Regenwassernutzung - Umwelt schonen und Geld sparen
Wasser wird weltweit immer knapper und teurer, trotzdem ist der Verbrauch in Deutschland noch immer verschwenderisch: Statistisch gesehen kommt eine Durchschnittsfamilie pro Jahr auf 190 Kubikmeter Wasserverbrauch. Das entspricht der Menge, die in ein 20 Meter langes und fünf Meter breites Schwimmbecken mit einer Wassertiefe von 1,90 Metern passt. Rund die Hälfte davon ließe sich einsparen, wenn man das Regenwasser nutzt, das umsonst und in großen Mengen vom Himmel fällt. Mit einer mittleren Niederschlagsmenge von rund 850 Litern pro Quadratmeter zählt Deutschland zu einem der regenreichsten Länder der Welt.
Regenwasser statt Trinkwasser: Sparpotenzial
Nur ein sehr geringer Teil unseres täglichen Verbrauchs an Leitungswasser wird zum Trinken verwendet - ganze drei Prozent. Insgesamt verteilt sich der Verbrauch wie folgt:
| Bereiche | Prozent | |
|---|---|---|
| Toilette | 33 % | |
| Waschmaschine | 13 % | |
| Putzen und Garten | 7 % | |
| Körperpflege | 38 % | |
| Spülen | 6 % | |
| Trinken/Kochen | 3 % |
Aus hygienischen Gründen gesetzlich vorgeschrieben ist die Verwendung von Trinkwasser dabei nur für die Bereiche Trinken und Kochen, Geschirrspülen sowie Duschen und sonstige Körperpflege. Für alle anderen Verwendungszwecke lässt sich kostbares Wasser aus der Leitung durch Regenwasser ersetzen, insgesamt 53 Prozent. Das Sparpotenzial ist bei der Toilette mit 33 Prozent am größten.
Anlagetechnik: Komponenten und Auslegung
Die Technik für Regenwassernutzung gilt in Deutschland mittlerweile als ausgereift. Mehr als 1,5 Millionen solcher Anlagen sind bereits installiert und jedes Jahr kommen rund 20.000 bis 30.000 dazu. Es gibt mehrere größere und ein gutes Dutzend kleine Hersteller, wobei immer öfter auch Komplettanlagen zur Selbstmontage über Baumärkte und das Internet angeboten werden. Alle Anlagen eignen sich auch für den nachträglichen Einbau.
Die wesentlichen Komponenten einer solchen Anlage sind:
- Erd- oder Kellertank (in der Regel aus hochwertigem Polyethylen),
- Filter und Zulaufberuhiger
- Verteileranlage mit Ansaugpumpe und Schaltautomatik
- KG-Rohre und Leitungen für Zu- und Abfluss vom Dach über den Tank ins Haus sowie ein Verteilungssystem im Haus
Die richtige Dimensionierung der Anlage hängt zum einen von den Verbrauchsgewohnheiten und zum anderen von der Häufigkeit und der Ergiebigkeit der zu erwartenden Niederschläge in der Region ab. Für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie kann man von folgenden Richtwerten ausgehen:
- Die für das Auffangen und Ableiten des Regenwassers nutzbare Dachfläche sollte bei hundert Quadratmetern liegen.
- Der Vorratstank zur Speicherung des Regenwassers sollte ein Fassungsvermögen von 4.000 bis 5.000 Litern haben.
Funktionsweise
Statt ins Siel wird das gesamte Regenwasser vom Dach über die Fallrohre und zu installierende Zuflussrohre (KG-Rohre) in den Vorratstank geleitet. Von dort führt eine Saugleitung in den Keller zur Verteilungszentrale mit Pumpe. Die Verteilung im Haus zu den Verbrauchsstellen erfolgt über ein zusätzliches Leitungsnetz. Bei Druckabfall, also WC-Spülung zum Beispiel, schaltet sich die Pumpe ein und das Regenwasser aus dem Tank wird abgesaugt.
Eine sogenannte Nachspeisevorrichtung sorgt dafür, dass auch bei leerem Tank (etwa nach langen Schönwetterperioden) immer genügend Wasser für Toilette oder Waschmaschine zur Verfügung steht. Sie schaltet sich ein, sobald in einem kleinen Pufferspeicher an der zentralen Verteilungsanlage der untere Wasserstand erreicht ist. Ein Magnetventil öffnet sich dann und lässt Wasser aus dem Trinkwasserleitungssystem nachströmen. Dabei ist gesichert, dass Regenwasser niemals mit Trinkwasser vermischt wird. Eine direkte Verbindung zwischen beiden Leitungssystemen ist aus Hygieneschutzgründen nicht erlaubt.
Ist die Verwendung von Regenwasser wirklich unbedenklich?
Regenwasser ist laut Trinkwasserverordnung (TVO) nicht für die Verwendung zum Trinken, Kochen und für hygienische Zwecke (also Duschen, Baden, Händewaschen) zugelassen. Die Nutzung für alle andern Zwecke, also auch zum Wäschewaschen, ist ausdrücklich der Entscheidung des Verbrauchers überlassen. Zwar ist Regenwasser, zumal als sogenanntes Dachablaufwasser, durch natürliche Einflüsse (Vogelkot, Pollen, Blätter, Staub, Ungeziefer) und Umwelteinflüsse (Luftverschmutzung) verunreinigt. Bei einer fachgerechten und gemäß Herstelleranleitung installierten Anlage wird jedoch trotzdem eine Wasserqualität erreicht, welche die europäischen Grenzwerte für Badegewässer ohne Probleme erfüllt. Dafür sorgen ausgereifte Filtertechniken, die - je nach Hersteller - im Fallrohr und/oder am Tankzufluss angebracht sind. Einige Hersteller bieten außerdem zusätzliche Spezialfilter an.
Kosten und Fördermöglichkeiten
Die Kosten einer Regenwassernutzungsanlage hängen von der Größe der Anlage und von den Komfortansprüchen bei der Bedienung ab (Handbedienung, Halb- oder Vollautomatik). Eine weitere Rolle spielt die Frage, ob die Anlage im Zuge eines Neubaus gleich mitinstalliert oder nachträglich eingebaut wird. Grob kalkuliert kann man bei einem Vier-Personen-Haushalt bei nachträglicher Installation von 4.000 bis 6.000 Euro ausgehen. Talentierte Handwerker können dabei rund 1.000 Euro durch Eigenleistung einsparen.
Die Frage, in wie vielen Jahren sich die Installation einer Anlage amortisiert hat, ist maßgeblich abhängig von der Höhe und der zukünftigen Entwicklung des jeweiligen Wasserpreises. Hier gibt es in den Bundesländer und Kommunen Unterschiede, die bis zu 100 Prozent betragen können.
Auch verschiedene Fördermöglichkeiten können finanziell zusätzlich Entlastung bringen. Dafür existiert bislang aber noch kein bundesweit einheitliches Programm. Landesweite Regelungen gibt es in Nordrhein-Westfalen (bis zu 1.500 Euro Zuschuss pro Anlage) und Bremen (bis zu einem Drittel der Baukosten, maximal 2. 000 Euro). Welche kommunalen Programme zur Verfügung stehen, erfährt man in den zuständigen Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Eine schnelle Auskunft bietet außerdem die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.
Regenwassernutzung - Umwelt schonen und Geld sparen
Mit einer Regenwassernutzungsanlage kann viel Geld gespart werden.
Länge: 06:02 Minuten
Karl-Heinz Böse:
"Regenwasser für Garten und Haus"
Grundlagen, Planung und Haus
"ökobuch"-Verlag
ISBN-13: 978-3936896428
12,95 Euro
Förderdatenbank
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie informiert über Förderprogramm und Finanhilfen des Bundes, der Länder und der EU.
Verbraucherlinks
Internet-Links rund um die Themen Verbraucher, Technik, Umwelt und Gesundheit. [mehr]
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag zum Zeitpunkt der Ausstrahlung wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.



