Stand: 19.10.15 15:30 Uhr

Fragen rund ums Programm

Vorwurf: Warum gehört Sport zum Programmauftrag und wieso gibt die ARD Beitragsgelder für Sportberichterstattung aus?

Sport ist vielfältig, emotional, verbindet und bietet Identifikation sowie Vorbilder. Für Sport interessieren sich Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Kurzum: Sportveranstaltungen und die Berichterstattung über Sportereignisse haben einen hohen integrativen Faktor. Auch deshalb gehört es seit Jahren zum Kern der ARD Sportberichterstattung, dass regelmäßig über nationale und internationale paralympische Wettbewerbe aktuell und hintergründig berichtet wird.

Die Endrunden der Fußball-Weltmeisterschaften sind „Straßenfeger“, bei denen jeder dritte Bürger den Fernseher einschaltet. Das Finale der Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 erreichte Rekordquoten. Der Final-„Krimi“ live im Ersten erzielte die höchste, jemals in Deutschland gemessene TV-Einschaltquote: 34,65 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer - das entspricht einem Marktanteil von 86,3 Prozent - verfolgten das dramatische Endspiel der FIFA WM 2014, in dem die deutsche Nationalmannschaft den Titel erringen konnte. In der Spitze waren es sogar 36,41 Millionen (Marktanteil 94,6 Prozent). Die Deutschen im Alter zwischen 14 und 49 Jahren waren am WM-Finale besonders interessiert: In dieser Altersgruppe schalteten 15 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer – Marktanteil 90,1 Prozent – ein.

Die Schlusskonferenz der Fußball-Bundesliga in den ARD-Radios hören jeden Samstagnachmittag rund 8 Millionen Menschen. Sportberichterstattung gehört zum Informationsauftrag der ARD, gleichzeitig hat sich die ARD verpflichtet, die Sportberichterstattung auf nicht mehr als 10 Prozent in den Hauptprogrammen zu beschränken und keinen gesonderten Sportkanal zu betreiben.

Dass sich für Sportgroßereignisse,  wie die Olympischen Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften ebenso wie für die Fußball-Bundesliga viele Zuschauerinnen und Zuschauer interessieren, wirkt sich im Wettbewerb der öffentlich-rechtlichen Sender mit den privaten Fernseh- und Internetanbietern preiserhöhend aus.

Aufgrund wirtschaftlich maßvoller Abschlüsse ist für den einzelnen Beitragszahler bzw. die Beitragszahlerin der Preis jedoch überschaubar. Umgerechnet zahlt jeder Haushalt für die gesamte Sportberichterstattung im Ersten 69 Cent von 17,50 Euro im Monat. Weitere Informationen zum Sportangebot und zu den Ausgaben für Sportrechte veröffentlicht die ARD auch auf ihrer Webseite "Sport in der ARD".

Warum überträgt RTL die Qualifikationsspiele der Fußball-Nationalmannschaft für die EM und WM?

Die Rechte an Sportgroßereignissen werden über die jeweiligen Verbände (FIFA, IOC, UEFA ...) vergeben. Die Qualifikationsspiele der EM und WM 2016 und 2018 werden getrennt vom eigentlichen Turnier vergeben. Wie auch ARD und ZDF hat RTL bei der Rechtevergabe mitgeboten und am Ende den Zuschlag bekommen. ARD und ZDF hätten die Rechte gern erneut erworben, hatten aber klare finanzielle Obergrenzen. Das zeigt, dass ARD und ZDF bei Sportveranstaltungen nicht bereit sind, unbegrenzt mitzubieten.  

Warum übertragen ARD und ZDF nicht die Olympischen Spiele 2018 – 2024?

ARD und ZDF haben ein marktkonformes Angebot abgegeben – mit einer klaren finanziellen Obergrenze. Das IOC hat die Übertragungsrechte erstmals nicht an ARD und ZDF, sondern an Discovery/Eurosport vergeben. Ob die öffentlich-rechtlichen Sender Sublizenzen erwerben werden, ist derzeit noch unklar. Gespräche dazu mit Discovery stehen an.

Warum gibt es beim Tatort so viele Ermittlerteams?

Die verschiedenen Ermittlerteams im Tatort und Polizeiruf 110 sind ausdrücklich gewollt, weil sie die föderale Struktur der ARD wiederspiegeln. Die unterschiedlichen Ermittlerteams  tragen dazu auf unterhaltsame und sehr erfolgreiche Weise bei. So kommen verschiedene Regionen in den Krimis vor, was die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Regel sehr schätzen. Der Tatort ist die älteste und beliebteste Krimireihe im deutschen Fernsehen. Jeden Sonntag schalten im Schnitt knapp neun Millionen Menschen den Tatort oder den Polizeiruf 110 ein, besonders beliebte Tatorte haben Spitzenwerte von rund 13 Mio Zuschauern.

Warum werden viele Krimis gesendet?

Der Krimi-Anteil am Gesamtprogramm des Ersten lag 2014 bei 10,6 Prozent. Am Film- und Serienangebot des Ersten machten Krimis ein Viertel aus. Dieses Genre zählt zu den beim Publikum beliebtesten Sendungen im Fernsehen. Genau wie die Bestseller-Listen zeigen, dass beim lesenden Publikum Kriminalromane sehr beliebt sind. Der Eindruck eines Überangebots kommt möglicherweise auch daher, dass andere Sender deutlich mehr Krimis anbieten als Das Erste.

Warum gibt es Gewaltdarstellungen im ARD-Fernsehen?

ARD unterscheidet sich deutlich von den kommerziellen Fernsehanbietern; der Anteil der Gewaltdarstellungen in Sendungen des Ersten ist sehr viel geringer. Die Wiedergabe realer Gewalt und die Darstellung fiktiver Gewalt könnten das Wohl der Zuschauer beeinträchtigen. Andererseits wird Das Erste auf Genres wie Krimi-, Grusel- oder Actionfilme nicht verzichten. Deshalb werden Gewaltdarstellungen eingeschränkt, es gelten die „ARD-Grundsätzen gegen Verharmlosung und Verherrlichung von Gewalt im Fernsehen“.

Die Gästeauswahl in Talksendungen scheint immer gleich.

Das politische Führungspersonal, das gerne in Talkshows geht und rhetorisch dafür geeignet ist, ist begrenzt und besonders die kleineren Parteien haben nur eine Handvoll Frontmänner und -frauen. Das ist die Ausgangslage. Hinzu kommen Absagen sowohl von Frauen als auch von Männern und dann kann schon einmal der Eindruck entstehen, dass immer dieselben Politikerinnen und Politiker, bzw. Fachleute in den Sendungen zu sehen sind.  Um das zu vermeiden, tauschen die Redaktionen ihre Planungen mit anderen ARD-Talkshows aus und verhindern so Gästedopplungen in kurzen Zeiträumen. Das gelingt in der Regel sehr gut. Das Ziel ist, bei der Gästeauswahl auch mal zu überraschen und für die jeweilige Diskussionsposition den am besten geeigneten Gast zu finden, um eine spannende und kontroverse Debatte zu senden.

Warum kommen oft mehrere Journalisten- /Kamera-Teams der ARD zu Ereignissen?

Mehrere Teams der ARD oder auch eines Senders werden bei demselben Ereignis  eingesetzt, wenn diese Teams differenziert für Hörfunk oder Fernsehen oder auch für verschiedene Sendungen arbeiten. Aus Zeitgründen kann das Material so schneller für die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten bereitgestellt werden kann. Dennoch ist der O-Ton Austausch zwischen Hörfunk, Fernsehen und Online durch Vernetzte Produktion in den Sendern viel unkomplizierter möglich, so dass die einzelnen Sender im Vergleich zu früher effizienter arbeiten können.

Warum sind im Radio wenig Schlager zu hören?

Für das Musikprogramm der ARD-Hörfunkwellen befragen wir regelmäßig unsere Hörerinnen und Hörer. In Bezug auf Schlager wird es beispielweise durch aktuelle Meinungsumfragen beim Publikum - vor allem in der Generation 50plus - getestet. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass die Mehrheit der Hörerinnen und Hörer deutsche und internationale Popmusik aus den letzten 50 Jahren bevorzugt. Die Testergebnisse für deutschsprachige Schlager sind dagegen ernüchternd, eine große Zahl von Hörern würde ein Programm, das Schlager spielt, sogar abschalten.

Warum gibt es Wiederholungen?

Bei einer höchst erfolgreichen Sendung, wie z. B. einem „Tatort“, schalten ca. zehn Millionen Menschen ein. D. h.: 70 Millionen haben den „Tatort“ nicht gesehen. Deshalb ist es auch aus wirtschaftlichen Gründen zweckmäßig, solche Programme zu wiederholen. Das belegt der Publikumserfolg von Wiederholungen. Hinzu kommt: In der Zeit der höchsten Fernsehnutzung gibt es deutlich weniger Wiederholungen als vormittags, nachmittags oder im Nachtprogramm, wenn weniger ferngesehen wird.

Warum sind bei einigen Fernsehsendungen die Hintergrundgeräusche und die Musik so laut?

Selbstverständlich soll die Musik unsere Zuschauer nicht daran hindern, die Dialoge in einer Sendung zu verstehen. Dennoch ist die musikalische Untermalung ein wichtiges dramaturgisches Mittel, das seit den Anfängen der Filmindustrie eingesetzt wird. Die ARD arbeitet jedoch daran, die Lautstärke der Sendungen des Ersten zu harmonisieren und die Lautheitsunterschiede im Programmablauf sowie zwischen den einzelnen Sendungen zu verringern. Und zwar mit Hilfe einer neuen Generation von Mess- und Aussteuerungsgeräten. Je nach akustischen Bedingungen des Raums, der Tonqualität des Fernsehers und der persönlichen Höreigenschaften ist die Wahrnehmung bei den Zuschauern allerdings verschieden. Die Tonqualität weiter zu verbessern, bleibt unser Ziel.

Warum gibt es immer mehr Programm für Jüngere auf Kosten beliebter Sendungen des älteren Publikums (zuletzt der „Stadl“)?

Die beliebtesten Sendungen im Ersten, wie die „Tagesschau“, der „Tatort“ und die „Sportschau“, gibt es seit mehreren Jahrzehnten und sie sind auch deshalb erfolgreich, weil sie kontinuierlich modernisiert wurden. So ist es zum Beispiel auch bei den „Festen“ mit Florian Silbereisen, der nicht nur das ältere Publikum begeistert, sondern auch überdurchschnittlich viele jüngere Zuschauer erreicht. Bei der neuen „Stadlshow“ war offensichtlich die Veränderung zu radikal, das versucht die Redaktion nun nachzubessern.

Gibt es zu wenig Programm zum Ausspannen?

Es gibt auch die umgekehrte Kritik, wonach die ARD-Programme zu wenig harte Information bieten. Insgesamt sind wir der Ansicht, dass die Mischung stimmt. Programme wie „Rote Rosen“, „Sturm der Liebe“, „Um Himmels willen“ und den Fernsehfilm am Freitag sind Programme zum Ausspannen.

Hier noch eine gute Nachricht für diejenigen, die gerne mehr Programme zum Ausspannen hätten: Ab kommendem Jahr wird Das Erste montags um 20:15 Uhr wieder Natur-Dokumentationen zeigen. Im Übrigen laufen derzeit in den Dritten Programmen viele Natur- und Landschafts-Dokumentationen, wie z. B. „Expedition ins Tierreich“ oder Mare TV im NDR-Fernsehen.

Gibt es genug Abwechslung bei Shows im Ersten?

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und daher bieten wir eine große Palette an verschiedenen Shows: Die Bandbreite reicht von den „Festen“ über „Klein gegen Groß“, dem „Eurovision Song Contest“ bis zu den gerade sehr erfolgreichen Quizsendungen im Vorabendprogramm. Der Zuschauerzuspruch bestätigt uns, dass wir mit der Mischung grundsätzlich richtig liegen. Eins stimmt aber: Den höchsten Anteil im Ersten haben Informationsprogramme und das wird auch so bleiben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste 19.10.2015 | 21:00 Uhr