Stand: 19.10.15 15:30 Uhr

Programmauftrag der ARD

Was tut die ARD für das jüngere Publikum?

Um ein jüngeres Publikum anzusprechen, werden entsprechende Themen gewählt, die die Interessen Jüngerer widerspiegeln und sich in der Ansprache und Umsetzung an ihren Erwartungen orientieren. Im Fernsehen sind der Tatort, die Tagesschau und die Sportschau auch beim jungen Publikum sehr beliebt. Neben diesen Sendungen gibt es viele Veranstaltungen, die das junge Publi­kum zum Ersten bringen. Dies sind zum einen verschiedene Sportgroßereignisse (Fußball-Europameisterschaften und Fußball-Weltmeisterschaften, Fußball-Länderspiele, Olympische Spiele etc.) oder zum Beispiel der „Eurovision Song Contest“ und die Verleihung der nationalen „ECHO-Musikpreise“. Im Hörfunk gibt es sehr erfolgreiche Jugendradios.

Unter den TOP 10 der von den unter 30-järhigen meistgenutzen Hörfunkprogramme ist die ARD mit sechs jungen bzw. Popwellen vertreten.

Während es der ARDmit ihren zielgruppenspezifischen Hörfunkprogrammen im­mer noch gelingt, Hörerinnen und Hörer aller Altersgruppen anzusprechen, werden das Fernsehgemeinschaftsprogramm, die Dritten Programme und die Digitalsender vor­nehmlich von einem älteren Publikum eingeschaltet. Aber auch im Fernsehen er­reicht die ARD nach wie vor jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer:

Das Erste hat bei den unter 50-jährigen einen durchschnittlichen Marktanteil von knapp 7,5 Prozent (2014). Zu den beliebtesten Angeboten in dieser Altersgruppe gehören die Sportschau und der Tatort.

Jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer veranstalten „Tatort“-Abende, bei denen sie sich mit Freunden treffen, um gemeinsam den aktuellen Kriminalfilm der Woche anzusehen. In den vergangenen Jahren ist die Zahl jüngerer Zuschauer des „Tatort“ am Sonntag kontinuierlich angestiegen. Die steigenden Abrufzahlen des „Tatort“ in der Das Erste Mediathek zeigen, dass online-affine Zuschauerinnen und Zuschauer immer häufiger die Möglichkeit nutzen, den „Tatort“ zeitunabhängig anzusehen.

Aber auch die 20-Uhr-Tagesschau erreichte 2014 durchschnittlich 1,75 Millio­nen Zuschauerinnen und Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren und ist damit auch in dieser Altersgruppe die erfolgreichste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Im Content Center von „ARD aktuell“ begleiten die dort angesiedelten Social-Media-Redakteure inhaltlich den Auftritt der „Tagesschau“ bei Facebook und Twitter. Entsprechend steigen auch die Zugriffe auf der Website und über die „Tagesschau“-App kontinuierlich an.

Die Verjüngung des Publikums ist ein zentrales Anliegen, um die Zukunftsfähigkeit des Ersten zu sichern. Dabei ist auch hier auf ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Jung und Alt zu achten, das heißt auf Integration der Altersgruppen und nicht auf ein ziel- gruppenorientiertes Programm, das vor allem die 14- bis 49-Jährigen im Visier hat. Als nationales Vollprogramm ist das Erste ein Content-Anbieter, der sich in der Mitte der Gesellschaft anzusiedeln hat.

Dennoch wird schon jetzt vieles geleistet, was das Programm des Ersten auch für die Jungen attraktiv macht, damit das Akzeptanzkriterium auch in Zukunft erfüllt wird: Neben den „Tatort“-Episoden, die durch moderne Erzählformen und neue Teams immer jünger werden, ohne deshalb bei der älteren Zuschauerschaft zu verlieren, sind es zum Beispiel die Filme des „Sommerkinos im Ersten“, viele Stücke des „FilmMittwochs“, die Serie „Vorstadtweiber“ und die Folgen des Seriendauerbrenners „Lindenstraße“, die auch von Jüngeren verstärkt gesehen werden.

Schwieriger ist die Generationensynthese bei Informationsformaten, bei denen eine Verjüngungsstrategie nicht auf Kosten von Inhalt und Substanz gehen darf. Die „Markencheck“-Sendungen haben aber bewiesen, dass auch in der jüngeren Altersgruppe mit Information überdurchschnittliche Marktanteile (bis zu 12 Prozent) erreicht werden können. Entscheidend sind dafür Themenwahl, eine jugend-affinere Erzählweise, die dramaturgische und visuelle Ansprache sowie die Tonalität der Angebote.

ARD und ZDF wollen die jüngere Zielgruppe zudem mit einem gemeinsamen onlinebasierten jungen Angebot erreichen. Das Konzept für dieses neue öffentlich-rechtliche Angebot wurde von ARD und ZDF erarbeitet. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten haben im Herbst 2015 einer Beauftragung im Rahmen des 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrages zugestimmt. Die Unterzeichnung des Staatsvertrages durch die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder ist für den 3. Dezember 2015, das Inkrafttreten für den 1. Oktober 2016 vorgesehen. Erst dann kann das Junge Angebot von ARD und ZDF.

Was tut die ARD für das ältere Publikum, wenn immer mehr Inhalte und Zusatzangebote ins Internet verlagert werden?

Fernsehen und Hörfunk als klassische Medien bleiben uns nach allen derzeitigen Prognosen noch lange erhalten. Die Programmangebote werden darüber hinaus mobil und zeitversetzt auf den hinzu gekommenen Verbreitungswegen des Internets von der Zuschauer-  und Hörerschaft genutzt. Das Internet stellt eine Erweiterung der Medien in Form von Angeboten und Diensten dar, die zunehmend auch von älteren Menschen genutzt werden.

Auch wenn es neue Angebote im Internet gibt, bleiben die klassischen Angebote in Radio und Fernsehen erhalten. Durch das Internet hat sich das Programm des Ersten nicht verändert. Im Internet werden Angebote und Dienste bereitgehalten, die das lineare Fernsehen ergänzen bzw. abrufbar machen. Das Internet bietet mit der Mediathek zusätzlichen Service, indem Programme nach der Ausstrahlung on demand zugänglich sind. Vereinzelte Sendungen sind vor der Ausstrahlung bereits im Internet zu sehen, zum Beispiel „Das Wort zum Sonntag“.

Der öffentlich-rechtliche Programmauftrag sieht vor, Angebote für alle Zuschauerinnen und Zuschauer zu zeigen und so die Integration aller gesellschaftlichen Gruppen zu fördern. Das Erste will Zuschauerinnen und Zuschauer jeglicher Altersgruppen erreichen. Jedoch hat das Erste auch Beiträge für ausgewählte Interessensgruppen im Programm. Darunter sind selbstverständlich Themen, die sich mit den Problemen und Bedürfnissen älterer Menschen befassen.

Das Durchschnittsalter der Zuschauerinnen und Zuschauer des Ersten liegt bei etwa 61 Jahren. Es kommt selten vor, dass dem Ersten vorgeworfen wird, sein Programm richte sich vor allem an die jüngere Zuschauerschaft und vernachlässige das etwas ältere Publikum.

Durch Angebote im Internet stellt sich die ARD zudem dem veränderten Nutzungsverhalten auch älterer Menschen. Für die steigende Zahl der Internetnutzerinnen und -nutzer ist vor allem die Generation der „Silver Surfer“ (ab 50 Jahren) verantwortlich. Laut ARD/ZDF Onlinestudie 2014 sind inzwischen 82,1 Prozent der 50-59 Jährigen online und 45,4 Prozent der ab 60 Jährigen. Im Jahr 2013 machten nach einem Bericht der Mediaperspektiven zur ARD/ZDF-Onlinestudie in demselben Jahr die Menschen ab 70 Jahre den größten „Sprung“ vom Offliner zum Onliner: von 20,1 Prozent (2012) auf 30,4 Prozent (2013).

Was unternimmt die ARD, um beispielsweise auch hör- und sehgeschädigten Menschen den Zugang zu ihren Programmen zu ermöglichen?

95 Prozent des Ersten Programms ist mit Untertiteln für gehörlose und schwerhörige Menschen versehen, mehr als 41 Prozent des Hauptabendprogramms hat eine Hörfilmfassung für blinde und sehbehinderte Menschen.

Die ARD baut die Barrierefreiheit ihrer Angebote kontinuierlich aus. Seit Anfang 2013 untertiteln die neun Landesrundfunkanstalten alle Erstsendungen, die sie zum Ersten Programm beisteuern, sodass inzwischen 95 Prozent des Ersten mit Untertiteln versehen sind. 2012 waren es durchschnittlich 49 Prozent des Angebots.

Einhergehend mit dem Ausbau im Ersten wurde auch das Untertitelangebot in allen Dritten Programmen nachhaltig ausgeweitet.

Die ARD hat zudem ihr Hörfilmangebot stark ausgebaut. Alle Landesrundfunkanstalten steigerten die Zahl der neu produzierten und ausgestrahlten Hörfilme. Alle fiktionalen Formate im Hauptabendprogramm des Ersten sind inzwischen mit einer Filmbeschreibung für blinde Menschen abrufbar. Eine Audiodeskription gibt es außerdem für die meisten Tier- und Naturdokumentationen und für große Events im Ersten wie den  Eurovision Song Contest oder die ECHO-Verleihung. Über 41 Prozent des Hauptabendprogramms sind audiodeskribiert; das ist fast doppelt so viel wie 2012.

Die neun Landesrundfunkanstalten haben ihr Hörfilmangebot auch in den Dritten Programmen deutlich gesteigert. In den vergangenen zwei Jahren hat die ARD neben den fiktionalen Formaten auch Shows, Dokumentationen, Doku-Dramen, Reportagen und Live-Audiodeskriptionen neu in ihr Angebot aufgenommen. 

In der Mediathek von ARD/Das Erste stehen nach der Ausstrahlung im Fernsehen viele untertitelte und audiodeskribierte Sendungen zum zeitsouveränen Abruf bereit. Außerdem veröffentlicht die ARD in ihren Mediatheken Angebote in Gebärdensprache wie das entsprechende Phoenix-Angebot der Tagesschau oder alle Politmagazine.

Stimmt der Eindruck, dass die ARD wertvolle Informationsprogramme und Anspruchsvolles zunehmend in Spartenkanäle auslagert?

Nein, der Anteil an informativen und anspruchsvollen Sendungen im Ersten und in den Dritten liegt seit Jahren konstant zwischen 40 und 50 Prozent.

Das Erste als Hauptprogramm der ARD ist ein Fernsehvollprogramm, das heißt, es bietet ein Angebot für alle Schichten und Altersgruppen in der Bevölkerung an. Daraus erklärt sich der Mix an unterschiedlichen Sendungsformen und -inhalten, an unterhaltenden und informierenden Elementen. Der Informationsanteil im Ersten bewegt sich seit vielen Jahren konstant zwischen 40 und 50 Prozent. Nachrichten machen 9 Prozent aus, Magazine rund 24 Prozent, Reportagen/Dokus rund 10 Prozent. Der Direktor der Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Brautmeier, hat jüngst in einem Beitrag in epd vom 20. Juni 2014 die niedrigen Nachrichtenanteile bei den privaten TV-Anbietern bedauert und ausgeführt, dass bei RTL nur etwa 4,4 Prozent des Programms Nachrichtensendungen ausmachen und bei SAT 1 sogar nur 2,4 Prozent. Bei den anderen Programmangeboten der RTL-Gruppe und der Pro7-SAT1-Gruppen lägen sie sogar nur zwischen 0,9 und 1,3 Prozent.

Im Fiction-Bereich sind es die Fernsehfilme und Reihen, die mit 12 Prozent (2014) einen relevanten Anteil am Gesamtprogramm ausmachen und neben dem „Tatort“ immer wieder hervorragende Einzelstücke oder Mehrteiler hervorbringen.

Der Grimme-Preis, der prestigeträchtigste Fernsehpreis, der alljährlich an die besten Fernsehproduktionen vergeben wird, belegt Jahr für Jahr den hohen Qualitätsstandard der ARD. Im Jahr 2014 waren alle fünf ausgezeichneten Sendungen in der Kategorie Fiktion Produktionen einer  Landesrundfunkanstalten der ARD, teilweise in Kooperation mit ARTE und ORF. Auch drei von fünf Auszeichnungen in den Kategorien Information waren ARD-Produktionen. Zudem gewann eine ARD-Produktion den Publikumspreis der „Marler Gruppe“.

Wie kommt die ARD ihrem Kulturauftrag nach?

Die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Hörfunkprogramme kommen mit einem breiten Spektrum an kulturellen Inhalten unterschiedlichster Herkunft und Zielrichtung ihrem Programmauftrag im Bereich Kultur nach. Die ARD ist aber nicht nur „Medium“, sondern auch „Faktor“ des kulturellen Lebens in Deutschland. Die Landesrundfunkanstalten berichten nicht nur über die Kulturangebote anderer, sondern leisten mit ihren Filmen, (Musik-) Sendungen und Veranstaltungen selbst einen Beitrag zur Kultur.

Ergebnisse der Inhaltsanalysen des IFEM-Instituts aus dem Jahr 2014 (über alle nonfiktionalen Angebote der großen Sender) belegen, dass die Themenbereiche „Kultur/Wissenschaft/Natur“ 11 Prozent der abendlichen Sendezeit im Ersten einnehmen. Die entsprechenden Anteilswerte bei RTL und SAT.1 liegen bei 4 bzw. 3 Prozent.


Regelsendungen im Bereich „Kultur“ im Ersten sind „ttt – titel, thesen, temperamente“, „Druckfrisch“ und „Geschichte im Ersten“; in der tagesaktuellen Berichterstattung die Nachrichten der „Tagesschau“, „tagesthemen“, „Morgenmagazin“ und „Mittagsmagazin“.

Hinzu kommen die Regelsendungen in den Dritten Programmen, die sich monothe-matisch mit Kulturthemen beschäftigen: „Kulturjournal“ (NDR), „Capriccio“ (BR), „WestART“ (WDR), „Landesart“ (SWR), „Hauptsache Kultur“ (HR), „Stilbruch“ (rbb) und „artour“(MDR).

Des Weiteren sind in diesem Zusammenhang auch die Angebote der Kulturkanäle Arte und 3sat, die digitalen Kanäle Einsplus und Einsfestival und ARD-Alpha vom BR zu nennen. Diese decken – mit jeweils unterschiedlichen Anteilen und Schwerpunkten – alle einen signifikanten Anteil ihres Gesamtprogramms mit kulturellen Inhalten ab.

Einen Ein- bzw. Überblick über die Vielzahl der Kultursendungen im Fernsehen (ausgewiesen nach aktuellen Sendetagen) erhält man auf der Seite „Zeit für Kultur - Die Programmangebote der ARD“ unter:

http://programm.ard.de/Themenschwerpunkte/Musik-und-Kultur/Alle-Kultursendungen

Im Hörfunk bieten alle Landesrundfunkanstalten sendegebietsspezifisches kulturelles Programm an - von der klassischen Musik über die Kulturberichterstattung bis hin zu regionalen Kulturveranstaltungen und den großen Orchestern der Rundfunkanstalten. So gibt es allein neun Hörfunkwellen, die täglich je bis zu 18 Stunden (Kultur-) Programm machen: NDR Kultur, hr2-kultur, Nordwestradio, SR 2 KulturRadio, BR-Klassik, WDR3, MDR Figaro, SWR 2 und kulturradio rbb.

Aber auch außerhalb der Programme ist die ARD wichtiger Kulturförderer, Kulturvermittler bzw. eine wichtige Kulturinstitution (siehe dazu auch die Antworten auf die Fragen 80 und 81). Zu nennen sind hier insbesondere:

- die Klangkörper der jeweiligen Sender;

- viele Off-Air-Aktivitäten, z. B. „ttt empfiehlt“ (in Kooperation mit den Volkshochschu-len) und „Ein ARD-Konzert macht Schule“ – ein Musikvermittlungsprojekt der Orchester und Kulturradios der ARD in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat;

- vielfältige Kulturpartnerschaften.

Eine Studie im Auftrag des Deutschen Kulturrats hat am Beispiel des WDR den kulturellen Beitrag einer Landesrundfunkanstalt in seiner Gesamtheit und allen Facetten dargestellt. Hierbei wurde zum einen deutlich, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein zentraler Faktor der Kultur(wirtschaft) auf regionaler Ebene ist. Darüber hinaus konnte am Beispiel der Kulturanteile im Fernsehen (erneut) aufgezeigt werden, dass es keinen einheitlichen und allseits akzeptierten Kulturbegriff gibt, der als Maßstab gelten könnte. Je nachdem, ob ein weiter, mittlerer oder enger Kulturbegriff zur Anwendung kommt, kamen die Forscher beispielsweise beim Dritten Programm WDR Fernsehen auf einen Kulturanteil von 9 Prozent, 24 Prozent oder 40 Prozent.

Die Studie ist unter http://www.kulturrat.de/wdr.pdf abrufbar. Eine Zusammenfas-sung der Ergebnisse der Studie „Der WDR als Kulturakteur. Anspruch – Erwartung – Wirklichkeit“ erhält man unter http://www.kulturrat.de/dokumente/wdrstudie-zusammenfassung_dt.pdf .

Wieso unterhält die ARD dritte Programme?

Die ARD ist eine Gemeinschaft mit neun Landesrundfunkanstalten, die insgesamt sieben Dritte Fernsehprogramme und über 60 Hörfunkprogramme ausstrahlen. Sie sind auf regionale Interessen zugeschnitten und sichern somit die föderale Meinungskultur in Deutschland.

Die ARD ist kein einzelner Sender, sondern ein Verbund von neun unabhängigen Landesrundfunkanstalten mit insgesamt sieben so genannten „Dritten“  Fernsehprogrammen und jeweils eigenen regionalen Hörfunkwellen.

In der föderalen Bundesrepublik - mit der starken eigenen Identität der einzelnen Bundesländer - leistet die ARD mit ihren Dritten Programmen und den regional differenzierten Hörfunkprogrammen einen wichtigen Beitrag zum politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskurs in unserem Land.

Die Dritten Fernseh-Programme nehmen stets einen Spitzenplatz unter den deutschen Fernsehsendern ein. Auch die zweimal jährlich aktualisierten Media-Analysen-Umfragen bei den Radiosendern zeigen den enormen Zuspruch der Hörerinnen und Hörer für öffentlich-rechtliche Radioprogramme in und aus den Regionen.

Die Dritten Programme und die Hörfunkwellen der ARD sind im Schwerpunkt auf die besonderen Interessen der Nutzerinnen und Nutzer in den Regionen zugeschnitten. So spielen in vielen der Sendungen in Fernsehen und Hörfunk regionale Inhalte, Personen und Persönlichkeiten sowie interessante (politische) Themen oder Termine aus dem jeweiligen Landesteil eine Rolle.

Der regionale Akzent zeigt sich von den eigenen Abendnachrichten und Talkrunden der Dritten bis hin zu Magazinen, Dokumentationen und Reportagen. Selbst Unterhaltungssendungen mit Bezug zur Region und fiktionale Angebote wie Serien mit regionalem „Schlag“ und Dialekt werden von den Dritten Programmen produziert und ausgestrahlt.

Aber auch überregionale Inhalte, wie z. B. Spielfilme oder Krimis wie der Tatort, sind in den Dritten Programmen wichtig. Mit einem Programmaustausch kooperieren die ARD-Sender untereinander und sparen so Beiträge.

Warum unterhält die ARD 64 Radiokanäle?

Die Radiowellen werden von den Landesrundfunkanstalten ausgestrahlt, bieten in jedem Fall regionale Information und Service und treffen den unterschiedlichen Musikgeschmack des Publikums.

Die Radiosender werden nicht von „der ARD“ unterhalten, sondern von den neun Landesrundfunkanstalten. Denn Radio ist in Deutschland zum großen Teil ein regionales Medium. Jede Landesrundfunkanstalt verfügt über mehrere Radiowellen, die den jeweiligen Zielgruppen nach Alter und Themeninteresse (zum Beispiel Informationsprogramme, Kulturwellen, Popwellen) angepasst sind.

Wie kommt die ARD ihrem Informationsauftrag nach?

Der Informationsanteil im Ersten und den Dritten Programmen der ARD liegt stets bei mehr als 40 Prozent. Die Palette journalistischer Sendungen ist wesentlich größer als im Privatrundfunk. In der Zuschauergunst gilt das Erste als kompetentester Nachrichtenanbieter. Auch im Radio kommt die ARD ihrem Informationsauftrag nach.

Im Fernsehen nimmt Information einen besonderen Rang innerhalb des Gesamtangebots der ARD ein: Im Ersten liegt der Informationsanteil bei rund 45 Prozent. Die Kanäle Phoenix und tagesschau24 sind ausschließlich der Informationsvermittlung gewidmet. In den Dritten Programmen sowie in den gemeinsam mit Partnern betriebenen Spartenkanälen arte und 3sat sind Informationsprogramme mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Aktuelles, Kultur, Ratgeber usw.) zentrale Bestandteile des Angebots. Auch im Kinderkanal KiKA sind Informations- und Wissenssendungen feste Bestandteile des täglichen Programms.

Das Erste unterscheidet sich von den privaten Fernsehkanälen nicht nur durch einen erheblich größeren Anteil an Informationsangeboten im Programm, sondern auch durch eine deutlich größere Palette unterschiedlicher Sendungsformen. Besonders die klassischen journalistischen Formen wie Bericht, Dokumentation und Reportage, aber auch die politischen Magazine, die politischen Talk-Sendungen und die Ratgeber-sendungen zu verschiedenen Themenbereichen sind eine Domäne der ARD.

Für die Fernsehnachrichten belegt der regelmäßig erhobene „InfoMonitor“ das öffentlich-rechtliche Profil der Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“: Die „Tagesschau“ hat beständig den höchsten Anteil gesellschaftlich relevanter Themen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) aller Hauptnachrichtensen-dungen und unterscheidet sich damit deutlich vor allem von den Nachrichtensen-dungen der Privatsender. In der „Tagesschau“ entfallen mehr als zwei Drittel der täglichen Sendezeit (68 Prozent im Jahr 2014) auf Meldungen aus den Bereichen „Politik, Wirtschaft, Gesellschaft“, bei den Nachrichtensendungen der Privatprogramme (RTL Aktuell und Sat.1 Nachrichten) liegt der vergleichbare Wert bei 36 bzw. 44 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei Meldungen des Alltagsgeschehens (Human Interest, Alltag, Katastrophen, Kriminalität), die zu 28 bzw. 35 Prozent die Nachrichten der Privatsender bestimmen, in der „Tagesschau“ aber nur 9 Prozent der Sendezeit ausmachen.

Aus Sicht des Publikum ist das Erste der kompetenteste Nachrichtensender unter den großen Fernsehsendern: 75 Prozent der befragten Zuschauerinnen und Zuschauer mit Interesse an Nachrichten nannten das Erste als kompetentesten Anbieter von Nachrichten im deutschen Fernsehen (ZDF: 59 Prozent, RTL: 31 Prozent, Sat.1: 14 Prozent).

Auch im Radio kommt die ARD ihrem Informationsauftrag nach. Eine differenzierte und minutengenaue Messung u. a. der Informations-/Service-Anteile aller Radiosender wurde zuletzt 201$ vorgenommen und kann hier eingesehen werden:

http://www.ard.de/download/329320/ARD_Hoerfunkstatistik.pdf 

Ein Sender, der ausschließlich Nachrichten und andere kurze Informationssendungen bringt, ist 1991 mit B5 aktuell vom Bayerischen Rundfunk gestartet. 1992 folgte MDR INFO, 1995 das gemeinsame Inforadio von SFB und ORB, heute RBB. Seit 1998 ist auch NDR Info unter der Woche überwiegend ein Nachrichtenkanal. Der SWR startete 2002 SWR contra, das seit 2012 unter dem Namen SWRinfo und mit einem informationsorientierten Angebot und starkem regionalen Bezug zum Südwesten auf Sendung ist. hr-iNFO bringt seit Juli 2004 zwischen 6.00 und 24.00 Uhr alle 20 Minuten Nachrichten mit Schwerpunkt auf Wirtschafts- und Börsenberichterstattung. Ein deutsch-französisches Informationsradio bietet SR mit Antenne Saar seit 2005 in Kooperation mit Radio France Internationale (RFI), SWRinfo und dem ARD/ZDF-Ereigniskanal PHOENIX. Nachts strahlen die Infowellen die »ARD-Infonacht« aus.

Das gemeinsam von ARD und ZDF getragene Deutschlandradio strahlt seine beiden Kultur- und Informationsprogramme aus Köln und Berlin bundesweit aus, zusätzlich das ausschließlich digital verbreitete DRadio Wissen.

Vorwurf: Warum beschränkt sich die ARD nicht auf eine Grundversorgung mit Programmangeboten aus Information und Kultur?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Programm für die gesamte Bevölkerung.

Der Auftrag der ARD ist gesetzlich klar definiert und beschränkt sich nicht auf Politik- und Kulturberichte. Die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben demnach der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen und Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch die Sportberichterstattung ist von dem gesetzlichen Auftrag umfasst.

Der Begriff der „Grundversorgung“ wird in der moderneren Rechtsprechung kaum noch verwendet, denn er unterliegt einigen Missverständnissen. „Grundversorgung“ meint nämlich nicht, wie es der Wortsinn nahelegen könnte und von einigen immer wieder behauptet wird, eine bloße Mindestversorgung. Gewährleistet werden muss vielmehr ein an die Allgemeinheit gerichtetes, inhaltlich vielfältiges Programm sowie eine möglichst flächendeckende Übertragung. Dies hat das Bundesverfassungsgericht erst unlängst in seiner Entscheidung vom März 2014 über den ZDF-Staatsvertrag bekräftigt.

Die ARD bietet deshalb nicht nur Pro­gramminhalte an, die kommerzielle Sender nicht machen wollen oder können, weil sie durch Werbung oder im Pay-TV nicht refinanzierbar wären. Dies wäre Nischenfernsehen für Eliten und entspricht nicht dem breiten Versorgungs­auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. So ist der öffentlich-rechtliche Rund­funk in Amerika unter anderem deswegen marginalisiert, weil er ausschließlich für das interessierte Bildungsbürgertum sendet. Die Einschaltquoten für Public TV und Public Radio in den USA schwanken zwischen 2 und 3 Prozent.

Im Programmauftrag gleichberechtigt neben der Kultur stehen daher Informa­tion, Unterhaltung und der Sport. Mit dem Ersten erfüllt die ARD ihren Auftrag, ein integrationsförderndes Vollprogramm anzubieten und eine  freie, individuelle und öffentliche Meinungsbildung der gesamten Bevöl­kerung zu ermöglichen. Das kann nur funktionieren, wenn die Mischung des Pro­gramms unter Beibehaltung öffentlich-rechtlicher Qualitätsstandards eine breite Themenvielfalt und durchaus unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche be­dient.

Sind die Programme der ARD noch erfolgreich und akzeptiert?

Die Marktanteile der Programme der ARD sind seit Jahren stabil. Die regionalen dritten Fernsehprogramme erreichen insgesamt bundesweit sogar mehr Zuschauerinnen und Zuschauer als das Erste und das ZDF. Die Beliebtheit der Hörfunkprogramme ist ungebrochen und besonderer Akzeptanz erfreuen sich die Kultur- und Informationsprogramme der ARD.

Die Programme der ARD sind beliebt und werden von einem breiten Publikum geschätzt. Im Zehn-Jahres-Vergleich bleibt der Marktanteil der ARD-Senderfamilie insgesamt in hohem Maß stabil: Das Erste, die Dritten Programme sowie die Digitalsender und anteilig die Kooperationssender PHOENIX, arte, 3sat und KiKA gemeinsam lagen 2004 bei einem Marktanteil von 29,2 Prozent, 2014 waren es mit 27,8 Prozent kaum weniger. Und: Tagtäglich schalteten im Jahr 2014 mehr als 36 Millionen Bürgerinnen und Bürgern eines der Programme der ARD ein, das ist die Hälfte der in Fernsehhaushalten lebenden Personen und deutlich mehr als bei anderen Sendern oder Sendergruppen.

Der ARD-Hörfunk liegt vor den kommerziellen Radios in Deutschland. Täglich (Mo - Fr) schalten rund 37,49 Millionen Hörerinnen und Hörer einen öffentlich-rechtlichen Radiosender ein. Das entspricht 51,9 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab zehn Jahren. Die ARD-Sender verzeichnen einen deutlichen Vorsprung von 8,5 Prozentpunkten vor den kommerziellen Anbietern. Die kommerziellen Radioprogramme nutzen täglich 31,34 Millionen Menschen, das sind 43,4 Prozent. Diese Ergebnisse gehen aus der aktuellen Media-Analyse (MA 2015/II) hervor. Diese zweimal im Jahr veröffentlichte repräsentative Umfrage ist die Leitstudie für den deutschen Radiomarkt.

Die durchschnittliche Hördauer für das Radio insgesamt bleibt mit 190 Minuten weiter auf einem hohen Niveau. Täglich schalten fast vier von fünf Deutschen (77,4 Prozent) das Radio ein. Dabei zählen Berufstätige mit einer täglichen Hördauer von 224 Minuten und Menschen zwischen 30 und 59 Jahren mit täglich 221 Minuten zu den Bevölkerungsgruppen, die am häufigsten Radio hören.

Auch beim jungen Publikum ist die ARD erfolgreich. Unter den Top 10 der meistgenutzten Programme bei den unter 30-Jährigen ist die ARD erneut mit sechs Sendern vertreten. Täglich schalten 6,74 Millionen junge Menschen bis 30 Jahre ein Programm der ARD ein.

Die Informations- und Kultursender der ARD werden sehr gut genutzt. Täglich entscheiden sich 5,98 Millionen Menschen für mindestens eins der Informations- oder Kulturprogramme, das sind 8,3 Prozent. 24,8 Prozent oder 17,92 Millionen Menschen in Deutschland haben innerhalb von 14 Tagen ein solches Programm eingeschaltet (Weitester Hörerkreis).

Vorwurf: Verträgt sich der Anspruch der Qualität mit dem Anspruch nach guter Quote? Warum wird überhaupt nach der Quote geschaut, wenn es doch einen Programmauftrag gibt?

Es gehört zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks möglichst viele Menschen zu erreichen, insofern wird mit dem hohen qualitativen Anspruch der Programmgestaltung auch das Ziel der hohen Akzeptanz beim Publikum verbunden.

Qualität und Quote sind für die ARD keine Gegensätze. Und Qualität ist auch keine Frage des Geschmacks oder des Genres. Qualität in der ARD kommt überall zum Ausdruck, von der Qualität der Nachrichten angefangen, über fiktionale Pro­gramme bis hin zur Sportberichterstattung und guten Unterhaltungssendungen. Qualität spiegelt sich auch in der inhaltlichen Vielfalt und im Angebotspluralismus wider. Und es gehört zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, mit seinen Programmen möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Jede Beitragszahlerin und jeder Beitragszahler soll im Programm der ARD etwas finden, was ihm gefällt – ob Bundesliga oder Liveübertragung aus Bayreuth.

Die vornehmlich an der Hochkultur orientierte Medienkritik übersieht häufig den Unterschied zwischen Qualität und Anspruch. Was hier als Maßstab genommen wird, lässt sich meist nur in Spartenprogrammen erfüllen, nicht jedoch in einem Programm mit dem Auftrag zur Breitenwirkung wie beispielsweise das Erste. Doch letztlich entscheiden nicht das Feuilleton sondern die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst Tag für Tag, millionenfach und messbar darüber, ob sie unsere Programme sehen und hören möchten.

Dass sich Qualität und Quote verträgt, zeigt sich beispielhaft  an den Themenabenden im Ersten. Mit Filmen wie „Nackt unter Wölfen“ über die Befreiung des KZ Buchenwald oder „Bornholmer Straße“ über die Nacht des Mauerfalls am 9. November 1989 werden anspruchsvolle Produktionen gezeigt, die auf große Zuschauerresonanz treffen. Im Anschluss an die jeweiligen Filme werden die Themen für interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer in Gesprächsrunden und Dokumentationen vertieft.

Vorwurf: Wieso gibt es so viele Wiederholungen, vor allem im Sommer?

Auch Wiederholungen, zum Beispiel der Tatorte, stoßen auf hohes Zuschauerinteresse. Zudem kommen sie dem Wunsch der Zuschauerinnen und Zuschauer nach, Versäumtes doch noch sehen zu können und belegen zugleich den sparsamen Umgang mit Beiträgen.

Die Einschaltquoten zeigen, dass auch die Wiederholungen, beispielsweise von bereits gesendeten „Tatort“-Krimis, viele interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer haben. Darüber hinaus sind Wiederholungen ein Service für alle, die sich eine erneute Ausstrahlung ausdrücklich gewünscht oder die Erstausstrahlung versäumt haben. Gerade  aufwändige Produktionen oder teure Spielfilme zeigt das Erste mehrfach, um mit Rundfunkbeiträgen sparsam und verantwortungsvoll umzugehen.

Wie bei allen anderen Programmanbietern auch wird daher vor allem die zuschauerärmere Sommerzeit mit Wiederholungen bestückt. Hier bietet das Erste mit dem SommerKino viele Film-Highlights. Allein im Sommer 2015 zeigte das Erste 12 Highlights als Fernseh- oder Free-TV-Premieren, darunter den Film „Lincoln“ und „The King’s Speech“.

Bezogen auf das Abendprogramm zeigt sich aktuell das Erste im Vergleich der acht großen Fernsehprogrammanbieter als Sender mit dem höchsten Anteil an Erstausstrahlungen. Das Medienmagazin DWDL.de veröffentlicht auf seinem „Frische-Index“ regelmäßig den Anteil an Erstausstrahlungen oder Free-TV-Premieren im Abendprogramm zwischen 20:15 Uhr und 0.00 Uhr. Das Erste und ZDF belegen hier immer wieder deutlich die vorderen Plätze.

Die ARD hat zahlreiche Fernseh- und Radioprogramme, warum muss sie noch zusätzlich im Internet präsent sein?

Die ARD ist mit ihren Programmangeboten zur Erfüllung ihres Auftrags orts- und zeitunabhängig auch im Internet präsent. Sie reagiert damit auf technische Entwicklungen und ein verändertes Mediennutzungsverhalten der Menschen.

Zunächst einmal: Die ARD-Anstalten erfüllen mit ihren Telemedienangeboten ihren staatsvertraglichen Auftrag. Denn im Rundfunkänderungsstaatsvertrag ist festgehalten, dass das Angebot von Telemedien zum öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag gehört. Dass die ARD in der digitalen Medienwelt mit ihren Angeboten präsent sein muss, wurde auch vom Bundesverfassungs­gericht bestätigt. Das Gericht hat klargestellt, dass Rundfunk technologieneutral zu verstehen ist und damit unab­hängig ist von konkreten Ausspielwegen.

Neue Bedürfnisse einer modernen Mediengesellschaft: Heute werden Medien anders genutzt als früher. Die Konvergenz der digitalen Medienwelt löst die Grenzen zwischen klassischem Rundfunk über Radio und TV sowie dem Internet auf: Inhalte der ARD aus Radio und Fernsehen werden auch über mobile Geräte und über das Internet genutzt. Mit einem Smartphone lässt sich Radio hören, auf einem Tablet-PC kann man Fernsehen schauen. Mit ihren Telemedienangeboten wird die ARD also den Bedürfnissen einer modernen Mediengesellschaft und besonders auch den Gewohnheiten der jüngeren Nutzerinnen und Nutzern gerecht.

Viele rechtliche Beschränkungen für die ARD: Eine unbegrenzte Expansion ins Internet wäre der ARD – selbst wenn sie wollte – nicht möglich. Denn neben rein finanziellen Grenzen unterliegen auch die Internetangebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einer in Europa einzigartigen Regulierungsdichte. So darf der öffentlich-rechtlichen Rundfunk bestimmte Inhalte nur zeitlich begrenzt ins Internet stellen: Einige Programme dürfen nach der gesetzlichen Regelung auf Abruf nur bis zu sieben Tage nach deren Ausstrahlung im Internet vorgehalten werden. Sendungen von sportlichen Großereignissen und Fußball-Bundesligaberichte müssen bereits nach 24 Stunden aus dem Netz genommen werden.

Inhaltliche Beschränkungen: Auch inhaltlich unterliegt die ARD erheblichen Beschränkungen: so ist ihr eine flächendeckende lokale Berichterstattung in Telemedien ebenso untersagt wie das Bereithalten nichtsendungsbezogener presseähnlicher Angebote. Zudem dürfen erworbene TV-Spielfilme und Serien von der ARD nicht online gestellt werden. Schließlich gibt es noch eine so genannte Negativliste mit rund 20 ausdrücklichen Verboten für öffentlich-rechtliche Internet-Angebote.

Finanzielle Grenzen: Die ARD unterliegt mit ihren Angeboten im Internet auch strengen finanziellen Grenzen. Sie finanziert ihre Online-Angebote ausschließlich aus den vorhandenen Beitragsgeldern durch Umschichtungen im Etat. Ferner sind die Online-Budgets durch den von den Aufsichtsgremien im Rahmen der Dreistufentests genehmigten Fi­nanzrahmen begrenzt.

Dreistufentest und Rechtsaufsicht: Der gesamte Bestand der Internetangebote der ARD wurde in den vergangenen Jahren von den Aufsichtsgremien der Landesrundfunkanstalten im Rahmen umfangreicher Dreistufentests geprüft und durch die Rechtsaufsicht bestätigt.

Neue und veränderte Online-Angebote dürfen von der ARD in Zukunft erst nach erfolgreicher Durchführung eines Dreistufentests angeboten werden.

Im Ergeb­nis wurden und werden damit sämtliche Online-Angebote der ARD auf ihre ge­sellschaftliche Legitimation überprüft. Auch die Rechtsaufsicht der Länder kon­trolliert seit jeher die öffentlich-rechtlichen Angebote auf ihre Rechtskonformität.

Warum stehen Sendungen nur begrenzte Zeit in der ARD Mediathek?

Maßgeblich sind dafür vor allem zwei Gründe: die Verfügbarkeit der notwendigen Rechte und die Vorgaben des Gesetzgebers im Rundfunkstaatsvertrag. In §11d des Rundfunksstaatsvertrages ist festgeschrieben, dass angekaufte Spielfilme und Fernsehserien, die keine Auftragsproduktionen sind, nicht in den Mediatheken der ARD angeboten werden dürfen. Deshalb gibt es zum Beispiel keinen James-Bond-Film auf Abruf oder keine Krimiserie aus Dänemark, obwohl diese im Ersten oder den dritten Programmen ausgestrahlt wurden.

Beschränkungen für angekaufte Sendungen und Sport: Sendungen auf Abruf bestimmter Sportgroßereignisse wie Olympische Spiele oder Fußballweltmeister-schaften dürfen maximal nur 24 Stunden angeboten werden. Andere Inhalte sind in der ARD Mediathek nicht abrufbar, weil die notwendigen Rechte nicht zur Verfügung stehen. Das gilt zum Beispiel für Spiele der Fußballbundesliga, da diese Abrufrechte an andere Sender oder Verlage verkauft wurden.

Gesetzgeber schreibt maximale Verweildauer vor: Grundsätzlich gilt, dass die ARD vom Gesetzgeber verpflichtet wurde, für alle Inhalte so genannte maximale Verweildauerfristen festzuschreiben. Daher gibt es in der Regel zum Beispiel keine Dokumentation länger als ein Jahr. Manchmal werden nicht alle Persönlichkeitsrechte von den Protagonisten eingeräumt oder es fehlen Abrufrechte zum Beispiel für genutztes Archivmaterial und Musik. Obwohl die Rechtesituation also sehr komplex ist, bemühen sich die Fernsehredaktionen in der ARD innerhalb der wirtschaftlichen Möglichkeiten so viele Inhalte wie möglich während der genehmigten Verweildauern den Nutzern auf Abruf anzubieten. Die Zahl der verfügbaren Inhalte aus den linearen Fernsehprogrammen konnten so in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Hier finden Sie mehr Informationen zu dengenehmigten Verweildauern von Inhalten in der ARD Mediathek.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste 19.10.2015 | 21:00 Uhr