Aufgabe und Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks/der ARD

Warum gibt es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und welche Bedeutung hat er heute?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den verfassungsrechtlich vorgegebenen Auftrag, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und so zu einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen.

Entstanden ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als Gegenentwurf zu dem zentralistisch organisierten Staatsfunk der NS-Diktatur. Er gehört heute alleine der Allgemeinheit, die ihn wiederum beaufsichtigt – durch Aufsichtsgremien, in die Vertretungen aller gesellschaftlichen Gruppen entsandt werden. Staatsferne, föderale Struktur und die Programmgestaltung durch und für eine pluralistische Gesellschaft kennzeichnen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Programmangebote sind frei zugänglich und unverschlüsselt und stehen damit allen zur Verfügung.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bietet mit seinen Programmen in Hörfunk, Fernsehen und im Internet jeder Bürgerin und jedem Bürgerin die Möglichkeit einer Teilhabe an der freien demokratischen Meinungsbildung und trägt mit seinen Angeboten zur publizistischen Meinungsvielfalt in Deutschland bei. Er ist weder privatwirtschaftlichen noch staatlichen Interessen verpflichtet, sondern ausschließlich dem Gemeinwohl. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist damit wirtschaftlich und politisch unabhängig. Diese Unabhängigkeit gilt es gegen Einflussnahmeversuche zu bewahren.

Die Gesamtheit der vielfältigen, regional und national ausgerichteten Programman-gebote der ARD steht für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen bereit. Die ARD strebt an, die Vielfalt gesellschaftlichen Lebens widerzuspiegeln und den Zusammenhalt des Gemeinwesens wie auch die Integration in Deutschland und Europa zu fördern.

Abgesichert wird die unabhängige Berichterstattung durch das Prinzip der solidarischen Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dieses Prinzip garantiert allen Bürgern, unter Berücksichtigung ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit, den freien und unverschlüsselten Zugang zu den Programmangeboten von ARD, ZDF und Deutschlandradio.

Was ist der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Was bedeutet in diesem Zusammenhang „Grundversorgung“?

Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ergibt sich aus dem Grundgesetz, er ist darüber hinaus unter anderem  im Rundfunkstaatsvertrag gesetzlich festgeschrieben. Danach soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen Programmangeboten „zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung einen Beitrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt und somit zur öffentlichen Meinungsbildung“ leisten. Grundversorgung meint, dass ein flächendeckender Empfang von Rundfunk für die Allgemeinheit genauso gewährleistet sein muss wie ein vielfältiges Programmangebot.

Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks leitet sich aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes ab und ist in Rundfunkgesetzen und dem Rundfunkstaatsvertrag ausgestaltet. Der Rundfunk soll die freie Meinungsbildung und kulturelle Vielfalt gewährleisten. Durch seine Programme wirkt er zum einen als technisches „Medium“. Durch die Auswahl von Programmen und Themen wirkt er aber auch als „Faktor“, weil diese Themen wiederum die Gesellschaft mit ihren sozialen und kulturellen Bedürfnissen beeinflussen.

Entsprechend diesem Auftrag haben die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Eine Beschränkung oder Reduzierung dieses Programmauftrags oder eine Fokussierung nur auf Bildung und Information ist verfassungsrechtlich unzulässig. Auch wenn das Bundesverfassungsgericht bei der Beschreibung, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk seiner Funktion gerecht werden kann, in der früheren Rechtsprechung den Begriff der „Grundversorgung“ verwendet hat, so unterliegt dieser Begriff einigen Missverständnissen und wird in der moderneren Rechtsprechung kaum mehr genutzt. „Grundversorgung“ meint nämlich nicht, wie es der Wortsinn nahelegen könnte und von einigen daher behauptet wird, eine bloße Mindestversorgung. Vielmehr umschreibt der Begriff nach dem Verständnis des Bundesverfassungsgerichts die technische und inhaltliche Sicherung einer umfassenden Berichterstattung. Gewährleistet werden müssen daher ein an die Allgemeinheit gerichtetes, inhaltlich vielfältiges Programm sowie eine möglichst flächendeckende Übertragung. Nur so kann der Rundfunk seiner grundlegenden Funktion – Meinungspluralität zu schaffen – nachkommen. Dies hat das Bundesverfassungsgericht erst unlängst in seiner Entscheidung vom 25. März 2014 über den ZDF-Staatsvertrag bekräftigt.

Dass auch Spielfilme, Serien und Unterhaltungssendungen zum Programm von ARD und ZDF gehören, wird weniger von den Zuschauerinnen und Zuschauern als von den kommerziellen Hörfunk- und Fernsehveranstaltern kritisiert. Allerdings kommt nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts auch diesen Programmfarben eine wichtige Funktion zu, weil politische oder gesellschaftliche Fragen durch Spielfilme häufig eindrücklicher dargestellt werden können, als durch eine reine Nachrichtensendung. Unterhaltungsshows, Filme, Serien und Talksendungen sowie unterhaltende Sendungen im Radio sprechen die Zuschauer- und Zuhörerschaft direkt an und vermitteln auf diese Weise gesellschaftlich wichtige Themen.

Bei geeigneten Themen wird im Anschluss an einen Spielfilm das Geschehen im Rahmen einer politischen Talksendung weiter vertieft. So wurde im Rahmen eines Themenabends zur Waffenindustrie im September 2015 zunächst der Spielfilm „Meister des Todes“ gezeigt und unmittelbar im Anschluss die halbstündige Dokumentation „Tödliche Exporte“. Autor Daniel Harrich berichtet darin, wie schwäbische Ingenieure, Juristen und Manager einen Export von Gewehren nach Mexiko einfädelten, wo sie nun im Drogenkrieg eingesetzt werden. Auf den Film „Das Ende der Geduld“, basierend auf Arbeit und Leben der Jugendrichterin Kirsten Heisig, folgte im Anschluss eine Diskussionsrunde bei Anne Will, bei der ebenfalls das Thema Jugendgewalt behandelt wurde. Auf diesem Weg verbindet die ARD die sachliche Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen wichtigen Themen auch mit emotional berührenden Spielfilmen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist außerdem zur Ausgewogenheit verpflichtet. Dazu gehören das Gebot einer fairen und unabhängigen Berichterstattung und die Verpflichtung zur Überparteilichkeit. Die Abbildung verschiedener Meinungen im Programm soll insgesamt ausgewogen sein. Diese Vorgaben gelten in besonderem Maße für Nachrichten oder politische Sendungen.

Zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört es auch, einen Überblick über das internationale, nationale und regionale Geschehen zu geben, und damit die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland zu fördern. Es gilt, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, deshalb umfasst der Auftrag die Verbreitung der Sendungen und Informationen auch über das Internet zur mobilen und zeitunabhängigen Nutzung.

In einer dynamischen Medienlandschaft und der damit einhergehenden sich ständig verändernden Mediennutzung darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk darüber hinaus nicht auf der Stelle treten. Um seinen Auftrag zu erfüllen und alle Menschen in Deutschland zu erreichen, billigt die Verfassung dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Bestands- und Entwicklungsgarantie zu, so dass die Inhalte auch in Zukunft gesehen werden können – sei es über die digitalen Frequenzen im Radio oder das mobile Internet mit zum Beispiel der Tagesschau-App.

Dieser Grundgedanke der „technischen Grundversorgung“ setzt einen möglichst flächendeckenden Empfang mit möglichst geringen Zutrittsbarrieren für die Nutzerinnen und Nutzer voraus. Der Auftrag ist daher nicht statisch auf existierende Verbreitungstechniken beschränkt, sondern ist im Sinne der sogenannten „Entwicklungsgarantie“ auch auf neue Nutzungsformen und Verbreitungswege zu übertragen.

Warum braucht man die ARD überhaupt noch in der digitalen Welt?

Gerade in der digitalen Welt, in der die Auswahl an Programmen schier unendlich ist, ist öffentlich-rechtlicher Qualitätsjournalismus zur Orientierung und Information mehr denn je gefragt. In einer von Medienkonzentration, der Ökonomisierung und der Verschlüsselung von Inhalten geprägten Medienlandschaft trägt die ARD dazu bei, allen Bürgerinnen und Bürgern vielfältige, qualitativ hochwertige und vor allem journalistisch geprägte Angebote frei zugänglich anzubieten. Die ARD liefert damit einen essenziellen Beitrag zum politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskurs.

Die ARD stärkt zudem die kulturelle Identität aller Bürgerinnen und Bürger im Land, weil sie in ihren Programmen Deutschland in seiner ganzen Vielfalt abbildet. Während die Globalisierung auch in den Medien zu immer mehr Vereinheitlichung und Verwechselbarkeit der Angebote führt, geht die ARD damit den entgegen gesetzten Weg.

Gibt es nicht im Internet inzwischen so viele Informationen, dass man eine öffentlich-rechtliche Tagesschau gar nicht mehr braucht?

Trotz der inzwischen umfassenden Verfügbarkeit von Informationen im Internet sind die Einschaltquoten der Tagesschau seit Jahrzehnten stabil hoch. Dies spricht für das ungebrochen große Vertrauen, das die Menschen diesem Informationsangebot entgegenbringen. Auch im Internet mit seiner unüberschaubaren Zahl von Informationsangeboten, bietet der öffentlich-rechtliche Nachrichtenjournalismus der ARD verlässlich einen hohen Qualitätsstandard.

Die Menschen vertrauen der Tagesschau. Im Internet mit seiner unüberschaubaren Informationsflut trägt der öffentlich-rechtliche Qualitätsjournalismus wesentlich zur Möglichkeit der freien Meinungsbildung bei.

Zwar bietet das Internet eine schier endlose Menge von Informationen. In vielen Fällen jedoch handelt es sich bei verschiedenen Angeboten nur um die gleichen Inhalte in anderer Verpackung.

Die Menge an Informationen im Internet sagt nämlich noch nichts über deren Qualität aus. Während die Internetnutzung rasant ansteigt, „breaking–news“ überall und zeitlich unbegrenzt verfügbar sind, gibt es Bedarf für verlässliche, seriöse Nachrichten, die unabhängig von politischen und kommerziellen Interessen die Informationen einordnen und bewerten helfen.

So sehen es jedenfalls die Zuschauerinnen und Zuschauer. Das Zuschauerinteresse an der Tagesschau ist in den vergangenen 20 Jahren stabil geblieben: 1995 war die 20-Uhr-Ausgabe im Jahresschnitt auf täglich 8,36 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer gekommen, im Jahr 2014 sahen im Schnitt täglich 8,96 Millionen Menschen die Tagesschau im Ersten und in den Dritten Programmen.

Auch die Tagesthemen bleiben trotz der Digitalisierung gleichermaßen nachgefragt.  1995 wurde das Nachrichtenmagazin im Abendprogramm des Ersten von 2,41 Millionen Zuschauer eingeschaltet, im Jahr 2014 waren es 2,46 Millionen Zuschauer.

Werte wie Verlässlichkeit, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit verbinden die Menschen auch im Internet vornehmlich mit den Öffentlich-Rechtlichen. Insbesondere die gemeinschaftlichen Angebote der ARD stehen im Vergleich zu den verschiedenen publizistischen Konkurrenten hervorragend da.

Die Telemedien der ARD setzen einen Schwerpunkt im Bereich der Information. Die gemeinschaftlichen Angebote ARD.de, tagesschau.de, sportschau. de, boerse.ARD.de und DasErste.de werden entsprechend auch als glaubwürdig, kompetent, informativ und unterhaltsam von den Nutzerinnen und Nutzern wahrgenommen. In einer repräsentativen Onsitebefragung zur Angebotsqualität der gemeinschaftlichen Angeboten aus dem Jahr 2012 sagten rund 85 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer, die Angebote gefielen ihnen sehr gut oder gut.

In Bezug auf Informationsvielfalt, Aktualität, Objektivität, Unabhängigkeit, Verständlichkeit, Professionalität, Vollständigkeit, Einordnung und Orientierung sowie Vernetzung der globalen, europäischen, nationalen und regionalen Perspektive erreichten die Angebote im Urteil der Nutzer sehr gute Bewertungen.

Warum existieren öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk nebeneinander?

Das Rundfunksystem ruht in Deutschland auf den zwei Säulen öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk. Das Bundesverfassungsgericht hat die Entstehung des privaten Rundfunks vor 30 Jahren nur unter der Bedingung gebilligt, dass es einen wettbewerbsfähigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt, an dessen Programm im Interesse des Gemeinwohls höhere Anforderungen gestellt werden können und müssen.

Der Rundfunk in Deutschland fußt auf zwei Säulen. Nach dem zweiten Weltkrieg entstand die erste Säule, der öffentlich-rechtliche Rundfunk. In der ersten Hälfte der 80er-Jahre entstand mit dem privaten Rundfunk die zweite Säule des dualen Rundfunksystems. Sie besteht weitgehend aus kommerziellen, aus Werbung finanzierten Hörfunk- und Fernsehveranstaltern. Die privaten Veranstalter werden von den Landesmedienanstalten beaufsichtigt.

An die Programme dieser Veranstalter werden verfassungsrechtlich wie landesgesetzlich richtiger Weise geringere Anforderungen gestellt als an die Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Die geringeren Anforderungen an die „Privaten“ sind aber laut Bundesverfassungsgericht nur möglich, weil an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weitreichendere regulatorische Forderungen gestellt werden. Das hat das Gericht wiederholt klar gestellt. 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in der dualen Rundfunkordnung Teil der Daseinsvorsorge, indem er - über den bloßen Ausgleich von Marktversagen privater Anbieter in bestimmten Bereichen hinaus - dem Gemeinwohl dient: Statt der Gewinnmaximierung im Sinne des „Shareholde Value“ dient er der Befriedigung gesellschaftlicher Bedarfe im Sinne eines „Public Value“. Mit ihrer politisch und wirtschaftlich unabhängigen Berichterstattung sollen die öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten Garanten für eine politische Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger und wesentliche Mittler in einer repräsentativen Demokratie sein.

Leistet der öffentlich-rechtliche Rundfunk gegenüber den privaten Anbietern in der Programmwirklichkeit inhaltlich einen Mehrwert?

Der Mehrwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks liegt insbesondere darin, auch Angebote zur Verfügung zu stellen, die der private Rundfunk aufgrund seiner kommerziellen Ausrichtung weder in gleicher Quantität noch Qualität anbieten kann.Insbesondere starke Informationsangebote sind die Markenzeichen der ARD und bieten den Menschen verlässliche und vertrauenswürdige Orientierungspunkte in einer zunehmend unübersichtlich werdenden Medienwelt.

Dem Ersten und ZDF gelingt es in der Programmwirklichkeit nachweisbar, gegenüber den Privaten einen inhaltlichen Mehrwert zu erbringen. Dies lässt sich konkret belegen:

  • Ein Vergleich der fünf großen Fernsehhauptprogramme ARD/Das Erste, ZDF, RTL, Sat.1 und ProSieben bestätigt die sehr unterschiedlichen Programmprofile der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender: Der Anteil von Informationssendungen im Ersten liegt seit Jahren bei über 40 Prozent. Im Jahr 2014 waren es bspw. 45 Prozent. Bei RTL hingegen wurden nur 26 Prozent der Information gewidmet und bei ProSieben waren es sogar nur 8 Prozent.
  • Die führende Rolle der öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme als Informationsanbieter basiert wesentlich auf den klassischen Sendungsformen der Berichterstattung und Meinungsvermittlung. Das Erste und ZDF verwenden deutlich mehr Sendezeit für Nachrichten, Magazine, Reportagen und Dokumentationen sowie Gesprächssendungen als RTL, Sat.1 und ProSieben. Die Privatsender verwenden stattdessen mehr Sendezeit für Realityformate als Teil der nonfiktionalen Unterhaltung.
  • Auch bei anderen Genres, wie Sport, bietet der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein, im Vergleich zu den Privaten, vielfältigeres Angebot. Die Vielfalt der Sportberichterstattung ist im Vergleich zu anderen Vollprogrammen national wie  international einzigartig.

Die Unterscheidbarkeit der Angebote spiegelt sich auch im Urteil der Zuschauerinnen und Zuschauer wider:

  • Im Vergleich mit der Konkurrenz – vor allem der privaten – gilt Das Erste als der Sender mit der ausführlichsten, gründlichsten und kompetentesten Berichter-stattung.
  • Ausschlaggebend für die hohe Akzeptanz des Ersten ist sein aktuelles Informationsangebot (Nachrichten, politische Talkshows, Politikmagazine und Reportagen, Ratgeber- und Verbrauchersendungen). Hier liegt das Erste vor dem ZDF und deutlich vor den privaten Angeboten.
  • Bei den anderen Informationsformaten (Wissenschaft, Wirtschaftsmagazine, Dokumentationen, Kulturmagazine) liegt das ZDF knapp vor dem Ersten, beide gemeinsam aber deutlich vor den kommerziellen Angeboten.
  • Das Publikum bescheinigt dem Ersten, dass es wie kein anderer Sender gesellschaftlich wichtige Diskussionen anregt und das Interesse am politischen Geschehen fördert. Daher gilt das Erste im Fernsehen als wichtigster Faktor für die politische Kommunikation. Von allen Sendern bietet Das Erste seit vielen Jahren aus Zuschauersicht das qualitativ beste Programm. Ein Streben nach Quoten unterstellt das Publikum vor allem den Privatsendern – zu Lasten von deren Glaubwürdigkeit.

Außerdem: Leider werden in der (medialen) Öffentlichkeit so gut wie immer nur die beiden Fernsehhauptprogramme Das Erste und das ZDF bewertet, aber nie das Gesamtangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Hierzu gehören nämlich neben den neun dritten Fernsehprogrammen auch 3Sat, Phoenix, Ki.Ka, die Digitalkanäle sowie Arte, das zu 50 Prozent vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland getragen wird. Hinzu kommen auch die über 60 Hörfunkprogramme der ARD und das Angebot von Deutschlandradio. Alle diese Angebote tragen gemeinsam zum Mehrwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei.

ARD-Trend 2000 bis 2014: Das Image der Fernsehsender im Zeitvergleich

Warum braucht man zwei öffentlich-rechtliche Systeme (ARD und ZDF)?

Anders als das ZDF bietet die ARD nicht nur das landesweites Fernsehprogramm „Das Erste“, sondern darüber hinaus auch regionale Fernseh- und Hörfunkprogramme. Mit den zwei Fernsehprogrammen Das Erste und ZDF steht die öffentlich-rechtliche Meinungsvielfalt in einem gesunden Wettbewerb.

Die ARD ist ein Zusammenschluss von neun Landesrundfunkanstalten mit über 60 Hörfunksendern, regionalem und bundesweitem Fernsehen und Programmangeboten im Internet. Sie ist regional strukturiert und spiegelt damit das föderale politische System der Bundesrepublik wider. Das ZDF ist Veranstalter eines zweiten öffentlich-rechtlichen Fernseh-Hauptprogramms.

Zwei öffentlich-rechtliche Hauptprogramme im Fernsehen sind im europäischen Vergleich keine Seltenheit. Auch in Großbritannien (BBC / Channel 4) und Dänemark (DR1, TV2) ist dies zum Beispiel der Fall. Die Strukturen von ARD und ZDF sind historisch gewachsen. Während die Landesrundfunkanstalten nach dem Zweiten Weltkrieg mit Hilfe der Alliierten in den jeweiligen Besatzungszonen gegründet wurden, war die Gründung des ZDF eine Folge einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 1961 (1. Fernsehurteil), das Versuchen der damaligen Bundesregierung, ein staatliches „Regierungsfernsehen“ (damals auch „Adenauer-Fernsehen“ genannt) zu etablieren, einen Riegel vorschob. ARD und ZDF stehen im Wettbewerb zueinander und bilden gleichzeitig ein Gegengewicht zu den beiden großen kommerziellen TV-Programmfamilien RTL Group und ProSiebenSat.1.

Durch die Existenz der zwei landesweiten öffentlich-rechtlichen Fernseh-Hauptprogramme Das Erste und ZDF, der regionalen Fernsehsender und der Vielzahl von regionalen Hörfunkprogrammen der ARD sowie zahlreicher Programmangebote im Internet, wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner Unabhängigkeit von staatlichen und wirtschaftlichen Einflüssen auf ein breites Fundament gestellt.

Der Wettbewerb ist gleichzeitig Motor für Qualitätsjournalismus. Die Wettbewerbssituation sorgt dafür, dass ARD und das ZDF eigene Maßstäbe setzen. Davon profitieren am Ende die Zuschauerinnen und Zuschauer, denn auch die „Privaten“ müssen sich innerhalb dieses Angebots anspruchsvoller Programmformate behaupten.

Wie effizient arbeitet die ARD? Welche Kooperationen und Synergien gibt es?

Die ARD besteht aus neun unabhängigen Landesrundfunkanstalten. Im Rahmen dieser vorgegebenen föderalen Struktur arbeiten die Landesrundfunkanstalten mit dem Ziel größtmöglicher Effizienz zusammen. Deshalb veranstaltet die ARD Sendungen, Einrichtungen und Aufgaben gemeinschaftlich. Ziel ist es, durch eine enge Zusammen-arbeit der Landesrundfunkanstalten, wo sinnvoll, Synergien zu schaffen und Kosten zu reduzieren, ohne die föderale Struktur und Eigenständigkeit der Landesrundfunk-anstalten zu gefährden. Kooperationen gibt es auch unter anderem mit dem ZDF, der Deutschen Welle und dem Deutschlandradio.

Die föderale Struktur der ARD mit ihren Landesrundfunkanstalten ist bewusst gewählt und findet ihre Entsprechung im Aufbau der Bundesrepublik. Der Föderalismus ist ein politisches Strukturprinzip, nach dem sich ein Gemeinwesen aus mehreren, ihre Entscheidungen abstimmenden, aber ihre Eigenständigkeit bewahrenden Gemeinschaften zusammensetzen soll („Einheit in der Vielfalt”). Die Bundesrepublik Deutschland ist nach diesem Prinzip ein Bundesstaat mit Bund, Ländern und Gemeinden als föderalen Ebenen.

Um vorherrschende Meinungsmacht zu vermeiden, wurde diese „vertikale Gewaltenteilung“ auf das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks übertragen. Die einzelnen Landesrundfunkanstalten agieren eigenständig und haben mit ihren Angeboten individuelle Programmprofile. Dieses System von „checks and balances“ macht die ARD unabhängig, ein zentralistisches Rundfunkwesen wäre anfälliger für politische oder wirtschaftliche Einflussnahme.

Dem Rundfunkföderalismus steht allerdings eine enge Kooperation zwischen den Rundfunkanstalten nicht entgegen. Die Zusammenarbeit der Rundfunkanstalten ist ein wesentliches Anliegen der ARD, mit dem Ziel durch Bündelung der Ressourcen Kosten zu reduzieren. Nur in enger Zusammenarbeit können etwa Sportgroßereignisse, anspruchsvolle Fernsehspiele oder auch der Programmpool der Dritten Fernsehprogramme finanziert werden. Auf diese Weise kann ein Programmangebot entstehen, das inhaltlich die unterschiedlichsten Präferenzen des Publikums berücksichtigt. Die Zusammenarbeit in der ARD beschränkt sich nicht auf programmliche Aktivitäten, sondern findet vor allem auch im technischen Bereich statt. So wurden beispielsweise in jüngerer Zeit ARD-weit gemeinsame Anforderungen bei der Beschaffung von Fernseh- und Hörfunk-Übertragungswagen und weiteren Fahrzeugen beschlossen, die zudem teilweise von mehreren Anstalten gemeinsam genutzt werden sollen. Um diese Kooperationen noch auszubauen, haben alle ARD-Rundfunkanstalten darüber hinaus Kooperationsverantwortliche benannt, die bei Investitionen nach weiteren Potenzialen suchen sollen. Hierdurch werden weiter Kosten gesenkt, Synergien ausgeschöpft und Leistungen verbessert.

Schon seit ihrer Gründung 1954 belegt die ARD mit ihrem Fernseh-Gemeinschaftsprogramm Erstes Deutsches Fernsehen/Das Erste, wie erfolgreich das föderale Rundfunksystem der ARD sein kann. Ebenfalls bis in die 50er Jahre zurück reicht die Kooperation beim Nachtprogramm des Hörfunks.

Grenzen finden Kooperationsmöglichkeiten dort, wo der öffentlich-rechtliche Auftrag gefährdet würde, insbesondere wenn es um die verlässliche Abbildung regionalen Geschehens und regionaler Kultur geht. Kooperationen dürfen die ausgeprägte regionale Kompetenz und Akzeptanz der einzelnen Landesrundfunkanstalten nicht verwässern.

Warum unterhält die ARD Orchester- und Musikensembles?

Dem Programmauftrag entsprechend soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch Kulturveranstalter sein. Orchester, Chöre und Bigbands der ARD bereichern nicht nur die Kulturlandschaft auf hohem Niveau, sie erfüllen auch zahlreiche integrative Aufgaben, z.B. die Heranführung von Schülern und Jugendlichen an klassische Musik.

Die Klangkörper der ARD sind in ihrer Entstehungsgeschichte untrennbar mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbunden. Der Auftrag des Rundfunks beschränkt sich nicht darauf, Kultur zu verbreiten, er soll auch selbst Kulturveranstalter und Produzent sein. Die Orchester, Chöre und Bigbands der ARD bieten mit ihren Programmen Musikkultur auf höchstem Niveau. Für ihre Finanzierung wird ein Anteil von 0,41 Euro des monatlichen Rundfunkbeitrags in Höhe von 17,50 Euro aufgewendet.

Die Beitragsfinanzierung ermöglicht es den Klangkörpern der ARD, ihre Angebote nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu gestalten. Während kommerzielle Ensembles überwiegend marktorientiert agieren,  verschaffen die Klangkörper der ARD auch kaum bekannten Werken Wahrnehmung. Damit haben sie einen bedeutenden Anteil daran, die Vielfalt im Musikleben zu bewahren.

Die Klangkörper erfüllen dabei auch integrative und edukative Aufgaben. In vielfältigen Initiativen führen die ARD-Orchester und -Ensembles Kinder und Jugendliche an klassische Musik heran. Intensive Kooperationen mit Schulen im jeweiligen Sendegebiet ermöglichen die Teilnahme junger Leute an Schülerkonzerten, Probenbesuchen, Workshops und vielem mehr. Ihre Integrationsfunktion erfüllen die Klangkörper aber auch durch die Reflektion gesellschaftlich relevanter Themen. Sie bilden damit eine wichtige Brückenfunktion zwischen ganz unterschiedlichen Kulturen.

Die Orchester, Chöre und Bigbands der ARD-Rundfunkanstalten sowie die Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH Berlin erfüllen ihren Auftrag in 16 Bundesländern. Sie sind Garanten dafür, dass die Menschen  in allen Regionen Deutschlands an einem Musikleben auf Spitzenniveau teilnehmen können. Gleichzeitig sorgen sie für die Bewahrung föderaler Vielfalt. Dies sind zur Zeit:: der Chor des BR, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, die hr-Bigband, der MDR Rundfunkchor, der MDR Kinderchor, das MDR Sinfonieorchester, das Münchner Rundfunkorchester, die NDR-Bigband, der NDR Chor, das NDR Sinfonieorchester, die NDR Radiophilharmonie, das hr Sinfonieorchester, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, das RIAS Jugendorchester, der RIAS-Kammerchor, der Rundfunkchor Berlin, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, die SWR Big Band, das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, das SWR Vokalensemble Stuttgart, das Symphonieorchester des BR, die WDR Big Band Köln, der WDR Rundfunkchor Köln, das WDR Rundfunkorchester Köln und das WDR Sinfonieorchester Köln.

Welche Bedeutung hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Förderer von Kultur in den Regionen?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist unabhängig von kommerziellen Interessen und kann deshalb Projekte realisieren, die das kulturelle Leben in Deutschlands Regionen in einzigartiger Weise bereichern. Dazu gehören Festivals, Literatur- und Musikwettbewerbe, Kompositionen und Hörspiele, die Förderung des deutschen Films und Kulturpreispartnerschaften.

Der Gesetzgeber hat den Rundfunkanstalten der ARD auch den Auftrag erteilt, die kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die Sender der ARD sind fest in ihren jeweiligen Kultur-Regionen verwurzelt. Sie sind selbst Kulturgut aber auch Förderer der regionalen Kultur. Die ARD ist für diese Aufgabe prädestiniert, da sie föderal strukturiert ist und unabhängig von privatwirtschaftlichen Interessen agiert. Die Rundfunkanstalten der ARD veranstalten Festivals Literatur- und Musikwettbewerbe, sind Bewahrer von Mundart und regionalen Dialekten, sie vergeben Kompositions- und Hörspielaufträge, sind Partner bei Kulturpreisen und nicht zuletzt bei der Förderung des deutschen Films. Viele herausragende und preisgekrönte Kinofilme würden ohne die ARD-Kooperationspartner nicht realisiert. Ein so lebendiges Kulturleben und -schaffen wäre in Deutschland ohne die Beiträge der ARD kaum vorstellbar.

Stand: 19.10.15 15:30 Uhr