Mobile Klimageräte - Kühlen Kopf bewahren
Schwüle Nächte, drückende Hitze, kein Lüftchen regt sich. Ein Ventilator kann bei Hitzewellen zwar für eine frische Brise sorgen, senkt aber die Raumtemperatur nicht. Klimageräte versprechen da effizientere Abkühlung. So genannte Split-Geräte haben den Nachteil, dass ihre beiden Komponenten außen und innen fest installiert werden müssen. Das ist vielen Hitzköpfen für die paar schönen Tage im Sommer zu aufwändig. Ratgeber Technik hat sich deshalb drei mobile Klimageräte aus verschiedenen Preiskategorien näher angesehen. Wir wollten wissen: Kühlt ein Markengerät für über 1.000 Euro besser, sparsamer und leiser als ein günstiges aus dem Baumarkt?
Die Kandidaten für den "Coolness-Check"
Der Billigheimer: Für 200 Euro ein Modell von Einhell aus dem Baumarkt. Das Einhell MKA 2001E. Die Mittelklasse repräsentiert das Zibro P125, erhältlich im Elektrohandel für 397 Euro. Die Luxuskühler vertritt ein Klimagerät von DéLonghi, PAC W130A für 1099 Euro.
Alle drei sind mobile Monoblock-Klimageräte und vergleichsweise einfach zu installieren: Sie werden in den zu kühlenden Raum gestellt, an die Steckdose angeschlossen, der Abluftschlauch wird nach außen geführt und die Wunschtemperatur eingestellt. Nur noch "Start" drücken, und sie kühlen drauf los. So weit so gut, doch die beweglichen Kältespender bergen auch manche Tücke.
Kompakter Körper, dicker Rüssel
Alle drei Geräte kommen recht imposant daher, rollen auf kleinen Rädern und wiegen zwischen 30 und 40kg. Unscheinbar steht so ein Gerät nicht gerade im Raum. Einhell ist knappe 90 cm hoch, knapp 70 cm breit und 40 cm tief, das Zibro hat ähnliche Ausmaße, DéLonghi ist noch mal 6 cm "dicker". Voluminös auch die Abluftschläuche, in denen die entzogene Wärme nach außen geführt wird. Bis zu 1,5 m lang, Durchmesser knappe 10 cm!
Kontrollierter Klimasturz
Für Ratgeber Technik haben Ingenieure des Prüfinstituts Hansecontrol die drei Kontrahenten zunächst auf ihre Kühlleistung hin untersucht. Fragestellung: Wie weit können sie eine 39 m³ große Klimakammer in vorgegebener Zeit herunterkühlen? Dafür werden mehrere Temperaturfühler zur Aufzeichnung installiert. Nacheinander treten die Klimageräte bei einer Ausgangstemperatur von 30,5 Grad Celsius an.
Am Anfang geht es relativ schnell bergab. Und schon nach zwei Stunden sind die Unterschiede in der Kühlleistung deutlich: das Einhell schafft nur 25,9 Grad, das Zibro fast zwei Grad cooler: 24,0 Grad. Das DéLonghi sogar fast drei Grad besser: 23,1 Grad.
Nach 6 Stunden Messung der Endstand: das Einhell schafft nur wenig mehr als ein weiteres Grad Kühlung: 24,6 Grad. Das Zibro landet bei immerhin 21,6 Grad - das DéLonghi ist knapp vorn: 20,1 Grad. Doch der Kampf ums letzte Grad Abkühlung hat seinen Preis. Prüfingenieur Dr. Martin Büscher: "Man muss wissen, dass das letzte Kühlgrad was erreicht wird, die meiste Leistung erfordert. Insofern muss man sich überlegen ob man diese eine Grad am Ende wirklich braucht."
Nicht Kühlung, sondern "Entwärmung": Das "Luft-Luft-System"
Ein Klimagerät kühlt eigentlich nicht, es entzieht der Raumluft Wärme, führt diese ab und bläst die abgekühlte Luft in den Raum zurück. Gewissermaßen ein offener Kühlschrank mit Ventilator. Und so ähnlich funktioniert es auch: Das Klimagerät saugt die Raumluft an, überträgt einen Teil der Wärmeenergie aus der Luft auf ein Kältemittel, das im Innern des Gerätes zirkuliert. Die abgekühlte Raumluft wird durch einen Ventilator zurück in den Raum geblasen. Ein zweiter Raumluftstrom dagegen wird angesaugt und mit der aus Luftstrom eins entzogenen Wärme "beladen". Besser gesagt erhitzt: Auf 43 - 48 Grad, also deutlich heißer als die Ausgangstemperatur der Raumluft.
Heißer Schlauch am Fenster
Nun wird der dicke Schlauch also auch noch heiß und strahlt wie eine Heizung Wärme in den Raum zurück, die das Klimagerät gerade erst entzogen hat. Umso wichtiger ist es, dass wenigstens die heiße Abluft aus dem zu kühlenden Raum abgeführt wird - und nicht irgendwo wieder hineingelangt. Sonst ist außer Spesen nichts gewesen, das Gerät läuft energiefressend und wirkungslos "im Kreis".
Doch das ist gar nicht so einfach: zwar liefern die Hersteller Zubehör zur luftdichten Montage des Abluftschlauchs am Fenster mit. Doch dafür braucht es ein Rollo, in dessen Führung spezielle Schienen mit Bohrung für das Schlauchende montiert werden. Schiene mit Schlauch wird praktisch unter das Rollo geklemmt. Das Fenster kann also offen bleiben, ohne dass die Abluft sofort in den Raum zurück gelangt. Für Kipp- oder Flügeltürfenster werden lediglich Schlauchreduzierungen mitgeliefert, die in das Fenster geklemmt werden. Nachteil: es bleibt immer ein Spalt im Fenster offen. Ein Loch in der Außenmauer wäre wesentlich praktischer, in Mietwohnungen aber eher schwierig zu realisieren und zudem das Ende der Mobilität des Klimageräts. Mit der ist es aber ohnehin nicht weit her: keiner der Schläuche ist länger als 1,5 Meter - das bedeutet: das Gerät muss nah am Fenster stehen.
Strom sparen Wasserkühlung
Klimageräte sind grundsätzlich Stromfresser, doch auch bei denen gibt es Unterschiede: Das zeigten die Messungen des Stromverbrauchs: Bei Volllast, also höchster Kühlleistung, verbraucht das Einhell 1430 Watt. Das Zibro liegt deutlich darunter: Immer noch stolze 1089 Watt. Das Luxusgerät von DéLonghi zeigt sich energiehungriger als Zibro - 1235 Watt. Doch DéLonghi hat sich etwas ausgedacht, um den Energieverbrauch zu drosseln. Das Gerät hat zusätzlich eine unterstützende Wasserkühlung, als einziges auf dem Markt, behauptet die Firma. Regelmäßig muss kaltes Wasser in einen Extra-Tank gefüllt werden. Dieses unterstützt den Kühlprozess tatsächlich - das Gerät verbraucht im kombinierten Betrieb tatsächlich weniger Energie. Die Ingenieure von Hansecontrol haben nachgemessen: Die Leistungsaufnahme bei Volllast sank von 1235 auf 980 Watt.
Wasser ist Leben!
Einen Nachteil hat der zusätzliche Wassertank: die Tester finden nach ein paar Tagen Gebrauch schwarze Flecken am Einfüllschlauch. Grund: der Schlauch "badet" im eingefahrenen Zustand im Wassertank - hier droht Schimmelbildung.
Beim Einhell sammelte sich in einem Zwischenboden Kondenswasser. Eigentlich sollte das ablaufen, meint Martin Büscher. "Der normale Benutzer findet das Gerät geschlossen vor, er schraubt es nicht auf. Er kann also nicht sehen, ob sich an diesen Stellen wasser ansammelt. Und was er nicht sieht, kann er nicht beseitigen, insofern kann da auf die Dauer natürlich Schimmelpilzbildung vorkommen." Offenbar wegen suboptimaler Isolierung sammelten sich beim Zibro nach 24 Stunden Dauerbetrieb Kondenstropfen außen am Luftaustritt. Sie erreichen früher oder später den Fußboden - schlecht, wenn der aus Holz besteht.
Lärm in heißer Nacht
Schwüle Hitze macht erholsamen Schlaf unmöglich - Lärm aber auch. Die drei Geräte im Test - vor allem deren Ventilatoren - verursachen störende Betriebsgeräusche von 53,7 - 59,4 Dezibel. Kein Höllenkrach zwar, aber doch ein bisschen laut für den Dauereinsatz der Monoblöcke im Schlafzimmer. Bei der Lärmmessung war das Einhell zwar am lautesten, aber selbst das relativ leise DéLonghi ist kein guter Partner für Leute mit leichtem Schlaf.
Klimagerätevergleich
Prüfbericht vom Prüfinstitut Hansecontrol. [mehr]
Ergebnis einer Studie über die Wirksamkeit von Klimageräten
Herausgegeben von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz. [mehr]
Verbraucherlinks
Internet-Links rund um die Themen Verbraucher, Technik, Umwelt und Gesundheit. [mehr]
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag zum Zeitpunkt der Ausstrahlung wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Über die Wirksamkeit von mobilen Klimageräten.
Deutscher Wetterdienst
Empfehlungen zum richtigen Verhalten bei großer Hitze.
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