Das Magazin ließ messen wie viel Licht (in Lux) auf eine Fläche fällt. Dagegen müsse laut DIN-Norm geprüft werden, wieviel Licht die Lampe in Lumen abgibt. Lumen bezeichnet die gesamte Lichtmenge, die pro Sekunde in alle Richtungen austritt. Tatsächlich schneiden Energiesparlampen bei einer solchen Messung bauartbedingt besser ab, da sie das Licht mehr in die Breite streuen. Statt auf dem Tisch kommt ein Großteil des Lichtes also auf den Wänden des Raums an.
Professor Paul Schmits von der Firma Semperlux in Berlin ist Obmann des Fachausschusses Innenbeleuchtung bei der Lichttechnischen Gesellschaft und Vorsitzender des DIN-Fachnormenausschuss Lichttechnik. Er hält die Messmethode von Öko-Test für sinnvoll: "Wenn es darum geht eine Arbeitsplatzleuchte, also in dem Fall eine Schreibtischleuchte, für den heimischen Arbeitsplatz zu untersuchen, ist sicherlich die Luxmessung das adäquate Mittel, weil man möchte ja schließlich eine gewisse Menge Licht auf seinem Buch haben."
Helligkeit nimmt ab
Um das mit Energiesparlampen zu gewährleisten, sollten diese eine Wattlage höher gekauft werden als empfohlen. Zumal ihre Helligkeit mit der Zeit abnimmt: Im Test war von der Anfangshelligkeit nach 2.000 Betriebsstunden im Extremfall nur noch 43 Prozent übrig. Im Klartext: Sobald sich die Einsparung in der Haushaltskasse bemerkbar macht, verwandeln sich die angeblichen Sparmeister in Funzeln.
Gedenkminuten im Halbdunkel
Es gibt weitere Nachteile: So lassen sich die allermeisten Energiesparlampen nicht dimmen. Außerdem werden sie nur langsam hell. Entgegen den Beteuerungen der Hersteller gönnen sich die meisten Modelle nach wie vor eine quälend lange Aufwärmphase: Einige der von Öko-Test geprüften Modelle brauchen fünf Minuten, bevor sie 95 Prozent ihrer vollen Helligkeit erreichen.
Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, spart mit den Gasentladungslampen Strom und damit Geld. Sie sind zwar in der Anschaffung teurer, leben dafür aber meist viele Jahre. Jedenfalls dann, wenn sie nicht allzu oft aus- und eingeschaltet werden. Denn häufige Schaltvorgänge verkürzen die Lebensdauer einer Energiesparlampe, entgegen der Beteuerungen der Hersteller, beträchtlich.
Nicht schaltfest
Durch oftmaliges Ein- und Ausschalten der Lampen verkürzt sich die Lebenserwartung von Sparlampen so weit, dass sie sogar unter der von Glühlampen liegen kann. Im Öko-Test blieben die Lampen je fünf Minuten aus und eine Minute eingeschaltet. "Gleich nach ein paar Wochen fielen die ersten Energiesparlampen aus", sagt Wolfgang Herter vom PZT-Labor.
Einige der getesteten Modelle fielen bereits nach 3.500 Schaltzyklen aus. Im Schnitt überlebten sie ganze 6.000 Zyklen. "Die Schaltfestigkeit ist gegenüber einer normalen Glühlampe sehr schlecht", sagt Herter. "Das heisst, die Lampen würden im praktischen Betrieb, wenn man sie zum Beispiel auf der Toilette einsetzt, noch nicht mal ein Jahr halten."
Minderwertige Farbwiedergabe
Der offensichtlichste Unterschied zwischen Glüh- und Sparlampe ist aber die Qualität des erzeugten Lichtes. Glühlampen erzeugen ein gleichmäßiges Spektrum im sichtbaren Wellenbereich. Daher geben sie ein relativ natürliches Licht mit homogener Spektralverteilung ab. Bei der Farbwiedergabe ist die Glühlampe daher mit 100 Prozent die Referenz.
Mit einem Spektrometer haben die Techniker des PZT-Labors zum Vergleich die Farbdarstellung der Energiesparlampen gemessen. Der Farbwiedergabeindex der Sparlampen beträgt durchschnittlich 85 Prozent. Sie strahlen nur einzelne spektrale Komponenten ab und erreichen keine gleichmäßige Verteilung der Wellenlängen. Da ihr Spektrum große Lücken aufweist, verfälschen Energiesparlampen mithin die Farbwiedergabe von Objekten.
"Wenn das beleuchtete Objekt gerade in diesen Lücken reflektiert, fällt es auf", sagt der Lichtexperte Christoph Schierz von der Technischen Universität Ilmenau. Zwar könnten auch Kompaktleuchtstofflampen mit einer Farbwiedergabe von 100 Prozent gebaut werden, "doch dann wäre die Lampe nicht mehr energieeffizient", sagt Schierz. "Übel dran sind die ganz kräftigen Farben, die werden teilweise schon etwas verschoben", sagt Paul Schmits. "Ob das jetzt wahrgenommen wird oder nicht hängt von der Farbe und der Vertrautheit des Objektes ab, was da beleuchtet wird." Kritisch seien auch Hautfarben.
Elektrosmog aus der Lampe
Was kaum jemand weiß: Kompaktleuchtstofflampen erzeugen Elektrosmog, denn der Sockel mit der Elektronik ist nicht abgeschirmt. Öko-Test ließ die hochfrequenten elektrischen Wechselfelder in einem Abstand von 30 Zentimetern zum Kopf bestimmen, wie es beim Einsatz als Arbeitsleuchte realistisch ist. Grenzwerte gibt es für Lampen zwar nicht, doch die Tester orientierten sich an der TCO-Vorschrift für Computerdisplays. Sie beschränkt die Strahlung von Displays auf ein Volt pro Meter. Bei den Energiesparlampen haben die Tester bis zum 12fachen höhere Werte festgestellt.
Gefahr für das Kinderzimmer
Wenig umweltfreundlich ist auch das Innenleben der Kompaktleuchtstofflampen, denn sie enthalten hoch toxisches Quecksilber, das bereits bei Zimmertemperatur verdunstet. Besonders giftig wirkt es, wenn es eingeatmet wird. Da Quecksilberdampf schwerer als Luft ist, sammelt er sich in Bodennähe. Kleinkinder, die am Boden spielen, sind also besonders gefährdet, wenn eine Lampe zu Bruch geht. Die Firma Megaman verwendet daher kein reines Quecksilber, sondern ein Amalgam. Für Wolfgang Herter steht dennoch fest: "Ins Kinderzimmer gehören keine Energiesparlampen."
Energiesparlampen sind Sondermüll
Es mutet befremdlich an, dass auf den Packungen der Energiesparlampen kein Hinweis auf diese Gefahren abgedruckt wird, wo ein solcher doch auf keiner Zigarettenpackung fehlt. Er wäre auch deshalb angebracht, weil kaum ein Käufer weiß, dass er mit dem Kauf "Sondermüll" erwirbt, der fachgerecht entsorgt werden müsste. Anders als Glühlampen dürfen Kompaktleuchtstofflampen wegen der enthaltenen Gifte nicht in den Hausmüll.
Kaum Recycling
Doch genau das ist die Regel, denn kaum jemand bringt seine Lampen eigens zum Recyclinghof. Zwar ist im Lampenpreis eine Entsorgungsgebühr von 16 Cent enthalten. Doch anders als etwa in Schweden oder Österreich werden Kompaktleuchtstofflampen in Deutschland kaum wiederverwertet. Selbst das von den Lampen-Herstellern gegründete Gemeinschaftsunternehmen Lightcycle, das die bundesweite Produktrücknahme für Altlampen organisieren soll, räumt dies ein. Eine Pfandpflicht, wie etwa für Dosen, gibt es nicht.
So gelangen jedes Jahr mehrere Hundert Kilo Quecksilber unkontrolliert in die Umwelt. Dabei hatte das Europaparlament im Juli 2007 eine Richtlinie beschlossen, die Quecksilber in Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten ab April 2009 verbietet. Doch nun möchte die EU die Bürger durch ein faktisches Verbot der Glühlampe zur Nutzung von quecksilberhaltigen Energiesparlampen drängen.
Keine Ökobilanz
Es stellt sich die Frage, ob die Umweltbilanz von Energiesparlampen überhaupt positiv ist. Die Antwort ist: Man weiß es nicht. Bisher gibt es keine Ökobilanz, in der Energiesparlampen sich mit Glüh- oder Halogenlampen messen müssen. Vielleicht werden an sie als Instrument des Klimaschutzes andere Massstäbe angelegt. Obwohl das Umweltbundesamt (UBA) keine umfassende Ökobilanz vorlegen kann, geht Christoph Mordziol vom UBA davon aus, "dass ihre Umweltbilanz positiv ist."
Doch es bleiben Zweifel. Um zu verhindern, dass Quecksilber entweichen kann, muss das Recycling im Trennverfahren mit Unterdruck und Aktivkohlefilter erfolgen, ist also mit hohem Energieaufwand verbunden. Zumal es dafür bundesweit nur vier Standorte gibt, an welche die (relativ leichten) Altlampen per Lkw gebracht werden müssen. Den dabei anfallenden CO2-Ausstoß kann das UBA nicht beziffern.
Doch nicht nur der Energieaufwand für das Recycling ist hoch. Auch die Herstellung von Energiesparlampen ist weit aufwändiger als die von Glühbirnen, denn es wird bei nahezu jeder Kompaktleuchtstofflampe ein elektronisches Vorschaltgerät mitgeliefert, das in der Herstellung einen hohen Primärenergieaufwand erfordert, wodurch auch der höhere Preis bedingt ist. Dagegen ist die Elektronik im gewerblichen Bereich in die Leuchten integriert, so dass dort nur die Leuchtstoffröhren ausgetauscht werden müssen.
Paul Schmits bezweifelt den Sinn eines Glühlampenverbots: "Ich glaube nicht, dass die Energieeinsparung durch den Austausch der Glühlampe so groß ist. Da gibt es sicherlich andere Bereiche, wo wir mit geringem Aufwand mehr erzielen können." Auch wenn die Glühlampe mehr Wärme als Licht produziere, sei diese zumindest in der kalten Jahreszeit keine verschwendete Energie.
Vollwertiger Ersatz?
Der Obmann des Fachausschusses Innenbeleuchtung hält die Kompaktleuchtstofflampen nicht für einen vollwertigen Ersatz für Glühlampen, schon weil sie aus ästhetischen Gründen etwa kaum in einem Kronleuchter eingesetzt werden könnten. Er würde sie eher in Leuchten einsetzen, die selber keinen direkten Blick auf das Leuchtmittel ermöglichen.
"Auf jeden Fall würde ich Energiesparlampen im Flur einsetzen", sagt Schmits und in Räumen, die ähnlich wie der Flur simplere Sehfunktionen haben. "Nicht einsetzen würde ich sie über dem Esstisch eben wegen der schlechteren Farbwiedergabe, das wäre mir bei Lebensmitteln nicht lieb und auch wegen der anderen Art von Schattigkeit und Brillanz, die es auf dem Geschirr macht." Schönes Geschirr und Gläser kommen erst unter Glühlampen richtig zur Geltung, während sie unter dem Licht von Energiesparlampen fahl und matt erscheinen.
Alternativen
Als Alternative bieten sich Halogenglühlampen an. Die haben alle Vorteile einer herkömmlichen Glühlampe, wie etwa deren gewohnt warmes Licht. Zudem verbrauchen sie bis zu 30 Prozent weniger Strom und halten doppelt so lange.
Noch viel effizienter und zudem langlebiger sind LED. Ihre Lichtausbeute liegt weit über der von Kompaktleuchtstofflampen, zudem erzeugen sie keinen Elektrosmog. Und sie stellen mit einer Lebensdauer von über 50.000 Stunden alles andere in den Schatten. Als Stimmungslicht sind sie bereits in den Wohnzimmern angekommen. Doch noch sind LED nicht hell genug, um große Zimmer alleine auszuleuchten. Zudem sind sie noch sehr teuer, was sich mit der Serienfertigung ändern dürfte. Philips und Osram haben bereits erste Modelle in Glühbirnenform vorgestellt. Experten sind sich einig: Den LED gehört die Zukunft.
Verbraucherlinks
Internet-Links rund um die Themen Verbraucher, Technik, Umwelt und Gesundheit. [mehr]
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag zum Zeitpunkt der Ausstrahlung wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Wertvoll für den Klimaschutz
Artikel der Deutschen Umwelthilfe zum Thema Energiesparlampen.
Informationen zu energieeffizienter Stadtbeleuchtung
Presseinformationen und PDF zum Download auf den Seiten des Bundesumweltamtes.
Ökotest: Energiesparlampen
Sie sollen eigentlich das Klima retten.Aber die Einsparmöglichkeiten von Energiesparlampen sind viel geringer als versprochen. Zudem erzeugen die Öko-Leuchten Elektrosmog und eine schlechte Lichtqualität (oekotest.de 10/2008).
Lightcycle
Internetauftritt des Unternehmens für die Rücknahme und Entsorgung von Energiesparlampen.
Megamen
Website über die Energiesparlampen der Marke Megamen mit Informationen über die Produkte.
Philips Lighting
Produktinformationen und Tipps zur Lichtinstallation auf der Website von Philips Lighting.
Osram
Website mit Produktinformationen und Tipps zum Thema Licht.


